Giannis Stournaras Tsipras‘ Ärger mit dem eigenen Notenbankchef

Griechenlands Notenbankchef fällt häufig mit Fauxpas auf. Premier Tsipras will den unbequemen Banker aus dem Amt hebeln – dabei ist er mehr denn je auf das Wohlwollen der EZB angewiesen. Deren Chef Draghi ist besorgt.
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Premier Alexis Tsipras will Giannis Stournaras (r.) am liebsten loswerden. Quelle: dpa
Tsipras und Stournaras

Premier Alexis Tsipras will Giannis Stournaras (r.) am liebsten loswerden.

(Foto: dpa)

AthenEigentlich sollte Giannis Stournaras an diesem Freitag vor einem Ausschuss des griechischen Parlaments Rede und Antwort stehen. Aber Griechenlands Notenbankchef hat abgesagt. Er ist wegen wichtiger Termine verhindert. Ihn beschäftigt die akute Krise des Landes, dessen Bankensystem nur noch existiert, weil es am Tropf von Notkrediten der Europäischen Zentralbank (EZB) hängt. Doch Griechenlands Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou lässt die Entschuldigung nicht gelten.

Sie will den Gouverneur der griechischen Notenbank notfalls von der Polizei in Handschellen zu seiner Anhörung im Parlament vorführen lassen – ein nach den Regeln des griechischen Parlaments möglicher, in der EU aber nie dagewesener Vorgang. Dass die Polizei Stournaras in seinem Büro im dritten Stock der Bank of Greece an der Athener Panepistimiou-Straße am Freitag tatsächlich antreffen wird, ist allerdings unwahrscheinlich – der Notenbankgouverneur ist auf Auslandsreise.

Damit eskaliert ein Streit, der im Mai begann. Anlass war eine an die Öffentlichkeit gelangte E-Mail aus Kreisen der Zentralbank. Unter dem Titel „Bilanz der 100 Tage“ (der Regierung Tsipras) listet das Non-paper eine Reihe von Fakten auf, die für den griechischen Premier wenig schmeichelhaft sind – wie den massiven Schwund der Einlagen im Bankensystem, den Absturz der Aktienkurse und Immobilienpreise, die wachsenden Zahlungsrückstände des Staates.

Regierungschef Tsipras sah in der Mail eine Art Sabotage und warnte den Notenbanker im Parlament, er werde danach beurteilt, ob er „der nationalen Linie“ folge – also den Vorgaben der Regierung. Mit der gesetzlich verankerten Unabhängigkeit der Zentralbank ist diese Forderung allerdings schwer vereinbar. Schon vor der Mail-Affäre hatte Staatsminister Nikos Pappas, der engste Tsipras-Mitarbeiter, gegenüber dem „Wall Street Journal“ beklagt, Stournaras zeige keine Kooperationsbereitschaft.

Stournaras ließ in einer knapp gehaltenen Mitteilung dementieren, dass die Mail, die an einen bekannten Finanzjournalisten adressiert war, von der Zentralbank stamme. Formal stimmt das, jedoch ist es nur eine Ausrede, weil die Nachricht von der privaten Mail-Adresse eines seiner engsten Mitarbeiter verschickt worden war.

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9 Kommentare zu "Giannis Stournaras: Tsipras‘ Ärger mit dem eigenen Notenbankchef"

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  • Eine derartige Vorgehensweise gegenüber integren Persönlichkeiten ist auch in Deutschland üblich.

    In Deutschland ging/geht man beispielsweise mit Kernfachleuten teilweise ähnlich um. Man konnte dieses Verhalten gegenüber Fachleuten bei der Übernahme von Bundesbehörden durch Ökoaktivisten, oder Landesbehörden nach der Übernahme durch Grüne Minister beobachten.

    Im Gegensatz zu dem griechischen Notenbankchef erhielten die Kernfachleute keine Unterstützung. Die linksökologischen Journalisten waren froh endlich ökologische "Wahrheiten" zu Sachverhalten wie Asse, "Verstrahlungen" und Ähnlichem zu erhalten.

  • Immer mehr hängen Politische Diktate von immer mehr Politischen Ideologien über der Freiheit der europäischen Bürger wie das Demoklesschwert über der EU und den EURO.
    Die Politische Diktatur / Diktaturen hatten in Europa noch nie erfolg. Dazu ist Europa schon immer zu Vielfältig in seiner Kultur gewesen. Jeder spicht mit eine anderen Sprache und jedes Volk hat seine eigene emotionale Lebensfreude=Freiheitsdrang in seinen Genen. Diese Freiheitsdrang konnte noch kein Diktatur oder diktatorische Instanz = EU/EURO für lange Zeit unterdrücken. Und genau diese Erfahrung macht die EU und EURO am Beispiel von Griechenland durch. Bei Griechenland wird es jedoch nicht bleiben. Spanien, Frankreich, Italien, Portugal werden folgen. Auch die Osteuropäer begehren gegen ein Einheitsdiktat auf....siehe Flüchtlingsfrage. Und die Briten waren schon eh immer vernünftiger als diese EU-Euro Diktatur. Die Engländer haben erkannt, dass man die Vielfalt der Kulturen und Emotionen in Europa nicht auf dauer unterdrücken kann und man hat die Selbständigkeit der Nationen immer in den Vordergrund gestellt, weil es zwecklos ist, gegen das Bedürfnis einer Kulturelen Indifikation in Form von einen EU-EURO Diktaturstaat in den Krieg zu ziehen.

