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Getöteter Journalist Türkei will Dienstag Details zu Khashoggi-Ermittlungen bekanntgeben

Erdogan will Dienstag offenlegen, was die Türkei über den Tod des saudischen Journalisten weiß. Drei US-Senatoren sehen den Kronprinzen in der Verantwortung.
Update: 22.10.2018 - 06:39 Uhr Kommentieren
Seit Freitagabend ist es Gewissheit: Jamal Khashoggi ist laut Saudi-Arabien im Konsulat in Istanbul gestorben. Quelle: dpa
Jamal Khashoggi

Seit Freitagabend ist es Gewissheit: Jamal Khashoggi ist laut Saudi-Arabien im Konsulat in Istanbul gestorben.

(Foto: dpa)

Riad/Istanbul Im Fall Jamal Khashoggi wächst der internationale Druck auf Saudi-Arabien, die Wahrheit um den Tod des systemkritischen Journalisten aufzuklären und die Schuldigen vor Gericht zu bringen. Die Türkei will an diesem Dienstag mit der Offenlegung von Details zu Ermittlungen zum Schicksal Khashoggis vorpreschen.

Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens Außenminister sprachen in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung von einem schockierenden Vorgang, der durch nichts zu rechtfertigen sei und in aller Schärfe verurteilt werde. „Die Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit hat für Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich hohe Priorität“, betonten sie.

„Die Bedrohung von Journalisten, der Angriff auf sie oder gar ihre Tötung sind ungeachtet der Umstände inakzeptabel und geben unseren drei Staaten Anlass zu größter Besorgnis“, schrieben Heiko Maas, Jean-Yves Le Drian und Jeremy Hunt. Die von Saudi-Arabien offiziell eingestandene Tötung Khashoggis im Istanbuler Generalkonsulat des Königreichs werde zur Kenntnis genommen; „die Hypothesen“ – Saudi-Arabien hat von einem tödlichen Unfall bei einem Faustkampf gesprochen – müssten untermauert werden, um glaubwürdig zu sein.

„Wir unterstreichen daher, dass größere Bemühungen darum, die Wahrheit in umfassender, transparenter und glaubwürdiger Weise ans Licht zu bringen erforderlich sind und erwartet werden.“ Davon hänge die Glaubwürdigkeit Saudi-Arabiens ab – „und inwieweit wir darauf vertrauen können, dass ein so schändlicher Vorfall sich nie wieder ereignen wird und kann.“ Verantwortliche müssten ermittelt und „die begangenen Straftaten in rechtsstaatlicher Weise verfolgt werden“.

Amtliche saudi-arabischen Medien hatten in der Nacht zum Samstag nach langen Dementis gemeldet, der 59-jährige Khashoggi sei im Istanbuler Konsulat bei einem Faustkampf zu Tode gekommen. 18 Verdächtige seien festgenommen und Geheimdienstoffiziere entlassen worden. Außenminister Adel al-Dschubeir sagte Fox News, was mit Khashoggi im Konsulat geschehen sei, sei eine „Schurkenoperation“ und ein „„riesiger und schwerer Fehler“. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Die Version regierungsnaher türkischer Medien zum Fall Khashoggi klingt indes anders: Ein von Riad entsandtes Kommando mit 15 Personen sei in die Türkei gereist, um den Kolumnisten der „Washington Post“ zu töten. Stunden später hätten die mutmaßlichen Mörder das Land in Privatjets wieder verlassen. „Warum kamen diese 15 Personen hierher? Warum wurden 18 Personen festgenommen? All dies muss in allen Details erklärt werden“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Für Dienstag kündigte er eine Rede vor Mitgliedern seiner Regierungspartei an, in der er Details zu türkischen Ermittlungen zu den Vorgängen im Konsulat nennen werde.

Für Montag lud der Staatsanwalt von Istanbul 28 weitere Mitarbeiter des saudi-arabischen Konsulats für Zeugenaussagen vor, darunter türkische Staatsbürger, wie der Staatssender TRT berichtete. Einige türkische Angestellte hatten bereits zuvor ausgesagt, dass ihnen aufgetragen worden sei, zum Zeitpunkt von Khashoggis Verschwinden nicht zur Arbeit zu erscheinen. Am Sonntag strahlte der Sender TRT World zudem Bilder aus, die den Journalisten am 2. Oktober bei der Ankunft am Konsulat zeigen.

Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde Khashoggis Verlobte überdies unter 24-stündigen Polizeischutz gestellt. Sie hatte die Polizei alarmiert, als ihr Partner nicht wieder aus dem Konsulat gekommen war, aus dem er Papiere für deren geplante Hochzeit holen wollte.

US-Präsident Donald Trump hat zurückhaltend auf das saudi-arabische Eingeständnis reagiert. Er werde mit Kronprinz Mohammed in Kürze darüber sprechen. Er müsse aber mehr über den Fall erfahren und werde dann mit dem Kongress an einer US-Reaktion arbeiten, bekräftigte er am Samstagabend (Ortszeit) nach einem Wahlkampfauftritt in Nevada.

Mindestens drei republikanische Mitglieder des US-Senats halten den saudi-arabischen Kronprinzen indes für direkt verantwortlich. Die Senatoren Bob Corker und Rand Paul sagten in US-Fernsehinterviews, sie seien überzeugt, dass der Kronprinz den Befehl zur Tötung Khashoggis gegeben habe. Senator Lindsey Graham sagte: „Ich finde es unmöglich zu glauben, dass der Kronprinz nicht involviert ist.“

Senator Paul sagte, im Kongress gebe es eine zunehmende Unterstützung für den Stopp von US-Waffenlieferungen an Saudi-Arabien. Trump will daran festhalten, weil davon Arbeitsplätze in der amerikanischen Rüstungsindustrie abhingen. Paul sagt, er glaube nicht, dass „Waffen jemals als Arbeitsplatzprogramm“ betrachtet werden sollten.

  • dpa
  • ap
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