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Gewalttätige Demonstrationen Knapper Sieg für Chen stürzt Taiwan in Krise

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Der knappe Wahlausgang und Gerüchte über das Attentat verschärften die Spannungen im Volk. Demonstrationen wurden aus Taipeh, Kaoshiung, Taichung und anderen Städten gemeldet. Nach einem Protestzug in der Nacht zum Präsidentenpalast, den die Polizei mit Stacheldraht und Barrikaden abschirmte, trat Lien Chan am Sonntag erneut vor die Menge. Er forderte, die Stimmen neu auszuzählen und ausländische Experten zu einer Untersuchung der Wahl und des Attentats hinzuzuziehen. „Die Wahl war ungerecht und ist deswegen nicht gültig, und die Schüsse geben zu viele Rätsel auf“, sagte Lien Chan.

Nach dem Attentat fahndet die Polizei nach einem großen Mann, der einen Motorradhelm und ein T-Shirt der Fortschrittspartei (DPP) des Präsidenten getragen habe und mit einem Motorroller geflüchtet sei.

Die Ermittler gingen anhand der Schussbahnen davon aus, dass allein Chen Shui-bian das Ziel gewesen sei, berichteten Zeitungen. Zwei selbst gebastelte Kugeln aus Kupfer und Blei seien gefunden worden Eine Kugel habe die Scheibe des offenen Jeeps durchschlagen, die Flugbahn geändert und Vizepräsidentin Annette Lu am Knie verletzt. Der zweite Schuss sei seitlich in den vorbeifahrenden Wagen abgegeben worden. Der Präsident erlitt eine lange Fleischwunde am Bauch.

Das Attentat brachte ihm offenbar Sympathiestimmen ein. Seine Gegner deuteten sogar an, er könne das Attentat selbst inszeniert haben, was Verschwörungstheorien im Volk anfachte. Die Kuomintang beklagte zudem Wahlmanipulation. 330 000 Stimmen seien ungültig gewesen. Das war fast drei Mal so viel wie vor vier Jahren. Der hohe Anteil kam aber nicht unerwartet. Aus Verdrossenheit über die altbekannten Spitzenkandidaten hatte eine „Allianz für eine Million ungültige Stimmen“ dazu aufgerufen, ungültige Wahlzettel abzugeben.

Während Chen Shui-bian für eine Trennung von China eintritt, wollte Lien Chan die Beziehungen zu Peking verbessern. Die kommunistische Führung verurteilte die erste Volksabstimmung Taiwans als „provokativ“. Peking, das Taiwan nur als Provinz betrachtet, fürchtet, sah einen ersten Schritt zur Unabhängigkeit.

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