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Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer Johannes Hauser im Interview „Die wirtschaftspolitischen Spielregeln können sich jederzeit ändern“

Die Entscheidungen der Regierung in Mexiko kosten über Jahrzehnte aufgebautes Vertrauen, meint der AHK-Geschäftsführer. Das Nafta-Nachfolgeabkommen gebe jedoch Planungssicherheit.
02.07.2020 - 04:04 Uhr Kommentieren
Seit Anfang Juni arbeiten Zulieferer und Autobauer wieder mit steigender Kapazität in Mexiko. Quelle: dpa
BMW eröffnet neues Werk in Mexiko

Seit Anfang Juni arbeiten Zulieferer und Autobauer wieder mit steigender Kapazität in Mexiko.

(Foto: dpa)

Mexikos Wirtschaft spürt die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie stark. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes soll Prognosen zufolge bis zu zehn Prozentpunkte zurückgehen. Das hat auch Folgen für die 2000 deutschen Unternehmen in dem Land. Statt Hilfspakete einzuführen, nutze die Regierung die Pandemie dazu, eine politische und wirtschaftliche Agenda durchzusetzen, kritisiert Johannes Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko).

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Hauser, die Corona-Pandemie trifft gerade Mexikos Wirtschaft besonders hart. Die Prognosen des BIP-Rückgangs belaufen sich auf bis zu zehn Prozentpunkte für dieses Jahr. Was bedeutet das für das Land?

Die Folgen sind bereits sichtbar. Firmenpleiten nehmen zu, die Arbeitslosigkeit steigt drastisch. Die Weigerung der linkspopulistischen Regierung, den Unternehmen mit Steueraufschüben oder Finanzierungshilfen zur Seite zu stehen, folgt klientelistischen Überlegungen und kostet in der Privatwirtschaft über Jahrzehnte aufgebautes Vertrauen. Der armen Bevölkerung prioritär zu helfen ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar. Aber es ist ein Fehler, die Hilfen auf diese Gruppen zu beschränken und die formelle Wirtschaft völlig sich selbst zu überlassen. Mexiko weicht dabei leider von der Strategie anderer G20-Staaten ab, die erhebliche Anteile ihres BIP in den Erhalt und die Stützung der Unternehmen investieren. Die mexikanische Regierung ist auf diesem Ohr vollkommen taub.

Wie wirkt sich das auf die 2000 deutschen Unternehmen in Mexiko aus?

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    Als Teil der Gesamtwirtschaft haben auch sie die Auswirkungen zu spüren bekommen. Allerdings gibt es bei den deutschen Firmen zahlreiche Vertreter von als essenziell kategorisierten Branchen wie der Chemie-, Pharma- und Gesundheitswirtschaft. Sie waren vom partiellen Lockdown ausgenommen. Anders sieht es bei der Automobilindustrie aus, die zwei Monate lang nicht produzieren konnte, aber jetzt wieder arbeitet.

    Johannes Hauser ist Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko).
    Johannes Hauser

    Johannes Hauser ist Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko).

    Präsident Andrés Manuel López Obrador nutzt die Coronakrise dazu, ihm unliebsame Wirtschaftsentscheidungen zurückzunehmen. Wie schwer fällt es Ihnen dadurch, den Standort Mexiko bei potenziell interessierten Investoren zu bewerben?

    Unsere Kammer hat Mexiko in den vergangenen Jahren aus Überzeugung beworben, denn das Land war ein wirtschaftspolitisch zuverlässiger Standort und Magnet für Investoren aus aller Welt. Doch seit Amtsübernahme der neuen Regierung Ende 2018 gibt es eine Reihe von Entscheidungen, die zeigen, dass sich die wirtschaftspolitischen Spielregeln jederzeit ändern können. Für risikosensible Unternehmen insbesondere der mittelständischen Wirtschaft sind das keine guten Rahmenbedingungen.

    Am 1. Juli tritt das USMCA, der Nafta-Nachfolgevertrag, in Kraft. Überwiegt bei Ihnen die Erleichterung, dass es nun ein neues Regelwerk gibt, oder bereiten Ihnen die verschärften Anforderungen für die Unternehmen Sorgen?

    Es überwiegt eindeutig die Erleichterung. Das Nafta-Nachfolgeabkommen gibt Planungssicherheit, auch wenn es leider nicht den Anspruch erfüllt, Hürden für den Handel zwischen Mexiko, den USA und Kanada weiter abzubauen. Beruhigend ist, dass das Abkommen auch für Mexikos aktuelle Regierung einen hohen Stellenwert hat. Natürlich gibt es besonders für die Automobilindustrie ein paar bittere Pillen, so die erhöhten Wertschöpfungsanforderungen innerhalb der Nafta-Region. Aber wenn man das mit den rabiaten Forderungen vergleicht, die die US-Regierung ursprünglich durchsetzen wollte, dann kann man nur erleichtert sein. Und wir sollten nicht vergessen, dass der US-Präsident mehrmals das völlige Aufkündigen des Vertrags angedroht hatte.

    Mehr: In Mexiko ist die Angst vor einem Wirtschaftszusammenbruch größer als die vor dem Virus. Trotz der kritischen Lage verweigert der Präsident des Landes ein Rettungspaket.

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