  • Die Erinnyen bzw. Furien bei den Römern sind nach 2.000 Jahren wieder aufgewacht. An Schäbigkeit ist das Handeln der verantwortlichen Protagonisten in der griechischen Regieung oder der Syriza nicht mehr zu überbieten. Mit solchen Menschen verhandelt man nicht oder legt sich vertraglich mit ihnen ins Bett. Ich begreife auch sehr gut, daß die sich mit Putin bestens verstehen. Macht diesem inszenierten, unwürdigen Schmierentheater endlich ein Ende.

  • Wie spricht man den Namen "Stournaras" aus? Etwa so: "STUR-NARAS"?

    Egal, der Mann scheint zu haben, was unsere Kanzlerin nie hatte und auch Schäuble wohl abhanden gekommen ist (sie wissen schon...da unten zwischen den Beinen).

    Sollte der Mann wirklich vor dem Parlament in Handschellen vorsprechen müssen... es wäre ein Fest für die Sinne! Auch würde es wohl recht eindrücklich an die Stalinistischen Schauprozesse erinnern.

    Nun ja, vor der Todesstrafe dürfte er wohl - vorerst - noch bewahrt werden. Und sollte er seinen Job in der GR-Nationalbank wirklich verlieren, gäbe es da wohl schon bald eine Alternative für den Mann in Brüssel: Denn unser Wendehals-Huhn Dijsselbloem scheint sich die nächsten Tage wohl in eine Gummizelle begeben zu müssen, um seinen jämmerlich-entzückten Auftritt beim Eintreffen des ersten Griechen-Vorschlags zu verarbeiten. Also Dijsselbloem in die Klapse und Stournaras zum EURO-Gruppen-Chef befördern!
    Angenehme Nebeneffektr dieser Neu-Besetzung kämen gleich im Dreierpack:
    1. Hätten wir dann wieder einen Menschen mit Hirn, etwas Rückgrat und Coj... zwischen den Beinen auf dem Posten.
    2. Wären wir das Huhn los.
    3. Hätten wir dann jemanden, der die Griechen auch bei späteren Verhandlungen immer sofort versteht (Wobei wir das nach Monate-langer Dauer-GREXO-Soap inzwischen ja auch können... wenn ein Griechischer Regierungsvertreter die Lippen bewegt, dann lautet die Übersetzung immer die gleiche: "Gib mir Dein Geld, jetzt sofort!" Alles andere sind Beilage und Narrengeschichten.)

  • Syriza und Tsipras kritisiert die Bundesregierung, dass sie die Unabhängigkeit der EZB nicht respektiert (z.B. in Sachen OMT, QE usw). Gleichzeitig will aber Syriza die Unabhängigkeit des eigenen Nationalbankgouverneurs aushebeln. Und Syriza war gerade diejenige Partei, die den ehemaligen Nationalbankchef heftig kritisierte (2009), dass er nicht früh genug über den miserablen Zustand der griechischen Wirtschaft gewarnt hatte. Zugleich behauptete Tsipras, die Schuldenkrise sei "ein Märchen ohne Drachen". So gut hat er die Situation erkannt....

  • Man kann aus diesem Verhalten nur von Syriza nur schließen, dass sie gerade den Default vorbereiten. Alles andere wäre unlogisch.

  • Diese immer wieder von Syriza gestellte Schuldfrage für die Misere zeigt auch sehr deutlich, dass diese Leute keine Lösung mit uns wollen.

    Wer nämlich eine Lösung sucht, dem kommt es in diesem Augenblick nicht darauf an Schuldige zu suchen.

  • nun ja, für Syriza muss ja irgendjemand schuld am Untergang Griechenlands sein - sie selber können es ja nicht sein.
    Also sind es - wie üblich - alle anderen:
    IWF
    Chef der Zentralbank
    Fr. Merkel
    Die Deutschen
    etc.

  • Es ist einfach nur noch unglaublich, was Tsipras hier treibt. Stournaras ist der Regierung sehr berechtigt tatsächlich nicht wohlgesonnen.

    Aber er war bisher Vertrauensperoson dafür, dass die EZB immer und immer wieder die ELA-Fazilität erhöht hat.

    Wenn Tspiras die Unabhängigkeit des Amtes des Notenbankchefs konterkariert, dann bemächtigt es sich dem Geldsystem. Syriza ist seit Monaten dabei die Position von Stournaras zu erlangen.

    Damit erhöht sich einmal mehr die Gefahr für einen Default.

    Aber wirklich Sorge bereitet mir die totalitäre Struktur, die in Griechenland Einzug erhält. Wir dürfen diesen Leuten wie Syriza kein Geld geben. Es wäre unrecht.

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