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Geldpolitik Türkei verschieb Zinssenkung und befindet sich nun in der Zwickmühle

Die Inflation in der Türkei steigt und steigt – doch die Zentralbank lässt den Leitzins stabil. Ein gefährliches Szenario, das auch anderen Ländern droht.
14.07.2021 - 15:15 Uhr Kommentieren
Die angespannte politische Lage in der Türkei sorgt dafür, dass die türkische Währung immer stärker fällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist und allen voran Öl importiert. Öl wird allerdings in Dollar bezahlt und die Preise steigen aktuell – und mit ihr die Inflation. Volatilität*: 12,75 Prozent*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate) Quelle: Reuters
Platz 8: Türkische Lira

Die angespannte politische Lage in der Türkei sorgt dafür, dass die türkische Währung immer stärker fällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist und allen voran Öl importiert. Öl wird allerdings in Dollar bezahlt und die Preise steigen aktuell – und mit ihr die Inflation.

Volatilität*: 12,75 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

(Foto: Reuters)

Istanbul Trotz steigender Inflationszahlen hat die türkische Zentralbank ihren Leitzins nicht angetastet. Der geldpolitische Ausschuss hielt am Mittwoch den geldpolitischen Schlüsselsatz den vierten Monat in Folge bei 19 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten hatte dieses Ergebnis erwartet.

Zudem bekräftigte die Zentralbank, den Satz über der Inflationsrate zu halten. Im Juni lag die Teuerungsrate bei 17,53 Prozent.

In den Sommermonaten könne die Inflationsrate aufgrund der gelockerten Pandemie-Beschränkungen stärker schwanken, erklärten die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses und warnten vor „möglicher Volatilität der Inflation im Sommer“, wenn die Wirtschaft wiedereröffnet. Laut einer Zentralbankumfrage im Juli erwarten Marktteilnehmer, dass die Gesamtinflation in der Türkei zum Jahresende mit 15,6 Prozent über ihrer eigenen Prognose von 12,2 Prozent liegt.

Die türkischen Notenbanker sind damit in einer Zwickmühle, die auch anderen Ländern droht. Einerseits sorgen steigende Rohstoffpreise und die höhere Nachfrage nach den Lockdowns für Preisdruck bei Produzenten und Konsumenten. Die Inflation für Produzenten liegt aktuell bei über 40 Prozent. Andererseits ist den Regierungen gerade von Schwellenländern daran gelegen, die Kreditkosten für Unternehmen im Land niedrig zu halten, um das Wachstum nicht im Keim zu ersticken.

In den Schwellenländern liegt die Inflation durchschnittlich bei acht Prozent. Das liegt auch daran, dass die Regierungen in Ländern wie China und Indien Subventionen für Öl und Benzin verringern oder streichen, die zugunsten der Verbraucher gedacht waren. Sonnenblumenöl kostet in der Türkei in Landeswährung inzwischen das Doppelte. Der Lebensmittelpreisindex der Vereinten Nationen ist im Mai auf den höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt gestiegen.

Inflation: Experten rechnen mit längeren Preissteigerungen

Auch in Industrieländern ist der Preisdruck zu spüren. In Großbritannien etwa ist die Inflation im Juni auf 2,5 Prozent gestiegen, Analysten hatten vorab mit 2,2 Prozent gerechnet. Das Ziel der Bank of England liegt bei zwei Prozent. Trotzdem beließen die Währungshüter in London den Leitzins bei 0,1 Prozent. In den USA kletterten die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 5,4 Prozent. Im Euro-Raum hatte sich die Teuerungsrate zuletzt wieder etwas abgeschwächt auf 1,9 Prozent.

Zwar rechnen sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Bank of England und die türkische Zentralbank damit, dass der Inflationsdruck nur vorübergehend anhalten werde. Trotzdem ist die Gefahr groß, dass die Preise stärker und länger anziehen werden als gedacht.

So wollten die Türken eigentlich schon in diesem Monat die Zinsen senken, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Wegen der anhaltenden Inflation fällt jetzt beides aus: Die Zinsen bleiben mit 19 Prozent relativ hoch, sind aber vermutlich nicht hoch genug, um die Inflation nachhaltig zu bekämpfen. Eine Umfrage unter 14 Analysten zeigt, dass die meisten von ihnen in der Türkei erst in den letzten drei Monaten des Jahres 2021 mit einer Zinssenkung rechnen.

Preise: Ein Komitee soll die Inflation eindämmen

Die Entwicklung zeigt, wie sehr die Ansprüche an die Geldpolitik auseinanderklaffen: Einerseits soll die Zentralbank dafür sorgen, dass Währung und Preise einigermaßen stabil bleiben. Andererseits soll das Wirtschaftswachstum nicht abgewürgt werden.

Weil beides gleichzeitig für die Türkei schwierig geworden ist, hat sich die Regierung etwas anderes einfallen lassen. Ein „Ausschuss für Preisstabilität“ soll jetzt dafür sorgen, dass Produzenten, Dienstleister sowie der Staat die Preise nicht zu stark anheben. Doch kurz nach der Etablierung des Ausschusses erhöhte Ankara die Preise für Erdgas in Haushalten um 15 Prozent.

Andere Schwellenländer gehen einen ähnlichen Weg. Russland hat die Preise für einen Teil der Lebensmittel staatlich festgesetzt. Argentinien verbietet den Export von Rindfleisch ins Ausland.

Ausblick: Niedrigere Zinsen frühestens im vierten Quartal

Der Kurs der türkischen Lira reagierte am Mittwoch kaum auf die Entscheidung der Notenbank. Am Nachmittag stieg die Lira gegenüber dem Dollar um 0,1 Prozent. Seit Amtsübernahme von Bankgouverneur Sahap Kavcioglu im März hat sie um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet – obwohl Kavcioglu versprochen hatte, einen positiven Zinssatz und eine straffe Politik beizubehalten, bis das Inflationsziel der Bank von fünf Prozent erreicht sei.

Analysten von Morgan Stanley, darunter Alina Slyusarchuk, prognostizieren für September eine Zinssenkung um 100 Basispunkte, „wenn Zuflüsse im Zusammenhang mit dem Tourismus den Devisenmarkt etwas unterstützen“. Wenn der Inflationsdruck jedoch weiterhin erhöht bleibt, könnte es zu einer geringeren Reduzierung um 50 Basispunkte kommen – oder eine Kürzung könnte auf das vierte Quartal verschoben werden.

Mehr: Warum die hohe US-Inflation ein gutes Zeichen sein könnte.

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