Gewalt in Athen eskaliert Demonstranten werfen Brandsätze auf Polizisten

Ein neuer Generalstreik hat das öffentliche Leben im hoch verschuldeten Griechenland am Freitag weitgehend lahmgelegt. Bei Zusammenstößen warfen Demonstranten mit Brandsätzen auf die Polizisten.
Update: 10.02.2012 - 13:41 Uhr 28 Kommentare
Gewaltsame Zusammenstöße bei den Protesten. Quelle: Reuters

Gewaltsame Zusammenstöße bei den Protesten.

(Foto: Reuters)

AthenProteste wütender Griechen gegen den von internationalen Geldgebern geforderten Sparkurs sind am Freitag in Gewalt umgeschlagen. In Athen ging die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die mit Brandsätzen, Flaschen und Steinen warfen. Auf den TV-Bildern war zu sehen, wie junge Männer auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament Steine abschlugen und auf die Polizei warfen. Ein Mensch war zu sehen, der offenbar verletzt auf dem Boden des Platzes lag.

Nach Polizeiangaben befanden sich rund 7.000 Menschen zu einer Kundgebung auf dem Platz. Zuvor hatten vor dem Parlament rund 10.000 Anhänger der kommunistischen Arbeiterfront Pame friedlich demonstriert. Die Demonstrationen sind Teil eines zweitägigen Streiks aus Protest gegen die am Donnerstag verabschiedeten neuen Sparpläne der Regierung. Aufgerufen zu dem Streik hatten die wichtigsten Gewerkschaften des Landes.

Vor allem der öffentliche Verkehr wurde weitgehend lahmgelegt. Tausende Menschen mussten zu Fuß zur Arbeit gehen. Ministerien und staatliche Unternehmen blieben größtenteils geschlossen.

In der Hauptstadt Athen fuhren keine Busse und Bahnen. Auch zu den Inseln gab es keine Fährverbindungen. Bis Sonntag sind zudem mehrere Demonstrationen geplant. Die Polizei zog Einheiten in Athen zusammen. Sie befürchtet Ausschreitungen von linken und rechten Gruppierungen. Zuletzt hatte in Griechenland am Dienstag ein eintägiger Generalstreik stattgefunden.

„Nein zu Entlassungen! Nein zu Gehaltskürzungen! Nein zu Rentenkürzungen!“, skandierten Redner in Lautsprecherdurchsagen auf dem zentralen Syntagma-Platz in der Hauptstadt Athen. „Leistet Widerstand!“, appellierten sie an die Demonstrierenden vor dem Parlamentsgebäude.

Angesichts angekündigter Kundgebungen waren im Zentrum Athens Polizisten in großer Zahl postiert. Die Polizei befürchtet Ausschreitungen von linken und rechten Gruppierungen. Auch in anderen Städten des Landes, etwa in Thessaloniki, waren Protestmärsche geplant.

Der Generalstreik soll am Samstag fortgesetzt werden. Er gilt auch als Stimmungstest, inwieweit die Bevölkerung sich gegen die Kürzungen stemmt oder diese zähneknirschend duldet. Viele Griechen sind zunehmend zornig über den Sparkurs, der bereits zu spürbaren Wohlstandseinbußen geführt hat und die gebeutelte Wirtschaft zusätzlich schwächt. Seit fünf Jahren steckt das Land in der Rezession. Mehr als jeder fünfte Grieche hat keine Arbeit. Zahlreiche Geschäfte müssen schließen, weil die Verbraucher den Gürtel enger schnallen. Seit Verschärfung der Krise gibt es zwar immer wieder Demonstrationen in Griechenland. In den vergangenen Monaten waren die Teilnehmerzahlen allerdings relativ schwach. Für April sind Neuwahlen geplant.

„Die Maßnahmen, die das neue Memorandum vorsieht und auf die sich drei Parteiführer mit der Regierung und der Troika geeinigt haben, sind der Grabstein für die griechische Gesellschaft“, warnte die Beamtengewerkschaft ADEDY. „Es ist Zeit, dass das Volk seine Stimme erhebt.“ ADEDY und ihre Schwesterorganisation GSEE für die Privatwirtschaft vertreten zwei Millionen Beschäftigte, das ist rund die Hälfte der werktätigen Griechen.

Die Polizeigewerkschaft drohte in einem Brief an die Troika aus EU, EZB und IWF, deren Finanzkontrolleure per Haftbefehl suchen zu lassen - unter anderem wegen Gefährdung der Demokratie. Zudem würden die griechischen Beamten nicht gegen ihre eigenen Brüder vorgehen. Mit einem zweitägigen Generalstreik wollen die Gewerkschaften die Bevölkerung zum Widerstand gegen verschärfte Einschnitte mobilisieren.

