Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geschäftsklimaumfrage Deutsche Wirtschaft investiert immer stärker in den Standort Polen

Politisch ist das Verhältnis von Polen und Deutschland derzeit angespannt. Deutsche Unternehmen sind mit ihren Geschäften dort hochzufrieden.
Kommentieren
In den Jahren 2017 und 2018 betrug das Wirtschaftswachstum in Polen 5,8 Prozent. Quelle: dpa
Baustelle in Warschau

In den Jahren 2017 und 2018 betrug das Wirtschaftswachstum in Polen 5,8 Prozent.

(Foto: dpa)

BerlinWie weit die Freundschaft zwischen Deutschland und Polen inzwischen geht, macht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit einem launigen Spruch deutlich: „Berlin wird auch noch einen Flughafen bekommen, zumindest unsere Kinder oder Enkel. Und wenn nicht, werde ich einen Vorschlag vorlegen, ihn in Polen zu bauen“, sagte der CDU-Politiker scherzhaft auf dem ersten Deutsch-polnischen Wirtschaftsforum am Montag. „Die Polen können das und wir können von ihnen lernen“, ergänzte er.

Deutschland und Polen haben in Berlin eine Initiative für „eine ambitionierte europäische Industriestrategie“ gestartet, wie es in einem verabschiedeten Papier der beiden Wirtschaftsministerien heißt. Dabei sollen europäische Investitionen in Schlüsseltechnologien und wegen enger Finanzmittel im Gegenzug auch Strukturreformen in den Mittelpunkt rücken. Außerdem soll ein „Klima pro Investments und pro Innovation in der EU und auf nationaler Ebene geschaffen“ geschaffen werden.

Strategische Technologien, wie die gemeinsame Batteriefertigung, Bio-Technologien, Wasserstofftechnik sollen dabei zentral werden und das EU-Recht dafür fit gemacht werden. „Polen und Deutschland sind starke wirtschaftspolitische Partner in der Europäischen Union. Für den Erhalt von Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in unseren Ländern und in der Europäischen Union brauchen wir eine starke und wettbewerbsfähige Industrie“, begründete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die binationale Initiative für Industriepolitik.

Diese Initiative „möge der Inspiration der nächsten EU-Kommission dienen“, unterstrich Altmaiers polnische Kollegin, Jadwiga Emilewicz, in Berlin. Und sie fügte hinzu: „Die EU muss wieder wettbewerbsfähiger werden, damit Europa für künftige Generationen nicht nur ein exklusives Museum wird“, sagte die polnische Ministerin für Unternehmertum und Technologie.

Altmaiers deutsche Initiative zum Aufbau deutscher oder europäischer Industrie-Champions wird in Polen allerdings kritisch gesehen, da die Gefahr drohe, dass Zulieferer diskriminiert würden.

Trotzdem investieren immer mehr deutsche Unternehmen massiv im Nachbarland – obwohl Polen politisch wegen Beschneidung von Bürgerechten, der Justiz und der Meinungsfreiheit in der Kritik steht.

94,5 Prozent der in Polen investierten deutschen Firmen würden sich wieder für den Standort entscheiden, im Vorjahr waren es „nur“ 90,1 Prozent. Das geht aus der gerade vorgelegten Geschäftsklimaumfrage der deutsch-polnischen Auslandshandelskammer (AHK) hervor.

Trotz des deutlich eingetrübten weltweiten Wirtschaftsklimas erwarten sogar 36,6 Prozent (2018: 56,6 Prozent) der befragten Firmen eine Verbesserung der Lage des eigenen Unternehmens in Polen. 39,2 Prozent (2018 noch 45,4 Prozent) wollen noch mehr Arbeitsplätze schaffen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Polens Wirtschaft deutlich dynamischer entwickelt, als erwartet. Gehen westliche Wirtschaftsforscher noch von drei Prozent Wirtschaftswachstum für 2019 aus – nachdem es 5,8 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 waren – so äußert sich Polens junge Ministerin für Unternehmertum und Technologie, Jadwiga Emilewicz, in Berlin deutlich optimistischer: „Wir erreichen dieses Jahr sicher 3,5 Prozent und nach Auswertung des ersten Quartals werden es vielleicht sogar vier Prozent.“

Polen hat sich mit einem erneut auf 118,4 Milliarden Euro gestiegenen bilateralen Handel zum siebtgrößten deutschen Handelspartner gemausert. Und Ministerin Emilewicz will ihr Land binnen zweier Jahre auf Rang fünf sehen.

Denn obwohl das politische Klima zwischen ost- und westeuropäischen Ländern immer frostiger wird, haben die vier Visegrad-Staaten (Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei) zusammen, inzwischen China als größten deutschen Außenhandelspartner überholt.

„Die Visegrad-Staaten und darunter vor allem Polen, sind der große Stabilisator angesichts sich weltweit eintrübender Geschäftsaussichten“, meint der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

„Aufbau einer neuen Weltwirtschaftsordnung“

Die polnische Ministerin Emilewicz will aber noch mehr: Sie verlangt von der EU eine deutlich stärkere Orientierung auf Wettbewerbsfähigkeit und das Einbringen der EU in den „Aufbau einer neuen Weltwirtschaftsordnung“. Deutlich marktwirtschaftlicher als die Bundesregierung verlangt Polens Kabinett Reformen.

Deutsche Unternehmen stützen diesen Kurs: Der Kapitalstock deutscher Direktinvestitionen beim Nachbarn sind laut Treier auf 31 Milliarden Euro gestiegen. Gerade hat Mercedes neben einem hochmodernen Motorenwerk im niederschlesischen Jawor auch den Aufbau einer Batteriefabrik dort bekannt gegeben. Rivale Volkswagen baut seine Produktion in Polen ebenso weiter aus. In dem Land seien Genehmigungen „rekordverdächtig schnell“ zu bekommen, lobt Ewa Labno-Falecka von Mercedes in Polen.

Und Michael Kern, Chef der AHK in Warschau, sieht noch einen anderen Trend: „Es gibt immer mehr polnische Unternehmen, die global mitspielen können.“ Immerhin würden auch die polnischen Investitionen in Deutschland stark steigen. Und Altmaier wünscht sich auch polnische Firmen in dem von ihm protegierten Batteriezellen-Konsortium. Er sieht an der Weichsel bereits „ein kleines Wirtschaftswunder“ heraufziehen.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Geschäftsklimaumfrage - Deutsche Wirtschaft investiert immer stärker in den Standort Polen

0 Kommentare zu "Geschäftsklimaumfrage: Deutsche Wirtschaft investiert immer stärker in den Standort Polen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.