Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gespräche in Peking Warum eine schnelle Einigung zwischen China und den USA unwahrscheinlich ist

Die Fronten im Handelskonflikt zwischen China und den USA sind verhärtet, der Spielraum für Kompromisse ist gering. Dabei leiden beide Volkswirtschaften bereits unter den Folgen.
Kommentieren
Die Unterhändler in Peking stehen vor schwierigen Gesprächen. Quelle: AFP
Donald Trump und Xi Jinping

Die Unterhändler in Peking stehen vor schwierigen Gesprächen.

(Foto: AFP)

Peking, Washington Der Mythos vom siegreichen Protektionismus gehört genauso zur Präsidentschaft des Donald Trump wie seine täglichen Twitter-Botschaften. „Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen“, twitterte der US-Präsident am 2. März 2018.

Exakt ein Jahr später, Anfang März 2019, sollen die Handelsgespräche zwischen den USA und China offiziell beendet sein. Läuft die Frist ergebnislos ab, droht eine neue Eskalation des Handelskonflikts zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt.

Güter im Wert von 250 Milliarden US-Dollar hat Trump bereits mit Importzöllen in Höhe von zehn Prozent belegt, China rächte sich mit Vergeltungsmaßnahmen. Daraufhin wiederum kündigte der US-Präsident weitere Sonderabgaben auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar an – dieses Mal in Höhe von 25 Prozent.

Weil beide Seiten schon jetzt die Folgen des Konflikts spüren, verständigten sich Trump und Chinas Präsident Xi Jinping im Dezember auf einen groben Fahrplan für einen möglichen Handelspakt. Jetzt sollen Abgesandte die Idee mit ersten Details anreichern. Eine US-Delegation unter der Führung von Jeffrey Gerrish, Stellvertreter des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, reiste am Montag nach Peking. Kommende Woche soll die Runde auf höherer Ebene in Washington fortgesetzt werden.

Zum Auftakt schaute überraschend Vizepremier Liu He vorbei, Wirtschaftsberater des chinesischen Präsidenten. Die Stippvisite zeigte, dass China die Gespräche ernst nehmen will. Doch die Geste kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage verfahren ist und die Frontlinien verhärtet sind.

Grafik

Während China offenbar eine Entspannung im Handelskonflikt anstrebt, betont die US-Regierung stoisch, Washington sitze am längeren Hebel. „China will, dass die Sache schnell gelöst wird“, sagte Trump vor dem Start der Gespräche. „Es läuft nicht gut für sie.“

Dabei passen solche Töne kaum zur Realität, die Trump zu Hause vorfindet. Denn auch der US-Präsident gerät zunehmend unter Druck: Die US-Börsen erlitten im Dezember ihren schlimmsten Monat seit der Weltwirtschaftskrise. Vergangene Woche wurden die Märkte erneut erschüttert, nachdem der Tech-Riese Apple seine Umsatzziele aufgrund der sinkenden Nachfrage in China verfehlte.

In einem Handelskrieg gibt es nur Verlierer

„Selbst ein Protektionist wie der Präsident muss allmählich daran zweifeln, dass Handelskriege leicht zu gewinnen sind“, sagt James Pethokoukis von der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute. Zwar seien Jobzuwächse und kletternde Löhne ein Zeichen für eine gesunde US-Wirtschaft.

Doch ewig können die USA die Schläge des Handelskriegs nicht abpuffern, Analysten erwarten für 2019 ein gedrosseltes Wachstum. Erste Warnsignale lieferte das produzierende Gewerbe, das im Dezember einen starken Rückgang der Bestellungen von Material meldete.

Unklar ist, ob sich Trump bald gezwungen sehen könnte, seinen rigiden Handelskurs abzuschwächen. Das wäre auch für die EU relevant, die noch in diesem Monat mit Verhandlungen über ein Industriezollabkommen mit den USA beginnen will.

Am Dienstag reist Handelskommissarin Cecilia Malmström nach Washington, um mit den USA und Japan über Chinas Handelspraktiken zu beraten. Die instabilen Märkte lassen den US-Präsidenten jedenfalls nicht kalt, bestätigte sein Wirtschaftsberater Kevin Hassett: „Der Präsident ist über die Märkte besorgt.“

Trump selbst spielt bislang die Bedeutung herunter und spricht von einer „vorübergehenden Störung“ an der Wall Street. Rückendeckung bekommt der Präsident vom Handelsbeauftragten Lighthizer, der auf eine harte Hand im Konflikt drängt – koste es, was es wolle.

Aus Sicht von „Falken“ wie Lighthizer spielt den USA in die Hände, dass China deutlich unter den Folgen des Handelskriegs leidet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2019 damit, dass Chinas Bruttoinlandsprodukt nur noch um 6,2 Prozent wachsen wird.

Ursache ist nicht allein der Handelskonflikt, sondern auch der forcierte Schuldenabbau und der Kampf gegen Risiken im heimischen Finanzsystem. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Strafzölle das Konsum- und Anlegervertrauen der Chinesen spürbar gedämpft haben.

Wie sehr Peking an einem Handelsdeal mit Washington gelegen ist, zeigen die Weichenstellungen, die China seit dem Spitzentreffen in Argentinien anging. Bei Reizthemen wie Technologietransfer, Markteintrittsbarrieren und dem Schutz von geistigem Eigentum will man schnell zu Lösungen kommen.

Der kontroverse Masterplan „Made in China 2025“ wurde auf der Prioritätenliste gestrichen. Und die Strafzölle auf US-Autos wurden zu Neujahr für zunächst drei Monate ausgesetzt und von 40 auf 15 Prozent zurückgeschraubt.

Auf vergleichbare Signale aus Washington wartet man bislang vergeblich. Langfristig wollen die USA China dazu bringen, strategisch wichtige Industrien wie Robotik weniger aggressiv zu fördern, was in Peking auf Ablehnung stößt.

Der US-Präsident will persönlich intervenieren

Ein realistischer Deal, der in der kurzen Zeit erreicht werden kann, dürfte sich auf Importe von US-Lebensmitteln und Energie konzentrieren, einen besseren Marktzugang für ausländische Banken und Autohersteller sowie auf einen stärkeren Schutz von geistigem Eigentum.

Erschwert werden die Verhandlungen durch die Affäre um Meng Wanzhou. Die Huawei-Finanzchefin und Tochter des Firmengründers war am 1. Dezember auf Geheiß der USA in Vancouver festgenommen worden, weil der chinesische Telekommunikationsgigant systematisch gegen Iransanktionen verstoßen haben soll.

Trump betonte, er würde persönlich intervenieren, um eine Einigung im Handelsstreit zu erzielen – auch wenn China offiziell behauptet, Meng sei nicht Teil der Handelsgespräche.

Das chinesische Außenministerium, das Mengs Festnahme als politischen Affront betrachtet, verlangte ihre Freilassung, bestellte den amerikanischen Botschafter ein und drohte Kanada mit „schweren Folgen“. Der Fall Meng Wanzhou ist nur einer von vielen Faktoren, die die Annäherung der Wirtschaftsgiganten in den kommenden Wochen erschweren werden.

Startseite

Mehr zu: Gespräche in Peking - Warum eine schnelle Einigung zwischen China und den USA unwahrscheinlich ist

0 Kommentare zu "Gespräche in Peking: Warum eine schnelle Einigung zwischen China und den USA unwahrscheinlich ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote