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Gestrichene Expansionspläne Globale Konzerne setzen nicht mehr auf Indien – Strikter Lockdown trifft deutsche Firmen hart

Die einst größte Wirtschaftshoffnung Asiens leidet durch Coronakrise unter einer heftigen Wirtschaftskrise. Gemeinsam mit Indien geraten auch deutsche Firmen in ernste Schwierigkeiten.
25.11.2020 - 09:24 Uhr 1 Kommentar
Als eindeutigen Auslöser für die Wirtschaftskrise sehen die Wissenschaftler neben Corona-Pandemie auch die harten Gegenmaßnahmen der Regierung. Quelle: dpa
Arbeiter in Kochi, Indien

Als eindeutigen Auslöser für die Wirtschaftskrise sehen die Wissenschaftler neben Corona-Pandemie auch die harten Gegenmaßnahmen der Regierung.

(Foto: dpa)

Bangkok Norbert Wirth wollte auf dem indischen Markt in diesem Jahr so richtig durchstarten. Ein Umsatzwachstum von 20 bis 25 Prozent hatte sich der Indien-Chef des münsterländischen Verpackungsmaschinenherstellers Haver & Boecker vorgenommen.

Doch statt die Geschäfte deutlich auszubauen, musste der Manager in den Krisenmodus schalten: Vielen Mitarbeitern fehlten Laptops und stabile Internetverbindungen, um während eines strikten Lockdowns von zu Hause aus weiterarbeiten zu können.

Und als die Corona-Beschränkungen fielen, brachen die Aufträge weg: Geplante Projekte wurden in das nächste Jahr verlegt. Die Erfolgsmaßstäbe haben sich damit klar verschoben: „Ich bin froh, dass ich niemanden entlassen musste“, sagt Wirth.

Indien galt für deutsche Investoren lange als die nächste große Wachstumshoffnung in Asien. Doch angesichts der Coronakrise ist der 1,4-Milliarden-Einwohner-große Markt zum Problemfall geworden: Das Land erlebt in diesem Jahr unter Asiens großen Schwellenländern die mit Abstand heftigste Wirtschaftskrise.

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    Indiens Statistikbehörden werden in den kommenden Tagen voraussichtlich zum ersten Mal in der Geschichte des Landes eine technische Rezession verkünden.

    Deutsche Firmen klagen über schlechte Geschäfte

    Wie schwierig die Lage für deutsche Unternehmen in dem Land geworden ist, zeigt eine noch unveröffentlichte Studie des auf Indien spezialisierten Beratungsunternehmens Wamser+Batra, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach bewertet fast jedes zweite befragte Unternehmen seine aktuelle Geschäftslage in Indien als schlecht. Nur 18 Prozent berichten von guten Geschäften.

    Bei einer vergleichbaren Erhebung vor zwei Jahren waren es lediglich sechs Prozent, die ihre Lage als schlecht ansahen. Als gut bewerteten damals 44 Prozent die Situation. Der Rest entfiel auf die Angabe „befriedigend“.

    Befragt wurden für die neue Untersuchung 107 Entscheider von deutschen, österreichischen und Schweizer Mittelständlern. Sie haben in dem vermeintlichen Wachstumsmarkt zuletzt mehrheitlich schlechte Erfahrungen gemacht: Knapp 60 Prozent gaben an, dass die Umsätze ihrer Unternehmen in den vergangenen 24 Monaten schrumpften. Bei jedem Fünften brachen die Einnahmen sogar um mehr als die Hälfte ein.

    Als eindeutigen Auslöser für die Krise sehen die Studienautoren die Corona-Pandemie und die harten Gegenmaßnahmen der Regierung: Premierminister Narendra Modi hatte seinem Land im Frühjahr einen strikten monatelangen Lockdown inklusive Ausgangssperren verordnet. Das wirtschaftliche Leben kam dadurch weitgehend zum Erliegen.

    Im zweiten Quartal des Jahres brach das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent ein. Im dritten Quartal, zu dem offizielle Daten am Freitag bekanntgegeben werden sollen, lag das Minus nach Schätzungen von Analysten noch bei acht Prozent.

