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Gerd Häusler im Interview „Die Finanzierung der Rentensysteme ist eine tickende Zeitbombe“

Munich-Re-Aufsichtsrat Häusler warnt davor, das Renteneintrittsalter weiter zu senken. Die Menschen müssten stattdessen länger arbeiten.
14.11.2019 - 17:00 Uhr Kommentieren
„Die Finanzierungslücke für eine auskömmliche Versorgung im Alter wird in den kommenden Jahrzehnten dramatisch wachsen“, warnt der Experte. Quelle: imago/Sven Simon
Gerd Häusler

„Die Finanzierungslücke für eine auskömmliche Versorgung im Alter wird in den kommenden Jahrzehnten dramatisch wachsen“, warnt der Experte.

(Foto: imago/Sven Simon)

Berlin Vor einigen Jahren schon begann die Group of Thirty (G30) mit den Arbeiten an ihrer umfassenden Rentenstudie. Gerd Häusler, Mitglied der G30-Gruppe und im Aufsichtsrat der Munich Re, erläutert die Ergebnisse. Die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung – Grundrente und Rente mit 63 – gingen in die falsche Richtung.

Herr Häusler, die G30 warnt vor einer riesigen Finanzierungslücke in den Rentensystemen. Wie schlimm ist es?
Die Finanzierung der Rentensysteme ist in nahezu allen großen Staaten auf Dauer eine tickende Zeitbombe. Wir haben 21 Länder untersucht, und bei allen Unterschieden gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Die Finanzierungslücke für eine auskömmliche Versorgung im Alter wird in den kommenden Jahrzehnten dramatisch wachsen.

Wie steht Deutschland da?
Was die Finanzierungslücke betrifft, würde ich sagen, dass Deutschland im guten Mittelfeld liegt. Da gibt es durchaus Länder mit noch größeren Problemen. Was ich kritischer sehe, sind die aktuellen politischen Maßnahmen: Da wird derzeit noch wenig gegengesteuert. Im Gegenteil: Einiges geht in die falsche Richtung.

Sie meinen die jüngsten Maßnahmen der Großen Koalition, etwa die abschlagfreie Rente mit 63 oder die Grundrente?
Wir plädieren in dem Bericht durchaus für eine Mindestsicherung für Bedürftige, also eine Art Grundrente. Da kommt es natürlich auf die Ausgestaltung an. Die Rente mit 63 sehe ich kritischer. Wir brauchen eigentlich das Gegenteil: längere Lebensarbeitszeit. Letztlich gibt es nur drei Stellschrauben, die wir auch in unserer Studie jeweils untersuchen: ein späteres Renteneintrittsalter, höhere Abgaben und Steuern oder niedrigere Rentenbezüge.

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    Und was empfehlen Sie?
    Das ist natürlich von Land zu Land unterschiedlich. Generell hat ein höheres Renteneintrittsalter nach unserer Untersuchung die nachhaltigste Auswirkung. Damit lässt sich die Lücke schon zu einem guten Teil schließen. Ein niedrigeres Versorgungsniveau im Alter ist politisch und sozial vielfach schwierig. Und was höhere Einnahmen angeht, da sehe ich zumindest in Deutschland nicht mehr so viel Spielraum. Die Steuer- und Abgabenquote ist schon hoch.

    Also Rente mit 70?
    Wir haben für einzelne Länder keinen Wert angegeben. Aber für Deutschland bräuchten wir sicherlich eher den höheren Wert. Wir kommen in unserer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass ein Renteneintrittsalter von 70 die Finanzierunglücke immerhin schon zu rund der Hälfte schließen würde. Die Maßnahme bringt am meisten und hilft am schnellsten. Wir sprechen uns aber nicht wieder für ein auf Dauer fixes Renteneintrittsalter aus. Es sollte vielmehr an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden, die immer weiter steigt.

    Herr Häusler, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Ökonomen warnen vor einer 15,8-Billionen-Dollar-Lücke im Rentensystem von 21 Ländern.

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