Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gescheiterter Putschversuch in der Türkei Trügerischer Siegesrausch in Istanbul

Seite 2 von 2:
„Es passiert einfach zu viel, um überhaupt noch innezuhalten.“

Erdogan: „Ich werde es genehmigen“

Kein Wunder, dass der Sieg über die Putschisten von 2016 nun frenetisch gefeiert wird. Ich steige am Taksimplatz aus und fühle mich wie auf einem Festival. Zwei große Bühnen sind aufgebaut, jeweils mit komplettem Technikteam. Alles wirkt professionell. Auf der einen Bühne ist bloß eine Leinwand, auf der die Silhouette der Türkei projiziert ist, darin ein Kamera-Videobild von der Menge vor dieser Bühne. In regelmäßigen Abständen wird ein Screenshot von diesem Bild erstellt und unter dem Stichwort „Öffentliche Mahnwache“ auf Twitter geteilt.

Auf der anderen Bühne steht der Einheizer und kündigt gerade den Unabhängigkeitsmarsch an. Ich stelle mich dazu und bekomme sofort von einem Mann eine Türkeifahne um die Schulter gelegt. „Warum trägst du noch keine?“, fragt er vorwurfsvoll im Vorbeigehen. Erst jetzt bemerke ich, dass überall Fahnenverteiler rumlaufen.

Der Umsturzversuch vom Freitagabend hat auch Forderungen nach der Todesstrafe ausgelöst. Erdogan hat angekündigt, einer Wiedereinführung zuzustimmen, sollte das Parlament eine entsprechende Verfassungsänderung beschließen. Die ultrarechte Oppositionspartei MHP kündigte am Dienstag an, eine solche Initiative zu unterstützen. Dann würde im Falle eines Referendums eine einfache Mehrheit im Volk reichen, um die 2004 abgeschaffte Todesstrafe wieder einzuführen. Die EU hat gleich angekündigt, die Beitrittsverhandlungen in diesem Fall auf Eis zu legen.

Erst jetzt fällt mir auf, was ich an einem Juli-Abend in Istanbul vermisse: die Touristen. Mir sind bisher nur Türken begegnet. Weder im Flugzeug, noch im Terminal, im Bus und auch nicht auf dem Taksim-Platz, der sonst der Treffpunkt schlechthin für die Party-Touren der Ausländer ist.

Für Mittwochnachmittag kündigte Erdogan eine „wichtige Entscheidung“ an. Nach dem gescheiterten Putsch kommt in der Türkei an dem Tag erstmals der Nationale Sicherheitsrat zusammen. Die Sitzung wird von Präsident Erdogan geleitet, der formell der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Im Nationalen Sicherheitsrat sind neben Erdogan und Ministerpräsident Binali Yildirim auch mehrere Kabinettsmitglieder und Militärführer vertreten, darunter Armeechef Hulusi Akar. Übrigens: Eingeführt hat diesen Sicherheitsrat die Militärregierung in den 1980ern – nachdem sie erfolgreich einen Putsch unternommen hatte.

Als ich bei meinem Freund Arif ankomme, fühle ich mich endlich wieder wohl. Die Luft ist vom Rauch selbstgedrehter Zigaretten geschwängert. „Der Putsch musste ja irgendwann kommen“, bringt er das Gespräch dann doch auf den gescheiterten Versuch vom Freitag. Er ist froh, dass er nicht geglückt ist; gleichwohl hält auch er ihn für stümperhaft ausgeführt.

Ihn stört etwas anderes: die Gleichgültigkeit der Demokratie-Demonstranten auf dem Taksimplatz. „Vor vier Tagen sind hunderte Menschen gestorben“, fährt es aus ihm heraus, „egal, ob sie die Regierung befürwortet oder kritisiert haben“. Und auf dem Taksim werde so getan, als wäre der Sieg über die Putschisten ohne Blutvergießen abgelaufen. „Das Land eilt von Sensation zu Sensation, von Anschlag zu Anschlag und von Emotion zu Emotion“, sagt Arif. „Es passiert einfach zu viel, um überhaupt noch innezuhalten.“

Nach Putschversuch: Volk fordert Todesstrafe für Putschisten

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gescheiterter Putschversuch in der Türkei - Trügerischer Siegesrausch in Istanbul

54 Kommentare zu "Gescheiterter Putschversuch in der Türkei: Trügerischer Siegesrausch in Istanbul"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die USA liefert bereits Gas über LNG Tanker nach Europa. Es koscht nur ein bisschen mehr, aber den Michel störts nicht. Mal schauen wenn die Russen den Preis senken.