Mit Blick auf die bevorstehenden Einschnitte rief Finanzminister Evangelos Venizelos die Menschen dazu auf, sich zu überlegen, dass die Alternative zu den harten Maßnahmen der finanzielle Untergang sei. Am Nachmittag sollte der Ministerrat in Athen tagen, um über die das Programm zu entscheiden. Am Sonntag soll das Parlament in Athen über die Sparmaßnahmen abstimmen, am Mittwoch wollen die Finanzminister der Eurozone erneut tagen. Ohne weitere Finanzhilfen droht dem Land die Staatspleite. Ob wirklich am Sonntag abgestimmt wird, ist aber nach Informationen aus dem Parlament noch nicht sicher. Die Abstimmung könnte auch am Montag oder Dienstag stattfinden, hieß es.

Die geplanten Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150.000 Staatsbediensteten bis 2015 vor. Bis dahin soll Griechenland so 14 Milliarden Euro sparen, allein dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden sein. Das Programm ist Voraussetzung dafür, dass das Euro-Sorgenkind neue Milliarden-Hilfen bekommt. Andernfalls ist Griechenland bis Ende März pleite.

  • dpa
  • afp
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28 Kommentare zu "Gewalt in Athen eskaliert: Demonstranten werfen Brandsätze auf Polizisten"

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  • Wie wahr!

  • @karstenberwanger

    Leider wahr, was Sie sagen. Wenn man sich nur mal die Ablenkungsmanöver anschaut, die unsere politisch gekauften Medien jetzt gerade verbreiten. "Ein Komitee zur Aufklärung der Taten der Nazigruppierung NSU beginnt mit der Arbeit". Nicht dass jemand denkt, dass ich solche Taten für gut heiße, aber was soll der Blödsinn. Hinterher sind alle schlau. Als die kranken Typen mordend durch die Gegend gezogen sind, hat der Verfassungsschutz versagt. Und jetzt soll eine Wiedergutmachungsshow inszeniert werden. Wofür? Die beiden vermutlichen Haupttäter sind tot. Die Andere scheint unsere Justiz nicht zum Reden zwingen zu können. Da sie sich selbst nicht bezichtigen muss und nicht braucht, weil das schon Millionen Deutsche selbst für sich übernehmen, wird sie wohl glimpflich davon kommen. Dafür werden deutsche Staranwälte schon sorgen. Klar das sind Verbrecher. Aber es gibt auch noch andere Verbrecher. Zum Beispiel die die ihr Volk unterdrücken und ausbeuten. Die die Gesetze brechen und die hart erkämpfte Demokratie abschaffen. Die die per Eid Schaden von ihrem Volk abhalten sollen und trotzdem den Jahreshaushaltsetat verpfänden. Komisch dass alle nur die Straftaten erkennen die man ihnen unter die Nase reibt. Die Linken sind böse und die rechten sind böse, aber unter dem Deckmantel "konservativ" zu sein, da ist alles erlaubt. Hallo, schlaft ihr alle?

  • Aktuell gibt es bereits Rücktrittsgesuche von Ministern der Regierung.....

  • "die fetten Jahre sind vorbei"

    Wenn nicht alles beim Alten bleibt, ist dies stets eine wahre Aussage ...

    - wenn 90% der Griechen sich -exemplarisch, als "Blaupause" für die Vorgehensweise mit Resteuropa - drücken und ausbluten lassen, damit es für die "oberen" 10% so bleibt wie gehabt, dann sind die "fetten" Jahre für das einfache griechische Volk - und später für das portugiesische, spanische, italienische, französische ... deutsche Volk tatsächlich vorbei.

    Das "Witzige" in Deutschland bei diesem Spielchen:
    Etliche der Systemverlierer fühlen sich noch als die herrschaftlichen Gewinner - da sie -noch- besser dastehen als die ganz armen Schweine...

    So, wie sich's im Augenblick abzeichnet, ist selbst noch
    "heute die gute alte Zeit von morgen" ...

    und warum?
    - weil sich das Pöbel gegenseitig in die Pfanne haut,
    anstatt sich zu solidarisieren.

    "divide et impera" - je blöder der multi-kulti-Haufen, desto leichter dieses "Spiel"...

    Jedem das Seine.