    Für das Gesamtjahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für Indien mit einem Konjunktureinbruch von rund zehn Prozent. Unter den G20-Staaten ist die Lage demnach nur in Argentinien noch schlechter.

    Angesichts der desaströsen Konjunkturdaten hat die Regierung die Corona-Beschränkungen wieder weitgehend zurückgenommen, obwohl das Land nach wie vor Zehntausende Neuinfektionen am Tag meldet.

    Ökonomen sehen in der Folge erste Anzeichen dafür, dass sich auch die Wirtschaft wieder erholt – etwa einen Anstieg in der Industrieproduktion. Regierungschef Modi verkündete bereits: „Die indische Wirtschaft kommt viel schneller in Fahrt als erwartet.“

    Harley-Davidson schließt seine Fabrik

    Doch nicht alle Unternehmen haben die Geduld, um darauf zu warten, dass Indien tatsächlich wieder zum Wachstumsmarkt wird. Der US-Motorradkonzern Harley-Davidson verkündete nach einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung vor wenigen Wochen, sich aus Indien zu verabschieden und seine dortige Fabrik zu schließen. Kurz zuvor hatte der japanische Autokonzern Toyota mitgeteilt, seine Expansionspläne in Indien vorerst auf Eis zu legen.

    Die Beispiele sind ein Rückschlag für Modis Versuch, sein Land zum attraktiven Standort für internationale Fertigungsunternehmen zu machen. Noch vergangene Woche betonte er auf einer Wirtschaftskonferenz, seine Regierung werde nichts unversucht lassen, um Indien zu einem führenden Ziel für ausländische Investitionen zu machen.

    Mitte November verkündete er dafür ein 20-Milliarden-Dollar-Paket, mit dem er Fabriken, unter anderem aus der Automobilbranche, nach Indien locken möchte. Zuvor hatte die Regierung bereits ein 1,5-Milliarden-Dollar-Programm aufgelegt, um vermehrt Handyhersteller ins Land zu holen.

    Das Land erlebt in diesem Jahr unter Asiens großen Schwellenländern die mit Abstand heftigste Wirtschaftskrise. Quelle: dpa
    Frauen wird die Temperatur im indischen Bundesstaat Bihar gemessen

    Das Land erlebt in diesem Jahr unter Asiens großen Schwellenländern die mit Abstand heftigste Wirtschaftskrise.

    (Foto: dpa)

    Doch trotz der Versprechungen des Premierministers ist vielen deutschen Unternehmen die Expansionslaune in Indien vergangen. Sie ziehen sich laut der Studie von Wamser+Batra vielmehr zumindest teilweise aus dem Land zurück. Jeder zweite befragte Manager gab an, in Indien derzeit zu Einsparungen gezwungen zu sein – etwa durch weniger Personaleinsatz.

    Einen kompletten Abschied aus dem Land planen allerdings nur vier Prozent der Befragten. „Das sind vor allem jene, die vor Covid-19 massiv Probleme hatten“, sagt Berater Mike Batra. „Kein einziges Unternehmen, das vor Covid-19 ein klares Bekenntnis zu Indien hatte, trennt sich jetzt vom Indiengeschäft.“

    Vorsichtig optimistisch zeigt sich auch der Haver-&-Boecker-Manager Wirth. Er glaubt, dass sich die Auftragsbücher schon bald wieder stärker füllen könnten und sein Unternehmen gute Chancen hat, von zunehmender Automatisierung in Indien zu profitieren.

    Vor einer zweiten Coronawelle fürchtet er sich nicht. „Selbst wenn die Infektionszahlen wieder steigen, glaube ich nicht, dass es zu einem weiteren Lockdown kommen wird“, sagt er. „Das kann sich Indien einfach nicht leisten.“

    Mehr: Indiens Konjunktur bricht ein wie nie zuvor

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    • Die Studie (Geschäftsklimaindex Indien) gibt es mittlerweile hier zum Download: https://wamser-batra.de/blog/2020/11/geschaftsklimaindex-indien-2020/

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