Geheimprogramm PRISM „Die sehen, wie Sie beim Tippen denken“

Facebook, Google und Apple: Der US-Geheimdienst NSA zapft seit Jahren die Nutzer-Accounts von Internetgiganten an – offenbar mit Zustimmung der Firmen. Doch Obamas Regierung hat eine Ausrede parat.
Update: 07.06.2013 - 10:45 Uhr 35 Kommentare

"Das zerstört das Vertrauen"

New YorkDie Zentrale des US-Geheimdienstes NSA besteht aus zwei Hochhausklötzen mit verspiegelter Glasfassade. Von der Autobahn aus sind sie zu sehen, und doch sind sie unnahbar: Die Gebäude stehen abgeschieden auf dem Militärstützpunkt Fort Meade nordöstlich von Washington. Riesige Antennen und Abhöranlagen geben einen Eindruck davon, dass die geheimnisumwitterte Behörde ihre Augen und Ohren auf der ganzen Welt hat.

Offenbar hat die National Security Agency aber einen noch viel größeren Einblick ins Privatleben der Amerikaner als bisher gedacht: Laut „Washington Post“ und dem britischen „Guardian“ zapfen Agenten von NSA und FBI seit sechs Jahren die Server mehrerer Internet-Firmen an – mit deren Zustimmung. Die Regierung bestätigt die Existenz des Programms, doch die betroffenen Unternehmen dementieren.

Dabei soll es sich um Unternehmen handeln, deren Produkte die meisten Menschen täglich nutzen: Apple, Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Paltalk, AOL, Skype und Youtube. „Datensammlung direkt von den Servern dieser Dienste“, zitiert die Zeitung aus einem als „Top Secret“ klassifizierten Dokument. Wer also in den USA bei diesen Diensten Fotos, Audio- oder Videodateien postet, wer E-Mails schreibt, Dokumente hochlädt oder sich einfach nur an- oder abmeldet – der könnte seine Privatsachen mit den Schlapphüten von NSA und FBI teilen.

Die Analysten können dadurch laut den Berichten Bewegungen und Verbindungen von Nutzern über längere Zeiträume hinweg verfolgen. Das Programm trage den Codenamen PRISM und sei als streng geheim eingestuft. Nur wenige Kongressabgeordnete seien eingeweiht.

Die US-Regierung bestätigte die Existenz des Programms - und stellt klar, dass es sich vor allem gegen Ausländer richtet. Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, erfasst würden nur die Daten von Nicht-US-Bürgern, die außerhalb des Landes lebten. Der Kongress habe das Programm jüngst "nach ausführlichen Anhörungen und Debatten" verlängert.

In der New York Times rechtfertigt James Clapper, Obamas Nationalen Geheimdienstdirektor, das Programm. Es sei durch den Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) gedeckt, der gerade erst durch den Kongress erneuert wurde. Außerdem sei das Programm wichtig: "Die Informationen, die mit diesem Programm gesammelt werden, gehören zu den entscheidendsten und nützlichsten Geheimdienstinformationen, die wir haben, und sie werden verwendet, um unser Land vor einer großen Zahl von Bedrohungen zu schützen."

Apple-Sprecher: „noch nie gehört“
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35 Kommentare zu "Geheimprogramm PRISM: „Die sehen, wie Sie beim Tippen denken“"

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  • Arbeiten bei Google, Apple & Co nur Blödmänner? In den 80er Jahren hat die Justizbehörde der Fa. Inslaw das Pgm Promis geklaut, weiterentwickelt und weiter verkauft! (Quellcode kann so bei Inslaw erstanden werden, wäre sie dadurch nicht pleite gegangen). Lotus (Kunde:z.B. Dresdner Bank)und andere Firmen bestätigten, das der Code zum schnüffeln eingebaut wurde! MS = kein Kommentar! Das war in den 80ern ...
    In "Sachverständigenkreisen" ein alter Hut! Und die glauben, die haben seit dem Däumchen gedreht??? Pah

  • Das reicht doch schon und den Rest kann man sich zusammen reimen.

    Wurde mal im TV gezeigt wie das geht also sind es nicht wenige Schritte bis zum Gläsernen Menschen sondern der ist längst schon da.

  • @Santos... Zum Ersten empfehle ich einen Deutschkurs oder ein besseres Dolmetscherprogramm. Zum Anderen kann ich mich Ihrer Meinung von Grund auf nicht anschließen. Nicht genug, dass man sich vor Internetbetrug und Datenklau in großem Stil schützen, jetzt kann man sich nicht einmal mehr sicher sein, ob die persönliche Email, die privaten Urlaubsfotos oder andere Intimitäten nicht von wildfremden mitgelesen, protokolliert und gespeichert werden. Bis zum gläsernen Bürger sind es nur noch ein paar Schritte. Von Datenschutz keine Spur.

