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George Pell Ehemalige Nummer drei des Vatikans wegen Kindsmissbrauchs verurteilt

Kurienkardinal George Pell ist des Kindsmissbrauchs für schuldig befunden worden – bereits im Dezember. Erst jetzt darf darüber berichtet werden.
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„Wir wollen Kardinal Pell hinter Gittern sehen“

CanberraDer australische Kardinal George Pell ist wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden. Der 77-Jährigen war bis vor kurzem noch Finanzchef und damit praktisch die Nummer drei des Vatikans. Damit ist er der höchstrangige Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der jemals wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde.

Am Mittwoch soll das Gericht über das Strafmaß entscheiden, Pell drohen bis zu 50 Jahren Haft. Über seine Anwälte wies Pell am Dienstag nochmals alle Vorwürfe zurück und wird Berufung einlegen.

Das Urteil durch ein Geschworenengericht war bereits am 11. Dezember ergangen. Das Gericht hatte aber eine Nachrichtensperre verfügt, um eine Vorverurteilung des Kardinals für den Fall eines möglichen zweiten Prozess zu verhindern.

Journalisten war bei Androhung einer mehrjährigen Haftstrafe verboten worden, zu berichten. Am Dienstag hob der Richter die Sperre auf, nachdem die Staatsanwaltschaft darauf verzichten will, in einem weiteren Prozess andere Vorwürfe zu verfolgen, die noch weiter zurückliegen.

Laut Anklage soll der ehemals führende Katholik Australiens 1996 in einer Kammer der Kathedrale in Melbourne nach der Messe zwei Chorjungen im Alter von 12 und 13 Jahren zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Zuvor hatte er sie beim Trinken von Messwein ertappt. Die Geschworenen sahen es auch als erwiesen an, dass Pell etwa einen Monat nach dem Übergriff eines der Opfer bedrängt hatte.

Der damals 55-jährige war kurz zuvor zum ranghöchsten Geistlichen von Melbourne ernannt worden. Während der Tat seien noch immer hunderte Gläubigen in der Kirche gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Kurz nach dem Urteil kündigte der Vater eines der Missbrauchsopfer an, juristisch gegen die katholische Kirche oder gegen Pell persönlich einleiten zu wollen, sobald das Berufungsverfahren abgeschlossen sei. Sein Sohn sei Jahre nach dem mutmaßlichen Übergriff durch Pell an einer Heroinüberdosis gestorben, so seine Anwältin. Der Kardinal habe „Blut an den Händen“, der Drogentod des 31-Jährigen im Jahr 2014 hänge mit dessen posttraumatischer Belastung zusammen, erklärte die Juristin.

Die katholische Kirche sieht sich auch in Australien mit zahlreichen Missbrauchsskandalen konfrontiert. Tausende von Fällen sexueller Übergriffe durch Geistliche waren in den letzten Jahren im Rahmen verschiedener Untersuchungen ans Tageslicht gekommen.

Kardinal Pell war bereits vor seiner Verurteilung heftig umstritten wegen seiner Rolle bei der Vertuschung von Sexualdelikten, die von Dutzenden Priestern und andern Vertretern der Kirche begangen worden waren. Als höchster Katholik Australiens habe er versucht, Opfer zum Schweigen zu überreden, um die Kirche zu schützen, so Angehörige.

Zeugen meinten, der Geistliche habe das Leid der Geschändeten nicht ernstgenommen und sich ihnen gegenüber „kaltherzig“ verhalten, wie der Vater eines Opfers klagte, das später Selbstmord beging.

Für Papst Franziskus ist das Urteil ein schwerer Schlag. Nicht nur war Pell einer seiner engsten Vertrauten. Das Urteil kommt kurz nach dem Ende des ersten Gipfels zum Thema, wie der Vatikan dem Kindsmissbrauch durch Kleriker entgegenwirken kann.

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