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Giftanschlag Charité: Kremlkritiker Nawalny wird aus künstlichem Koma geholt

Der russische Oppositionelle wird laut der Einrichtung schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt. Er reagiere bereits auf Ansprache.
07.09.2020 Update: 07.09.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren

Berliner Charité: Nawalny aus Koma erwacht und ansprechbar

Berlin Der Gesundheitszustand des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny hat sich gebessert. „Das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten konnte beendet werden“, teilte die Berliner Charité am Montag mit. „Der Patient wird schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt.“ Er reagiere auf Ansprache.

Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien aber weiterhin nicht auszuschließen. In der Debatte über Konsequenzen aus dem Giftanschlag schloss auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Sanktionen nicht aus, die die geplante Ostseepipeline Nord Stream 2 betreffen könnten.

Nawalny wird seit dem 22. August in der Berliner Charité behandelt. Auf den Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin war ein Giftanschlag verübt worden. Dabei wurde nach Erkenntnissen der Bundesregierung ein chemischer Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe verwendet.

Nawalny war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen. Zunächst wurde er im sibirischen Omsk behandelt, bevor er nach Deutschland geflogen wurde. Russische Ärzte hatten erklärt, dass sie keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden hätten. Am 2. September teilten die deutschen Ärzte mit, dass Nawalny „zweifelsfrei“ mit dem chemischen Nervenkampfstoff vergiftet wurde.

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    Auch der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und dessen Tochter waren Anfang 2018 in Großbritannien mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Der Stoff war in der Sowjetunion entwickelt worden.

    Russlands Regierung weist bislang jegliche Verbindung zu dem Anschlag zurück. Die Bundesregierung fordert indes Aufklärung und hat im Rahmen der Europäischen Union mit Sanktionen gedroht. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert schließt Merkel dabei auch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nicht aus. Allerdings sei es viel zu früh für eine Entscheidung.

    Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte ein Rechtshilfegesuch in Deutschland gestellt. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte in der ARD gesagt, die deutsche Seite werde dem zustimmen. Peskow zufolge sieht Moskau auch keinen Grund dafür, weshalb Berlin nicht in dem Fall kooperieren sollte.

    Der Kreml rechnet damit, dass Deutschland bald Informationen über die Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny übermittelt. Angesichts der Wellen, die das Thema schlage, erwarte Moskau in den nächsten Tagen Details zu dem Fall, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Staatsagentur Ria Nowosti zufolge. „Wir sind zufriedengestellt.“ International wächst der Druck auf Russland, die Vergiftung des Kremlkritikers zu untersuchen. Bislang laufen „Vorermittlungen“.

    Der Fall Nawalny hat laut dem „Deutschen Ärzteblatt“ auch die Bundesärztekammer erreicht. In einem Schreiben der russischen nationalen Ärztekammer an die Bundesärztekammer (BÄK) werde die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission vorschlagen. Möglich sei auch die Beteiligung von Toxikologen aus anderen Ländern, um eine „unparteiische endgültige Entscheidung“ darüber zu treffen, ob Nawalny vergiftet worden sei oder nicht.

    Vorwürfe Russlands, sie würde die Aufklärung des Anschlags verzögern, wies die Bundesregierung zurück. Es sei „schlichtweg falsch“, dass die russische Regierung einen Anschlag so lange nicht aufklären könne, bis das Rechtshilfeersuchen aus Deutschland bearbeitet werde, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. „Nur Russland kann aufklären.“

    Regierungssprecher Seibert bekräftigte, es sei „zweifelsfrei“ bewiesen, dass Nawalny mit dem Nervengas Nowitschok vergiftet worden sei. Der Arzt, der Nawalny im sibirischen Omsk behandelt hatte, widersprach dem. Laborergebnisse hätten dies nicht bestätigt, sagte der behandelnde Arzt Alexander Sabajew.

    Es habe bei Nawalny stattdessen alles auf eine Stoffwechselstörung hingedeutet. Deshalb habe man die Behandlung mit Atropin abgebrochen. „Als Toxikologe bin ich mir sicher: Es war kein Nowitschok da“, sagte Sabajew.

    Mehr: Nord Stream 2: Mut zur harten Sanktion oder auf „Wandel durch Handel“ setzen?

    • rtr
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