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Gesundheitsversorgung Asien drängt in das Milliarden-Geschäft mit Cannabis

Während im Westen eine neue Industrie entsteht, wird der Cannabis-Konsum in Asien noch hart bestraft. Jetzt liberalisieren die Staaten ihre Gesetze.
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THC soll nicht nur high machen, sondern auch Leiden wie Parkinson und Epilepsie verringern. Quelle: dpa
Cannabis

THC soll nicht nur high machen, sondern auch Leiden wie Parkinson und Epilepsie verringern.

(Foto: dpa)

Bangkok Die philippinischen Beamten staunten nicht schlecht als ihr Präsident Rodrigo Duterte diesen Monat über seine Reisegewohnheiten sprach. Mörderisch anstrengend sei seine Arbeit, so Duterte, immer sei er unterwegs. „Mir macht das aber nichts aus, denn ich verwende Marihuana, um wach zu bleiben“, verriet der Staatschef sein überraschendes Gegenmittel.

Die Schlagzeilen kamen prompt: Ausgerechnet Duterte, der brutal gegen Drogenkriminelle im eigenen Land vorgeht, stärkt sich also gelegentlich mit Cannabis. Erst Stunden später nahm der Staatschef seine Aussage zurück. Das sei nur ein Witz gewesen, sagte er auf Nachfrage. Doch viele glauben ihm den Rückzieher nicht.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Asien ist Dutertes Aussage gar nicht so überraschend. Immer mehr Staaten auf dem asiatischen Kontinent erwägen, Cannabis für medizinische Zwecke zu legalisieren oder haben den Schritt sogar schon vollzogen. Duterte selbst gilt als Befürworter von Cannabis-Medizin. Nach seiner Bemerkung wird auf den Philippinen jetzt auch wieder über einen im Parlament feststeckenden Gesetzentwurf diskutiert.

Die asiatischen Staaten wollen nicht länger zugucken, wie Europa und Amerika das Geschäft mit dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) machen. Eine bessere Gesundheitsversorgung scheint den Staaten dabei zweitrangig zu sein. Es geht ihnen vor allem um eine neue Einnahmequelle für ihre Bauern und Pharma-Unternehmen. 

In dutzenden westlichen Staaten ist der Konsum von Cannabis für medizinische Zwecke mittlerweile erlaubt, unter anderem in Großbritannien, Dänemark und Deutschland. THC soll nicht nur high machen, sondern auch Leiden wie Parkinson und Epilepsie verringern. Uruguay und Kanada haben auch den privaten Gebrauch zum Freizeitspaß legalisiert.

Selbst große Unternehmen wie Marlboro-Hersteller Altria steigen mittlerweile ins Geschäft ein, der Tabakkonzern plant eine Investition in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar in das kanadische Cannabis-Unternehmen Cronos. Der legale globale Cannabis Markt soll laut der Analysefirma Grand View Research bis 2025 bereits knapp 150 Milliarden US-Dollar groß sein.

Asien stellt nun die gesetzlichen Voraussetzungen, um in dem Milliardenmarkt mitzumischen. Sri Lanka machte dieses Jahr den Anfang, im November folgte Südkorea. Selbst in Malaysia, wo Drogenkriminellen noch bis vor kurzem die Hinrichtung drohte, wird umgedacht.

Hoffnung auf Milliarden-Einnahmen

Die Cannabis-Industrie verspricht den Staaten Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. „Wer sich jetzt früh mit den richtigen Gesetzen aufstellt, hat einen Vorteil und kann aktiv an der Entwicklung dieser jungen Industrie mitwirken”, sagt Ben Quirin, Asien-Pazifik-Chef beim kanadischen Cannabiskonzern Canopy Growth, dem Handelsblatt. Für sein Unternehmen sieht er ein großes Potenzial. Die Bevölkerung in Asien sei „historisch betrachtet sehr aufgeschlossen für innovative Gesundheitslösungen.”

Bauern in Thailand nutzten es beispielsweise zur Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag, Frauen linderten Geburtsschmerzen. Dann wurde es in den 30er Jahren verboten. Trotzdem verschwand es nie ganz. Bis in die 80er Jahre war Thailand ein Zentrum des illegalen Cannabis-Schmuggels.

