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Gedenkstätte Rivesaltes in Frankreich „Für die armen Teufel, die durch Europa irren“

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„Es war so hart, ich wollte mich nicht erinnern“
„Es gibt keine tiefere Zäsur als diesen Tag“
Gedenkstunde im Bundestag
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Zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs veranstaltete der Bundestag eine Gedenkstunde. „Der 8. Mai ist ein Tag der Befreiung gewesen – er war aber kein Tag der deutschen Selbstbefreiung“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert in seiner Eröffnungsrede. „Unsere Gedanken und Respekt gelten denen, die unter unvorstellbaren Verlusten die nationalsozialistische Terrorherrschaft beendet haben, sowohl in den Reihen der westlichen Alliierten als auch auf Seiten der Roten Armee.“

(Foto: dpa)
Tiefste Zäsur der deutschen Geschichte
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Neben Zeitzeugen und Botschaftern war höchste Politprominenz zum Gedenken angereist. In der ersten Reihe: Bundesratsvorsitzender Matthias Platzeck, Alt-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Alt-Bundespräsident Horst Köhler, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier (v. l.). Die Gedenkrede hielt der Historiker Heinrich August Winkler: „In der deutschen Geschichte gibt es keine tiefere Zäsur als diesen Tag.“

(Foto: dpa)
Hollande am Denkmal de Gaulles
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Der französische Präsident François Hollande besuchte traditionsgemäß das Denkmal seines ehemaligen Amtskollegen Charles de Gaulle, der während des Zweiten Weltkriegs die französische Exilregierung in London führte. Danach ließ sich Hollande über die Champs-Élysées von der Republikanischen Garde zum Grab des Unbekannten Soldaten eskortieren und legte dort einen Kranz nieder. Mit Blick auf die französische Widerstandsbewegung sagte Hollande: „Der Sieg am 8. Mai war kein Sieg einer Nation über eine andere. Es war der Sieg eines Ideals über eine totalitäre Ideologie.“

(Foto: AFP)
Hoher Besuch aus den USA
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Den Feierlichkeiten in Paris wohnte auch der US-amerikanische Außenminister John Kerry (3. v. l.) bei. Die offizielle Zeremonie wurde wie jedes Jahr am Pariser Triumphbogen am Ende der Champs-Élysées gefeiert.

(Foto: AFP)
Gast aus Fernost
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Hoher Besuch aus Fernost erreicht zum Weltkriegsgedenken den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping (l.) ist extra zur 70-Jahr-Feier des Sieges der Roten Armee über die Wehrmacht angereist und wird verschiedenen Feierlichkeiten in Russland beiwohnen. Dort gilt übrigens erst der 9. Mai als Tag des Kriegsendes – weil die deutsche Kapitulation 1945 nach russischer Zeit erst nach Mitternacht unterzeichnet wurde.

(Foto: dpa)
Der König salutiert
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In Belgien salutierte König Philippe während einer Gedenkzeremonie vor dem Grab des Unbekannten Soldaten in Brüssel. Das Land war von 1940 bis zum Ende des Kriegs 1945 von den Nationalsozialisten besetzt.

(Foto: AFP)
Gedenken in Israel
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Auch in Israel wurde der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert – unter anderem mit einer Parade in der südisraelischen Stadt Ashdod. An dem Umzug nahmen auch Weltkriegsveteranen teil, die vor mehr als 70 Jahren gegen die Nationalsozialisten gekämpft haben.

(Foto: Reuters)

Wie aber macht man das? Agnès hat Ideen. In ein paar Wochen wird das frühere Fußballidol Eric Cantona hier sein, um mit Jugendlichen zu diskutieren. Seine Mutter floh 1939 mit ihren Eltern vor Franco aus Spanien. Im Sommer haben junge Deutsche, Franzosen und Spanier darüber diskutiert, was Flucht und Europa für sie bedeuten – ein Projekt, das sich jedes Jahr wiederholen soll.

Eine junge französische Künstlerin bereitet die erste befristete Ausstellung vor. Dazu gehören ein Video und ein Briefprojekt: Hunderte Bürger haben aufgeschrieben, was sie mit dem Mémorial verbinden. Jeder Besucher kann einen Brief herausfischen und mit dem Absender in Kontakt treten.

Manche Überlebende kommen heute zum ersten Mal nach Rivesaltes zurück. Marie-Thérèse Camara ist die Frau eines Soldaten aus Guinea, der im Zweiten Weltkrieg für die Franzosen kämpfte. Sie wurde mit ihrer Familie 1962 interniert. Es ist ihr nicht leicht gefallen, auf die unwirtliche Ebene zurückzukehren. „Wir waren so geschwächt, ich hätte fast mein Kind verloren“, sagt sie.

Bis vor kurzem hat sie nicht mit ihren Kindern über Rivesaltes gesprochen: „Es war so hart, ich wollte mich nicht erinnern und den Kindern wollte ich das ersparen.“ Beim Gang über das verwilderte Gelände bleibt sie immer wieder zurück, bleibt lange an einer Baracke stehen, hält sich an einem Pfosten fest und schaut auf die Mauern, in denen sie zwei Jahre ihre Lebens verbracht hat.

Als militärisches Übungsgelände „Camp Joffre“ wurde die Anlage Ende der 30er-Jahre aus dünnen Zementsteinen errichtet, die Dächer bestanden aus asbesthaltigen Faserzementplatten. Überall liegen sie zerschmettert auf dem Boden. Arbeiter mit Atemschutzgerät sammeln sie ein, haben ein Areal eingezäunt und mit einer Plane gesichert. Ein rührender Versuch der Fürsorge, eine leichte Beute für den Wind: Die Plane hat er schnell zerfetzt, nun spielt er weiter mit den Asbestfasern, treibt sie über das Gelände.

An etwas geschützteren Stellen wachsen ein paar Oliven- und Feigenbäume. Sie wirken wie ein Versöhnungsangebot der Natur: Sie schickt ihre friedlichsten Pflanzen, um diesem Ort der Verzweiflung endlich seine Hoffnungslosigkeit  zu nehmen.

Wenn die Bäume gewachsen sind und mediterrane Milde ausstrahlen, werden Antonio, Paul und Marie-Thérèse lange tot sein. Aber noch können sie Zeugnis ablegen. „Ich mache es für die Jugendlichen, die oft nicht verstehen, was Freiheit und Demokratie bedeuten, wie kostbar es ist, dass wir wählen können“, sagt Antonio. Dann fügt er hinzu: „Und ich mache es für all die armen Teufel, die heute als Flüchtlinge durch Europa irren wie wir in den 40er-Jahren.“

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