  • Fühlen Sie sich weiter sicher, während Sie Googlen und die Kommunikation durch die Infrastrukturkomponenten im Internet mitprotokolliert und weitergeleitet wird. Es ist ziemlich egal, welches Betriebssystem sie hierzu verwenden. Solange sie nicht alle Daten vor dem versenden verschlüsseln, wird Prisma seine Information auch aus einer Linux Umgebung erhalten.

  • Träumen Sie gerne weiter. Was meinen Sie denn, was passiert, wenn irgendwo in Milliarden von Petabytes mal eben ein Bit verrutscht. Dann trifft es hoffentlich nicht Sie.

    Ein Bekannter von mir ist bei der Fahrt nach Grossbritannien von den französischen Behörden vorgeworfen worden, die Identität eines Toten angenommen zu haben. Es handelt sich um einen eingebürgerten US-Bürger. Er durfte dann mehrere Wochen in Frankreich sitzen und wurde dann in sein Ursprungsland in Südamerika abgeschoben. Fast hätte er den Job in USA verloren. Es gab nicht einmal eine Entschuldigung von den französischen Behörden.

    Wer so argumentiert wie Sie, ist nie unschuldig in die Mühlen der Justiz geraten.

  • langsam muessen sich die amis nicht wundern, wenn sie sich zunehmend auf dem gesamten globus unbeliebt machen.
    es interessiert mich einen feuchten kericht, was ein us gremium fuer rechtens befindet, meine - nicht us buerger - daten ausserhalb deren rechtraum ungefragt zu STEHLEN und zu nutzen!
    wieder ein verhweifelter versuch, der dilletantischen und offensichtlich ueberforderten us organisationen, ihre machtstellung nicht an den osten zu verlieren ... wohl zulange ueber die verhaltnisse gelebt und geschlafen ... jetzt schiebt man "auslaender" und "terroristen" vor, um schuldige zu suchen und eine kontroll- und entmachtungsmassnahme gegen unternehmen und privatpersonen, nach der anderen durchzusetzen ... das gabs schonmal!
    einziger unterschied: der brd wird es bis heute aufs brot geschmiert, den amis nimmts niemand krumm!

  • @Einreiher:

    Sie würden auch wieder "S**g H**l rufen, wenn es verlangt würde.

  • Eine Staatsmacht, die ihren Bürgern nicht traut, hat keine Überlebenschhance. das hat die DDR gezeigt. Nur weiß IM Erika das noch nicht.

  • @Euro:

    >> "Die Amis nutzen viel zu ungeniert ihre Macht"

    > Es sind leider nicht nur die Amis. Der Bundestrojaner
    > wurde bekannt, aber was kennen wir nicht?

    Der Bundestrojaner spielt vergleichsweise in der Kreisklasse. Selbst was bei uns unter Vorratsdatenspeicherung läuft ist im Vergleich zu den Aktivitäten der Amis bestenfalls 3. Bundesliga.

    > Was ist mit unseren Kommentaren hier?

    Das hier sind öffentliche Äußerungen. Hier wollen wir eine Breitenwirkung erzielen.

    > Ich erinnere mich an die "Weisse Rose" und deren
    > trauriges Schicksal.

    Davon sind wir in der BRD weit entfernt. Die Vorratsdatenspeicherung lehne ich ganz wesentlich deshalb ab, weil ich die entsprechende Infrastruktur ablehne. Wer sagt denn, dass wir in 50 Jahren noch eine freiheitlich-demokratische Grundordnung haben?

    > Alles nur eine Frage der Machtnutzung, mehr - wie die
    > Geschichte zeigt - nicht.

    Richtig.

    > Aber heute ist es wesentlich einfacher solche "Subjekte"
    > aufzudecken. Man stelle sich mal vor, das Internet im
    > Dritten Reich - was fuer Moeglichkeiten fuer die
    > Machthaber.

    GENAU DAS!

  • "Die Amis nutzen viel zu ungeniert ihre Macht"

    Es sind leider nicht nur die Amis. Der Bundestrojaner wurde bekannt, aber was kennen wir nicht? Was ist mit unseren Kommentaren hier?

    Ich erinnere mich an die "Weisse Rose" und deren trauriges Schicksal. Alles nur eine Frage der Machtnutzung, mehr - wie die Geschichte zeigt - nicht. Aber heute ist es wesentlich einfacher solche "Subjekte" aufzudecken. Man stelle sich mal vor, das Internet im Dritten Reich - was fuer Moeglichkeiten fuer die Machthaber. Wie anders ist es heute wirklich mit unserer Datennutzung? Boese und machtgierige Menschen sind ausgestorben?

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