Nun will das Land zu einem Spitzenreiter in der legalen Cannabis-Industrie werden – und hofft auf Milliarden-Einnahmen. „Marihuana wird Thailands landwirtschaftliches Exportgut der Zukunft“, prophezeit Handelsminister Sontirat Sontijirawong. Ein entsprechendes Gesetz wird derzeit ausgearbeitet. Schon im ersten Quartal 2019 könnte der Anbau und der medizinische Gebrauch von Cannabis straffrei sein.

Die Hoffnung Thailands ist nicht unberechtigt: Das Land hat ein passendes Klima, eine starke Landwirtschaft und einen aufstrebenden Medizintourismus.

Mehrere Unternehmen haben sich bereits in Stellung gebracht. Ganz im Norden des Landes, nicht weit von dem einst für seinen Drogenschmuggel berüchtigten Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Laos und Myanmar entfernt, soll der offizielle Anbau unmittelbar nach der Legalisierung beginnen. „Thailand wird der Marktführer der globalen Cannabis-Industrie”, sagt Jim Plamondon, Teilhaber des Unternehmens Thai Cannabis Corporation selbstbewusst. “So wie es die Schweiz für Uhren ist.”

Sein Unternehmen will lokalen Bauern beim Anbau helfen und ihnen schließlich die Blüten abkaufen. Dabei will er auch mit jenen zusammenarbeiten, die dank des jahrelangen illegalen Anbaus viel Erfahrung haben. Außerdem kooperiert das Unternehmen mit der Maejo-Universität in Chiang Mai.

Entscheidender Wettbewerbsvorteil durch tropisches Klima

Cannabis-Bauern aus den tropischen Ländern haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz im oft kalten Westen, so die Hoffnung. Dank des Klimas ist teures Equipment für den Anbau nicht zwingend notwendig – im Gegensatz zu Nordamerika. „In Kanada Cannabis anzubauen ist genauso sinnvoll, wie in Thailand Ahorn-Bäume für die Sirup-Produktion in gekühlten Höhlen wachsen zu lassen”, sagt Plamondon.

Eine Schwierigkeit gibt es aber: Die Kunden im Westen zu beliefern. So müssten die Pflanzen beispielsweise in Gewächshäusern angebaut werden, um Qualität und Sicherheitsstandards zu genügen. Für Plamondon eine protektionistische Maßnahme. Er geht aber davon aus, dass sich die tropischen Länder noch erfolgreich dagegen wehren werden.

Auch bei der Weiterverarbeitung und der Produktentwicklung gibt es Hürden: Der Westen hat einen Vorsprung. 71 von insgesamt 72 in Thailand auf Cannabis basierende Patentanmeldungen kommen aus dem Ausland. Zu den Antragstellern gehören unter anderem der britische Pharmakonzern GW Pharmaceuticals und Otsuka Pharmaceutical aus Japan.

Die Politik ist bereits alarmiert: Machthaber Prayuth Chan-ocha hat bereits öffentlich erwogen, die heimische Industrie per Artikel 44 zu schützen – einer Art Notstandsgesetzgebung, die dem Junta-Chef ermöglicht, per Dekret direkt Gesetze zu erlassen. Dass sich der Militärmachthaber so offensiv in die Diskussion einbringt, zeigt den Stellenwert, den das Projekt besitzt.

Für die Staaten in Asien ist das ein radikaler Paradigmenwechsel. Noch herrschen dort im internationalen Vergleich die härtesten Drogengesetze. In der Regel machen die Behörden keine großen Unterschiede zwischen Cannabis und anderen Drogen wie Heroin oder Amphetaminen.

Am deutlichsten zeigt sich das in Malaysia: Im Herbst wurde in dem streng muslimischen Land noch ein Cannabis-Dealer zum Tode verurteilt. Kurz darauf intervenierte die Regierung. Sie setzte die Todesstrafe für den Verurteilten aus und kündigte ein generelles Ende für Hinrichtungen wegen Drogendelikten an. Mittlerweile wird auch hier schon weitergedacht: Die einflussreiche Abgeordnete Nurul Izzah Anwar, Tochter des designierten Premierministers Anwar Ibrahim, hat bereits einen Gesetzesentwurf für die Legalisierung der medizinischen Verwendung angekündigt.

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