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Gedenkstätte Rivesaltes in Frankreich „Für die armen Teufel, die durch Europa irren“

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Verkörperung eines monströsen Jahrhunderts
Überbleibsel des Internierungslagers sind noch heute zu sehen. Quelle: Thomas Hanke
Ort des Schreckens

Überbleibsel des Internierungslagers sind noch heute zu sehen.

Das Mémorial erinnert ebenso an die deutschen Juden, die vor der „Endlösung“ aus dem Reich nach Frankreich deportiert und wie andere „unerwünschte Ausländer“ interniert wurden, bevor die Mehrheit von ihnen 1944 in die Gaskammern transportiert wurde. Die Gedenkstätte erzählt auch von den französischen Zigeunern, die aus der Republik ausgeschlossen wurden, die doch angeblich weder Rasse noch Religion kennt.

Gedacht wird auch der deutschen Kriegsgefangenen, von denen hunderte nach 1944 in Rivesaltes starben, der algerischen und guineischen Hilfstruppen der französischen Armee und der namenlosen Migranten aus aller Welt, die bis 2007 immer wieder die auf dem riesigen Gelände verteilten, heute meist verfallenen Baracken gefüllt haben.

Rivesaltes: Mitten im Urlaubsgebiet des französischen Midi verkörpert es das monströse 20. Jahrhundert, das den Rechtsstaat immer dann vergaß, wenn es galt, Menschen auszugrenzen, sie als angeblich gefährliche Personen unschädlich zu machen durch Wegsperren. Dieses vergiftete Erbe hat es dem 21. Jahrhundert hinterlassen.

Zwischen 1941, als der Komplex offiziell eröffnet wurde, und 2007, als der Abschiebeknast geschlossen wurde, starben unzählige Internierte an Auszehrung und Krankheiten. Der Arzt Joseph Weill stellte in den 40er-Jahren fest, dass die Rationen in den französischen Lagern bestenfalls rund 750 Kalorien entsprachen. Wer nicht langsam verhungern wollte, musste seine Ration auf dem Schwarzmarkt aufbessern.

Doch nur wenige hatten genug Geld dafür: „Die Preise waren vier Mal so hoch wie in normalen Geschäften“, erinnert sich Antonio, der auch die wässrige Rübensuppe nicht vergessen hat, die es jeden Tag gab.

Sajaloli hat dafür gesorgt, dass man das Halbdunkel des großen Saals der Dauerausstellung nicht mit dem beruhigenden Gefühl verlassen kann, das alles sei Vergangenheit. „Die Lager sind eine Konstante des 21. Jahrhunderts“, heißt es am Ende der Ausstellung, wo Fotos von derzeitigen Camps zu sehen sind. Denis Peschanski, Leiter des Wissenschaftlichen Beirats des Mémorials, gibt in einem Video den Besuchern Fragen mit auf den Weg: Geht es den Millionen Flüchtlingen heute besser? Machen wir es heute so viel anders? Wer an die Bilder aus Calais oder von der ungarischen Grenze denkt, dem kommen Zweifel.

Der Deutsche war einer von 6000 deutschen Juden, die 1941 aus Baden und der Saarpfalz in das noch unbesetzte Südfrankreich deportiert wurden. Quelle: Thomas Hanke
Peter Niedermann

Der Deutsche war einer von 6000 deutschen Juden, die 1941 aus Baden und der Saarpfalz in das noch unbesetzte Südfrankreich deportiert wurden.

Der Deutsche Paul Niedermann kam mit 14 Jahren nach Rivesaltes. Er zählte zu den 6000 deutschen Juden, die 1941 aus Baden und der Saarpfalz in das damals noch unbesetzte Südfrankreich deportiert wurden, zunächst nach Gurs in den westlichen Pyrenäen, dann nach Rivesaltes.

Dort wurde er von seiner Mutter und seinem Bruder getrennt, kam in den Bereich für Erwachsene, schlich sich aber ins Frauenlager, um sich zu ernähren: „Die Spanierinnen haben am Anfang dafür gesorgt, dass wir essen konnten. Wir hatten ja kein Geschirr oder Blechnäpfe und konnten deshalb keine Suppe fassen, da haben die spanischen Frauen uns ihre Gefäße geliehen“, sagt der heute 88-Jährige.

Brexit 2019
„Wir können eure Kinder retten“
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