    Das war schon lange geplant dass Russland ihr Gas nicht mehr nach Europa verkaufen soll (Southstream wurde erst nach US Intervention in Bulgarien gestoppt) und dafür USA ihr Gas liefert um Russland wirtschaftlich zu schaden. Das ganze Debakel in Syrien dreht sich auch um Gas aus Qatar dass über Syrien nach Europa verkauft werden soll.

    Putin wird nun die Pipeline über der Türkei bauen nachdem sich die Türkei von den USA abwendet. Die europäischen Länder die die Southstream abgelehnt haben ziehen den Kürzeren. Ebenfalls Deutschland wenn die Northstream nicht ausgebaut wird. Aber hey, so ist es nun mal wenn man Vasall der USA ist.

  • HBO

    merkt ihr den Knall eigentlich noch ????????????????????????

    Was lasst Ihr hier zu ???????????????

    Das ist Hetze erster Güte !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • @Nav Nav
    Warum und Was soll ohne die USA nicht gehen. Wissen Sie eigentlich was Sie damit ausdrücken....?
    Wenn Sie immer nur noch sagen es geht OHNE DEN nicht OHNE DAS nicht und überhaupt geht es OHNE so oder so etwas nicht....

    Ich sage Ihnen eines....wer sagt, das geht OHNE DIESEN ODER JENEN nicht, der hat sein Selbstvertrauen, seine Selbstachtung und seine Idendität bereits in der Gardarobe zur Ambutationsstation abgegeben.

    Was haben die USA denn dagegen unternommen, dass der Terror NICHT zu uns nach Deutschland kommt. Was haben die USA zur Entspannung mit Russland denn beigetragen....die USA sind doch gerade der Verursacher für die Probleme die wir in Europa und Deutschland haben. Sei es bei der illegalen Einwanderung, bei der Finanz-Europolitik, bei der EU Wirtschaftspolitik (Russlandsanktionen), bei der politischen Eiszeit zwischen der EU und Russland....all dies ist doch erst von und mit den USA eingefädelt worden.
    Wenn, dann muss die Lösung und der Befreiungsschlag von den USA durch eine selbstbewusste Deutsche und EU Politik erfolgen. Solange dies nicht geschieht solange wird Europa und Deutschland weiter im Chaos von Gewalt, Terror und Krieg versinken.
    Danke!

  • Der Ralph aber auch....

    kommentiert inzwischen aber auch alles....ist sich für nichts zu schade......

  • Ich kann nicht raus auf die Straße, ich muss kommentieren.......

  • "Volksverr....."
    Ach ist das hier wieder sachlich, in der Satireabteilung der Wirtschaftsmagazine.....LOL

  • Nein Peter,

    Kommentare schreiben ist sehr wichtig !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Sie müssen berücksichtigen, dass die Kommentarfunktion nur selten frei gegeben ist.

    Sie glauben gar nicht wie viel Mühe das macht, jeden Tag alle 15 Minuten nach so einer offenen Kommentarstelle zu suchen, was man in dieser Zeit alle machen könnte.......

  • Wenn die Argumente wieder nicht mehr reichen dann kommt wieder die Nazikeule. Wie langweilig und erbärmlich.

  • Ohne die USA geht nichts in Europa, unsere Politiker wissen das. Leider kann man sich der Politik nicht einfach entziehen....Obwohl das wahrscheinlich die erste Wahl wäre.

    Wir sind mitten in einer Zeitenwende, die westliche Kultur wird zusehend schwächer - der Osten wird erstarken, zusammen mit China, Russland, Israel etc. und auch der Türkei wie es nun offensichtlich aussieht. Nächste Schritt wird der Austritt aus der Nato sein und Eintritt in die SCO.

    Nicht umsonst arbeiten besagte Länder, zumindest Russland, Türkei, Israel nun auch im Öl und Gasmarkt zusammen. Die Türkei wird sich abspalten von Europa und wir stehen ohne Rohstoffe da. Dann möchte ich mal sehen wie wir hier um die Runden kommen. Den USA kann das auf der "Insel" egal sein.... Aber wir sind mitten drinn und sollten uns endlich besinnen und mehr Eigenständigkeit eingehen.

    Fakt ist die Karten werden neu gemsicht und ich hoffe es geht friedlich über die Bühne. Allerdings finde ich die Geschwindigkeit in der die Ereignise zunehmen erschreckend - auch die überall stattfindene Aufrüstung.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Alle Kommentare lesen