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Geheimdienst-Informant Snowden gehen die Optionen aus

Ein Land nach dem anderen lehnt Edward Snowdens Asylanträge ab. Die US-Regierung setzt alles in Bewegung, um dem Flüchtigen die Wege abzuschneiden. Welche Optionen dem Whistleblower jetzt noch bleiben – ein Überblick.
03.07.2013 Update: 03.07.2013 - 15:58 Uhr 38 Kommentare
Wartender Passagier in der Transitzone von Scheremetjewo: Snowdens Chancen sinken rapide. Quelle: Reuters

Wartender Passagier in der Transitzone von Scheremetjewo: Snowdens Chancen sinken rapide.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Es war nur ein Gerücht, doch es reichte aus, um die nächste diplomatische Krise auszulösen. Als Boliviens Präsident Evo Morales am Dienstagabend von Moskau aus nach Hause fliegen wollte, musste seine Regierungsmaschine außerplanmäßig in Wien zwischenlanden. Frankreich, Portugal und Spanien sollen die Überflug-Genehmigung verweigert haben – weil es hieß, der Geheimdienst-Informant Edward Snowden könnte an Bord sein. Er war es nicht. Aber Morales dafür umso wütender.

In dem Flucht-Drama um den von der US-Regierung gejagten Landsmann liegen mittlerweile die Nerven blank. Seit mehr als einer Woche schon soll er mit annulliertem Pass im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festsitzen, auch wenn ihn niemand dort gesehen zu haben scheint. In der Zwischenzeit schwinden Snowdens Optionen rapide, den Amerikanern noch zu entkommen. Nach und nach erteilten fast alle Länder, in denen er Asyl beantragt hatte, dem Flüchtigen eine Absage.

Stand Mittwochnachmittag hat Snowden nun im Wesentlichen vier Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte:

Möglichkeit 1: Politisches Asyl

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    Es war von Anfang an Snowdens Hoffnung, dass ihm ein Land Asyl gewähren würde. Bei den Moskauer Botschaften von mindestens 21 Ländern hat er Anträge stellen lassen, doch fast alle Staaten haben bereits abgewunken. Meist mit derselben juristischen Begründung: Der Antrag kann nicht bearbeitet werden, weil er nur im jeweiligen Staatsgebiet oder an der Grenze gestellt werden kann. Botschaften gehören nicht dazu.

    So argumentierten neben Deutschland auch Finnland, Irland, Norwegen, Österreich, Polen oder Spanien. Ecuador, das Anfangs Sympathien für Snowden gezeigt hatte, hat sich mittlerweile von dem Whistleblower distanziert. Man prüfe den Antrag derzeit noch nicht, sagte Präsident Rafael Correa. Im Übrigen müsste Snowden persönlich erscheinen, um Asyl erbitten zu können. Correa gab zu, dass US-Vizepräsident Joe Biden per Telefon heftigen Druck ausgeübt hatte.

    Zuvor hatte bereits Präsident Barack Obama die Welt gewarnt: Wer Snowden helfe, werde Konsequenzen spüren. Und so gilt es mittlerweile als unwahrscheinlich, dass der Flüchtige irgendwo Unterschlupf findet. Nur Bolivien und besonders Venezuela würden den 30-Jährigen willkommen heißen. „Er verdient internationalen Schutz“, sagte Venezuelas neuer Präsident Nicolas Maduro, ein scharfer Kritiker der USA.

    Eine Variante aber scheidet nach dem Morales-Zwischenfall in Wien aus: Kein Staatschef wird Snowden in seinem Regierungsflieger mitnehmen.

    Möglichkeit 2: In Russland bleiben, aber schweigen

    Wladimir Putin ließ keinen Zweifel: „Wenn er hierbleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen“, sagte Russlands Präsident. Putins Bedingung als Gegenleistung für ein Bleiberecht wollte Snowden allerdings nicht annehmen, weil er weitere Enthüllungen über die US-Geheimdienste plant. Noch am Dienstag zog Snowden seinen Asylantrag zurück.

    Als letzten Ausweg aber könnte der Flüchtling wohl noch einmal darauf zurückkommen. Immerhin hatte ein Sprecher des Präsidenten zugesichert: „Russland hat niemals jemanden ausgeliefert, liefert niemanden aus und wird niemanden ausliefern“.

