Kim und Trump

Was ist dieser Handschlag wert?

(Foto: AFP)

Gipfel in Singapur Politologen zum Kim-Trump-Gipfel – „Es gibt keine Verlierer, nur Gewinner“

Eine Politologin aus Moskau und ein Tokioter Kollege über den Sieger des Gipfels und mögliche neue Machtverhältnisse in Asien.
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Der Gipfel von Singapur ist Geschichte. Die Vereinbarungen, die US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un getroffen haben, sind umstritten. Allgemein werden sie als wichtiger erster Schritt bewertet. Die USA hätten eine Bedrohung weniger, sagt Anna Kireeva, Professorin am Moscow State Institute of International Relations. Sie sieht aber noch das eine oder andere Risiko – genauso wie ihr Kollege Ryom Munsong. Er ist Professor an der Korea University in Tokio, die von Exil-Koreanern unterstützt wird.

War das Treffen ein Erfolg?

Ryom Munsong: Ja, es war ein großer Erfolg. Es ist ein großer Schritt vorwärts auf dem Weg zu einer friedlichen Situation. Beide Seiten bekommen mehr, als sie aus ihrer Sicht geben.

Anna Kireeva: Sicherlich. Es war das historische erste Treffen und bildet die Grundlage für normale Arbeitsbeziehungen. Nach langer Feindschaft sehen wir zwei Anführer, die mutig genug sind, nicht auf ihre heimischen Kritiker zu hören. Das kann der Beginn sein der Denuklearisierung der Halbinsel (und eben nicht nur des Nordens).

Wie haben sich die beiden Akteure geschlagen?

Ryom: Beide, der Vorsitzende Kim und Präsident Trump, haben ihre Sache gut gemacht.

Wer ist Sieger?
Ryom: Beide sind Gewinner, denn sie haben ihre jeweiligen Ziele erreicht. Die USA haben ein Versprechen auf Denuklearisierung erhalten, und Nordkorea ist dem Ende des Kriegszustands einen großen Schritt näher gekommen. Allerdings hat Nordkorea seine Atombewaffnung nicht behalten können. Ironischerweise ist der Dialog mit den USA aber überhaupt erst durch diese Bewaffnung zustande gekommen – weil es für die USA vernünftiger ist, eine Verhandlungslösung zu suchen als militärischen Druck auszuüben. In diesem Sinn hat Nordkorea mehr erreicht als die USA.

Kireeva: Es gibt keine Verlierer, nur Gewinner. Die USA werden eine Bedrohung los. Nordkorea bekommt diejenigen Sicherheitsgarantien, die es immer wollte. China und Russland werden beide von einer Stabilisierung der koranischen Halbinsel profitieren. Nach einem Abbau der Sanktionen könnte Russland zudem mit beiden Koreas kooperieren.

Welche Risiken gibt es jetzt?

Kireeva: Nicht alles wird glatt laufen. Durch die lange Zeit des Kriegszustands hat der militärische Komplex ein großes Eigeninteresse entwickelt. Auch in den USA gibt es keine einheitliche Haltung. Aber wenn beide Vertrauen aufbauen, können wir ein großartiges Ergebnis erzielen. Das Treffen zeigt, dass sich beide als souveräne Staaten begegnen, die einander vertrauen wollen.

Ryom: Die größte Herausforderung ist, den Deal und die Abrüstung zusammen mit der Vertrauensbildung durchzuziehen. Die Abrüstung im Norden muss schrittweise reziprok mit der Abrüstung im Süden einhergehen. Es bleibt abzuwarten, wie weit die USA dazu bereit sind. Ein großes Risiko ist, dass der Prozess durch Kritik innerhalb der USA gefährdet wird. Dazu kommt die Notwendigkeit einer zuverlässigen Kontrolle.

Was bedeutet das Treffen für die Machtverhältnisse in Asien?

Ryom: Es kann der Beginn eines strukturellen Wandels der Machtverhältnisse bedeuten. Ein Friedensschluss könnte die Grundlage für die Stationierung von US-Truppen in Südkorea beseitigen. Daraufhin könnten die USA ihren militärischen Schwerpunkt in der Region Richtung Indo-Pazifik verlagern.

Was hat sie am meisten überrascht?
Kireeva: Es ist enttäuschend, dass die Vereinbarung keine Details enthält. Andererseits ist das in der Kürze der Zeit keine Überraschung. Was überraschend war, ist auch, dass beide sich bemüht haben, ein spektakuläres Bild abzugeben und sehr freundlich und höflich miteinander umgegangen sind.

Ryom: Am meisten überrascht hat mich, dass das Treffen überhaupt zustande gekommen ist. Offenbar wollen beide Seiten ihr Misstrauen und ihre Feindschaft abbauen. Sie haben sich sehr erwachsen verhalten, in dem sie kein Misstrauen oder Feindschaft gezeigt haben.

Frau Kireeva, Herr Ryom, vielen Dank für das Interview.

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