Gigantisches Infrastrukturprojekt: Milliarden-Kanal neben dem Bosporus: Erdogans Pläne stacheln die Weltmächte auf
An dieser Stelle soll der neue Kanal in das Schwarze Meer münden.
Foto: APIstanbul. 45 Kilometer lang, 360 Meter breit und gut 20 Meter tief: Die türkische Regierung will einen riesigen Kanal neben dem Bosporus in Istanbul bauen. Der etliche Milliarden Dollar teure Wasserweg soll den Schiffsverkehr im Bosporus entlasten und sicherer machen sowie die Wirtschaftlichkeit des Schiffsverkehrs in der Region sichern.
Der „Kanal Istanbul“ ist ein gefährliches Vorhaben. Mit dem Megaprojekt bringt Staatschef Recep Tayyip Erdogan nicht nur Umweltschützer und politische Gegner gegen sich auf – er könnte die Türkei erneut in den Fokus der weltweiten Geopolitik katapultieren. Der Kanal könnte regionale Handelsströme umlenken und die Machtstrukturen auf den Kopf stellen. Und Großmächte wie die USA, Russland und China haben ganz eigene Interessen an dem Projekt. Es drohen neue Konflikte in Europas direkter Nachbarschaft.
Dabei kann sich die Türkei nicht über einen Mangel an Konfliktpotenzial beschweren. Der Kauf russischer Luftverteidigungssysteme, ein Disput mit Moskau über den Verkauf türkischer Kampfdrohnen an die Ukraine, US-Gerichtsverfahren gegen eine türkische Staatsbank sowie die Kämpfe gegen die syrischen Kurden belasten die internationalen Beziehungen. Dazu kommen die Streits über die Uiguren mit China und über den Mittelmeerraum mit den EU-Staaten Griechenland und Zypern. Das alle führt bereits zu beispiellosen Spannungen zwischen der Türkei und anderen Weltmächten.