  • Mit Brandsätzen auf Polizisten werfen, finde ich nicht verwerflich. Friedliches Demonstrieren bringt nichts. Selbst wenn alle Einwohner eines Landes, ausgenommen die Wenigen die von dem System profitieren, auf die Straße gingen um freidlich zu demonstrieren, so würde trotzdem jede Regierung dieser Welt für sich selbst die besten Entscheidungen treffen. Die Polizei ist immer der
    verlängerte Arm der jeweiligen politischen Verbrecherbande. Besser wäre es, wenn die Politiker selbst die Gewalt zu spüren bekämen. Nur leider verstecken sich diese natürlich nicht ohne Grund hinter ihren Mauern. Die griechische Bevölkerung hat meinen vollsten Respekt. In Deutschland könnten die Mehrwertsteuer auf 100% und die Einkommenssteuer auf 95% angehoben werden, die Menschen würden Frau Merkel trotzdem noch zujubeln. Ein leises Aufbäumen nach dem Motto "Was will man machen. Ist halt so." wäre die einzige Reaktion die das Berliner Regierungsviertel zu erwarten hätte. Die Griechen zeigen Wut. Sie zeigen, dass sie Menschen sind und keine schlafende Schafherde. Davor ziehe ich meinen Hut.

  • Die einfache und hart arbeitende griechische Bevölkerung tut mir leid.
    Beherrscht von einer korrupten und unfähigen Politikerkaste weniger Familien mit einem Beamtenapparat, der sich durch Bestechung sowie Beihilfe zur Steuerhinterzieheung hervortut und einer reichen Oberschicht, die das Staatssystem mit Wissen aller ausgebeutet hat, werden jetzt die Geringverdiener zur Kasse gebeten.
    Hoffentlich kommt ein Aufstand aller Ehrlichen, wischt dieses System weg und enteignet die Schmarotzer.

  • Im griech. TV wird die Frage gestellt: wer ist Frau Merkel,
    der neue "Adolfos" ?

    "Die Polizeigewerkschaft drohte in einem Brief an die Troika aus EU, EZB und IWF, deren Finanzkontrolleure per Haftbefehl suchen zu lassen - unter anderem wegen Gefährdung der Demokratie."

    Jetzt fehlte nur noch ein Militärputsch in Griechenland, aber den immensen Verteidigungshaushalt hat man ja ( wohlweislich?) auch noch nicht beschnitten....

    Griechenlands Parteien seien immer noch eine schriftliche Zusage schuldig, dass sie auch nach den Wahlen im April die bisher gemachten Reformversprechen einhalten werden, mahnte Eurogruppenleiter Jean-Claude Juncker.
    Zudem muss das griechische Parlament den Beschlüssen am Wochenende noch zustimmen.

    Was bei den Wahlen im April wohl herauskommen mag??

  • An Karstenbewanger:

    Wenn hier alles soooo schlimm ist und die Deutschen so scheiße sind, warum wanderst du nicht aus?
    Nord-Korea ist für seine Gastfreundschaft bekannt.

    Oder Malle, da scheint das ganze Jahr die Sonne.

  • @Kommissar

    Ich befuerchte die Menschen dort hatten genau so viel Mitspracherecht wie unsere Buerger beim Euro. Selbst jetzt koennen weder die noch wir etwas beeinflussen. Sie wissen sicherlich auch nicht was da genau bei den Politikern ablaeuft und ausgehandelt wird.

    Und wenn man den Menschen etwas wegnimmt was sie hatten, dann gibt dies oft Konfliktpotential. Viele haben sich an diese Zahlungen gewoehnt und vielleicht auch ihre Fixkosten danach ausgerichtet. Fuer die bricht jetzt das finanzielle Chaos herein, oft verbunden mit sozialem Abstieg. Die Menschen waren vielleicht arglos, aber sind wir nicht auch arglos wenn wir gemuetlich zusehen, wie unsere Politiker mehr und mehr Verpflichtungen eingehen?

    Irgendwo bin ich den Griechen dankbar, dass sie nicht mehr anteilnahmslos zusehen wie Politiker ueber sie bestimmen. Vielleicht sehen die dann mehr Verantwortung fuer ihr Handeln, wenn sie die Auswirkungen klarer vor Augen gefuehrt bekommen.

  • Man soll sich den Vergleich einmal vergegenwärtigen. 380 Mrd Schulden ---> 3,1 Mrd will man pro Jahr einsparen.
    Das Minus des GR Haushalt betrug 2011 ca. 21 Mrd.
    Wenn ich noch die EU Überweisung von 8,5 Mrd., sprich Subventionen die GR als gottgegeben ansieht hinzu packe.....
    GR sollte sich lieber an Albanien orientieren.
    Meiner Meinung nach ist das größte Problem in GR die Griechen selbst. Sie sind halt keine Chinesen oder Japaner.

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