Gerhard Schröder "Die Konservativen handeln unverantwortlich"

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder verteidigt den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und seinen Sparkurs. Im Interview plädiert er für eine europäische Wirtschaftsregierung.
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Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Quelle: dpa

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

(Foto: dpa)

War es ein Fehler, Griechenland in die Eurozone aufzunehmen? 

Schröder: Wenn man damals völlige Klarheit über die ökonomische Lage gehabt hätte, wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Aber damals gab es einen allgemeinen Konsens, die EU-Kommission hatte die Aufnahme vorgeschlagen. Wer jetzt die damalige rot-grüne Regierung kritisiert, übersieht, dass im Europaparlament auch die CDU und FDP zugestimmt hatten. In der Rückschau stellt sich vieles anders da, damals war die Entscheidung auf der Grundlage der vorliegenden Informationen richtig.

 

Also gar kein Fehler?

Der zentrale Fehler ist viel später gemacht worden, als klar war, dass Griechenland einen Schuldenschnitt, Hilfe und vor allem ein europäisch initiiertes und finanziertes Wachstumsprogramm brauchte. Es ist kein Wunder, dass eine Lage entstanden ist, die dem griechischen Ministerpräsidenten Papandreou kaum eine Chance ließ, das durchzusetzen, was von ihm verlangt wird. Die Konservativen in Europa haben sehr wenig getan, um die völlig unverantwortlich handelnde konservative Opposition in Athen zur Räson zu bringen.

 

Aber war Papandreous Referendums-Entscheidung nicht falsch?

Ich verstehe die Aufregung über die Entscheidung zur Volksabstimmung. Papandreou hätte dabei zumindest wichtige Partner in Europa informieren sollen. Aber was sollte er eigentlich machen? Er hat eine knappe Mehrheit im Parlament und Widerstand in der eigenen Partei. Ich kenne mich ein bisschen aus, was das bedeutet. Es war völlig naiv anzunehmen, dass er diesen Schritt nicht gehen würde. Ich verstehe nicht, wieso man dies prinzipiell kritisiert. In einer Demokratie kann man nur schlecht argumentieren, ein Volk solle nicht über etwas abstimmen, was wirklich an den Kern der Verfasstheit der Demokratie geht. Ich kritisiere dies jedenfalls nicht. Übrigens finde ich bemerkenswert, dass sich Finanzminister Wolfgang Schäuble dabei anders äußert als andere Regierungsmitglieder, weil er dies offenbar auch verstanden hat.

 

Sollte man Griechenland nun entgegenkommen? 

Es ist richtig, dass nun in Cannes auf dem G20-Treffen gesagt wurde, dass Griechenland das beschlossene Paket umsetzen muss. Nachverhandlungen sind unmöglich. Die konservative Mehrheit in der EU kann doch nun nicht diesem seltsamen Oppositionsführer in Athen etwas gewähren, was sie einem wirklich mutigen Ministerpräsidenten wie Papandreou nicht gewährt hat.

"Man muss das Risiko eingehen, abgewählt zu werden"
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  • Der Versager Schröder hat jetzt doch ein schlechtes
    Gewissen u. möchte sich rechtfertigen .

    Versager Schröder bitte Deutschland auf alle Ewigkeit verlassen !

    Das Deutsche Volk möchte Schröders Visage nicht mehr sehen .

  • Peter Scholz1

    Ihre Behauptung :Der Preis für die Wiedervereinigung
    war die DM ist falsch - wurde von Waigel widerlegt !

  • Schröder verkauft jetzt noch seine Agenda 2010 als Erfolg! Für mich ist er der größte Verräter an der Sozialdemokratie, die Lastenverschiebung in der Sozialversicherung hat heute noch Bestand. Unvergessen auch die Äußerungen zum Einfangen von Griechenland. Was Schröder uns eingebrockt hat, werden wir vermutlich erst in ein paar Jahren ermessen können!

  • Ich nicht.

  • "05.11.2011, 22:40 UhrAnonymer Benutzer: Ubasser
    Es gibt keine Worte dafür!"

    Aber irgendwann Taten". Siehe "Arabischer Frühling".

  • "05.11.2011, 10:45 Uhr Anonymer Benutzer: Radek
    ... Volksabstimmung darüber machen, dass ist es Altkanzlern untersagt ist, sich zu tagespolitischen Angelegenheiten zu äußern. Uraltkanzler H.Schmidt hatte einmal den weisen Entschluß gefasst, sich zur Tagespolitik nicht mehr auszulassen, leider hat auch er sich nicht daran gehalten."

    Daran gehalten? Er wird als "Alt-BILDERBERGER-GAST" vermutlich dazu "verdonnert" worden sein. Nachdem STEINBRÜCK in diesem Jahr in St. Moritz erstmals zum Befehlsempfang bei den BIDERBERGERN dabei war, heißt das, daß DER unser nächster Totengräber in Kanzlerform wird. Und der "Alte Schmidt" muß Schützenhilfe leisten. Ob er will oder nicht. Denn auch jenseits von 90 sind die "Radieschen von unten" nicht gern gesehen.

  • Die SPD als Sozialisten bzw. als Internationalsozialisten haben sich schon 1925 an diese verkauft.
    Es lebe also die EU als Verwaltungskonstrukt Europas.
    Nie im Leben, denn das hieße "1984", ein orwellsches Vorläuferkonstrukt von "Eurasien", im Gegensatz zu "Ozeanien" und "Fernost".
    Sozialisten sagen: Institutionen sind wichtiger als Menschen. Deshalb wird Volks-Referenden aus dem Weg gegangen.
    Als wenn wir in einer Demokratie lebten.
    Die Nomenklatura der Internationalsozialisten hat nun das sagen: ob Merkel, Schröder, Schmidt, usw. letztlich wird der einzelne Mensch in seiner Würde und Geschichte nicht gesehen - Familie und Volk sind unwichtig und zurückzudrängen und durch Heime und gebaute Gesellschaften zu ersetzen; es lebe die gesichtslose Masse mit sozial engineering abgefüttert; - human tools für das Bruttosozialprodukt.
    Für mich sind Sozialisten Götzendiener die nicht wissen was sie anrichten und die sich von diesen zurichten lassen haben ihr Menschentum nicht gegriffen.
    Deshalb passen diese Politiker zu den heutigen Menschen die sich zurichten lassen...........

  • Solche Leute noch zu zitieren, ist der blanke Hohn. Das ist Hochverrat! Es ist eine Schande, solche LEute noch in der Zeitung zu bringen. Aber es scheint modern geworden zu sein, gegen den eigenen Staat und das eigene Volk zu hetzen! Einfach widerlich soetwas. Es gibt keine Worte dafür!

  • Einheits-Bundestag & Bundesverfassungsgericht

    Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.

  • Gehts überhaupt noch tiefer? Der BILDERBERGER-Befehlsempfänger sollte wenigstens die Klappe halten und sich in seine russische GAZPROM-Kammer zurückziehen. Hier hat er und sein grüner Anhang schon genug Schaden angerichtet. Hoffentlich wird er dafür zur Rechenschaft gezogen.

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