    Auch aufgeben ist eine Option
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    38 Kommentare zu "Geheimdienst-Informant: Snowden gehen die Optionen aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ IlikeRussia
      Das wird er auch machen. Ich denke, Putin ist ein Fuchs, der spielt so, daß er am Ende unschuldig wirkt. Ich schätze mal, zuerst wird Snowden weiter auspacken und die Welt schockieren, dann kommt das mit dem Asylantrag, schließlich wird ihm irgendetwas zustoßen, es gibt eine Beerdigung, danach eine neue Identität - und dann lebt er fröhlich sonstwo bis an sein natürliches Lebensende.

    • Das ist nur der Vorgeschmack auf eine neue Weltordnung, die bereits in vollem Gange ist.
      Únd das Frau Merkel nichts tun würde, was den Interessen der USA zuwider laufen, hatte sie bereits nach Schröders Nein zum Irakkrieg auf wiederwärtige Weise demonstriert.

    • Die Russen sollten Snowden auf dem Landweg via Finnland nach Schweden oder Norwegen bringen und ihm 100.000 Dollar für die gelieferten Informationen in bar auszahlen. Dann wäre der Drops gelutscht. Aus Schweden/Norwegen kriegen ihn die Amerikaner nicht raus - wenn sie ihn überhaupt finden. ---- So und nun, liebe NSA, scheucht eure Leute in Nordeuropa auf. HarHar.

    • "... auch die Todesstrafe gilt als äußerst unwahrscheinlich."

      Deshalb halten Sie, sehr geehrter Herr Rüdel, wie unsere Regierung, es für angemessen, Snowden das Asyl oder andere humanitäre Unterstützung zu verweigern?

      Ich bin empört, wie lapidar Sie das Schicksaal dieses Menschen abhandeln.

      Snowden hat durch eine Art von zivilem Ungehorsam unserer Demokratie, wie auch vielen anderen Demokratien der Welt einen großen Dienst erwiesen, indem er auf die systematische Verletzung eines demokratischen Grundrechtes aufmerksam gemacht hat. Snowden ist demnach ein Verteidiger der Demokratie, die im Gegensatz zu totalitären Überwachungsstaaten, dem Post- und Telekommunikationsgeheimnis einen verfassungsrechtlichen Rang zuerkennt. Unser Grundgesetz kennt sogar das Recht auf Widerstand gegen alle Versuche die demokratische Grundordnung abzuschaffen.

      Uns Sie begnügen sich mit der Aussicht, dass Herr Snowden in den USA wahrscheinlich nicht hingerichtet wird?

    • geben sie diese adresse doch mal bei facebook oder twitter bekannt, vielleicht kommen dann ein paar unterschriften mehr.

    • Es gibt ein Sprichwort un den USA:

      Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.

    • Leider gibt es Gesetze die über dem GG stehen. Und das sind alliierte Vorbehalte die bis Ende 2099 gelten.

    • Es gehört schon viel Fingerspitzengefühl dazu, wenn die USA auf diese Weise ihr wahres Gesicht zeigen. Sehr effektiv, einen Tag vor dem 4.Juli -wenn aklso die US-Verfassung gefeiert wird- Morales/Bolivien zur Landung zu zwingen.

      Ach ich vergaß, statt der US-Verfassung gibt es ja jetzt das Ermächtigungsgesetz, den Patriot Act. Fällt der 4. Juli bei den Amis nun aus? Na egal, mein Feiertag ist das ja nicht!

    • O-Ton Handelsblatt
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      Seit mehr als einer Woche schon soll er mit annulliertem Pass im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festsitzen, auch wenn ihn niemand dort gesehen zu haben scheint.
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      Selten so einen Unsinn gehört.

      Das illegale Siedlerregime am Potomac hat überhaupt keine Berechtigung "Pässe" auszustellen.

      Alle US-Pässe sind ebenso ungültig wie das Regime das sie ausgestellt hat.

    • Wenn sich Snowden und Ecuador einigen sollten bin ich dafür, Ecuador zu unterstützen, wenn die Amis das Land dafür bestrafen. Denn hier in Deutschland wäre er nicht sicher.

      Irgendwie habe ich ein flaues Gefühl im Mahen. So wie wir es jetzt erleben können Weltkriege ausbrechen. Aber da die sogenannte Demokratie allerorten vor die Hunde geht muss das wohl so sein.

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