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Gipfeltreffen Russland/Nordkorea Tauschhandel und Gasversorgung – was Putin und Kim planen

Die Staatschefs haben bei ihrem Gipfeltreffen eine volle Agenda: Sie wollen über das Atomprogramm Nordkoreas und die Wiederbelebung des Handels trotz der UN-Sanktionen sprechen.
24.04.2019 - 15:30 Uhr Kommentieren
Der nordkoreanische Staatschef entsteigt seinem Panzerzug in Wladiwostok. Quelle: AP
Kim Jong Un

Der nordkoreanische Staatschef entsteigt seinem Panzerzug in Wladiwostok.

(Foto: AP)

Moskau Kim Jong Un ist gut gelaunt in der russischen Fernostmetropole Wladiwostok angekommen. Der nordkoreanische Staatschef lüftete seinen Hut und lächelte breit, als er seinem Panzerzug entstieg. Er sei mit herzlichen Gefühlen nach Russland gekommen.

„Ich hoffe, dass meine Visite erfolgreich und nützlich wird und wir während der Gespräche mit Putin die Regulierung der Korea-Frage und unsere bilateralen Beziehungen erörtern können“, sagte er bei der Ankunft.

Der Beginn verlief nicht ganz optimal: Die traditionelle russische Begrüßungszeremonie mit Brot und Salz meisterte er erst beim zweiten Mal erfolgreich. Anschließend setzte sich der „Oberste Führer“ in seine schwarze Limousine, für die extra die Zufahrt zum Bahnhof in Wladiwostok um 20 Zentimeter tiefer gelegt werden musste.

Das Treffen findet unter enormen Sicherheitsvorkehrungen statt. Pjöngjang hat darauf bestanden, den Gipfel auf der zur Stadt gehörenden Insel Russki abzuhalten. Dort fand 2012 bereits der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wertgemeinschaft (APEC) statt.

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    Die nun dort beheimatete Universität wurde schon vor Tagen geschlossen, die Studenten nach Hause geschickt. Auch die gesamte Wasserfläche um die Insel wurde vom russischen Grenzschutz weiträumig gesperrt.

    Bei Sicherheitsfragen verlässt sich Kim natürlich nicht auf russische Silowiki, die russischen Militär- und Geheimdienstvertreter. Immerhin ist es sein erster Besuch in Russland.

    Schon diesen Dienstag landeten daher gleich zwei Sonderflüge aus Pjöngjang in Wladiwostok. An Bord sollen vor allem nordkoreanische Geheimdienstler gewesen sein. Als südkoreanische Journalisten deren Ankunft filmen wollten, wurde einer der Passagiere handgreiflich und schlug dem Korrespondenten die Kamera aus der Hand, ehe er sich davonmachte.

    Das Treffen mit Putin ist an diesem Donnerstag geplant. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow wird es bei den Gesprächen vor allem um „die Entwicklung der bilateralen Beziehungen“ und „die Erörterung von Problemen bei der Entnuklearisierung“ gehen. Redebedarf gibt es durchaus. Kim wird Putin wohl seine Sicht der gescheiterten Atomverhandlungen mit US-Präsident Donald Trump darlegen.

    Die Ende Februar in Hanoi gestarteten Gespräche zwischen Nordkorea und den USA waren überraschend abgebrochen worden. Zwar hatte Trump anschließend beschwichtigend erklärt, dass die Gespräche trotzdem produktiv gewesen seien, doch den erhofften „Deal“ hatte er nicht bekommen. Kim forderte für die Aufgabe des Atomprogramms die komplette Streichung der Sanktionen. „Wir konnten das nicht tun“, sagte Trump damals.

    Daher versucht es Kim nun hinten herum: Moskau gilt als traditioneller Verbündeter Pjöngjangs und hat auch als Teil der Sechsergruppe, in dessen Rahmen das nordkoreanische Atomprogramm seit Jahren verhandelt wird, eine eher weiche Haltung gegenüber den Raketentests eingenommen.

    Zwar hat Russland seinerzeit die Sanktionen der UN gegen Pjöngjang wegen der Atomtests mitgetragen. Doch das Interesse an der Wiederbelebung des Handels, der 2018 um 56 Prozent auf 34 Millionen Dollar eingebrochen ist, teilen Moskau und Pjöngjang gleichermaßen. Dem Vernehmen nach wollen beide Seiten ein neues Abrechnungsschema besprechen, um Probleme mit den Sanktionen zu umgehen.

    Angedacht ist die Aufnahme eines zwischenstaatlichen Tauschhandels. Der Warenaustausch wird zwar formal in Rubel berechnet, aber nicht über Banken abgerechnet. Sollte eine Seite der anderen am Ende eines Quartals etwas schuldig bleiben, dann zahlt der Schuldner den „Kredit“ im nächsten Vierteljahr durch die Erhöhungen seiner Warenlieferungen – so das Kalkül.

    Nordkorea will unabhängiger von China werden

    Für Nordkorea hat der Ausbau der Beziehungen zu Russland strategische Bedeutung: Einem 157 Seiten langen Geheimpapier zufolge, an das Südkorea gekommen sein soll, plant Pjöngjang nicht nur sein Wirtschaftswachstum auf acht Prozent anzukurbeln – gleichzeitig will es seine Abhängigkeit von China verringern. Dazu braucht es einen weiteren starken Partner in der Region – eben Russland. Mit seinem Nachbarn im Norden will Kim den bilateralen Handel auf eine Milliarde Dollar ausbauen.

    Das könnte bedeuten, dass es für eine Reihe von angedachten Infrastrukturprojekten nun grünes Licht gibt. Der Bau einer neuen Brücke über den Grenzfluss Tumannaja ist dabei das konkreteste Projekt. Russland ist darüber hinaus seit langem daran interessiert, sich am Bau einer Transkoreabahn zu beteiligen.

    Pilotprojekte für die Zugverbindung gibt es bereits: So hat die russische Eisenbahn AG bereits 2013 die 54 Kilometer lange Strecke von der koreanisch-russischen Grenze bis zum Hafen Rajin modernisiert und eingeweiht.

    Zudem hegt Gazprom trotz des globalen Flüssigerdgas-Booms immer noch Pläne, eine Pipeline nach Südkorea zu bauen. Nordkorea könnte als Transitland von den Energielieferungen profitieren. Für Nordkorea wäre die Gasleitung ein Segen. Sie verspricht nicht nur Deviseneinnahmen, sondern womöglich auch zumindest eine teilweise Gasifizierung Nordkoreas. Noch bleiben im Winter wegen Rohstoffmangel viele Wohnungen im Land kalt.

    Ein weiterer Schritt, um sich aus der Umklammerung Chinas zu lösen, wären russische Waffenlieferungen. Angesichts der Sanktionen ist das ein heikles Thema. Allerdings ist auch Russland daran interessiert, seine Waffenlieferungen weiter zu diversifizieren. Und der Chef der russischen Industrie- und Rüstungsholding Sergej Tschemesow hat sich einmal damit gebrüstet, dass Moskau jedem Waffen liefere, ohne dies an irgendwelche Bedingungen zu knüpfen.

    Der Politologe Dmitri Schuraljow ist daher optimistisch, dass der Gipfel Ergebnisse liefert. Es sei eine Besonderheit Nordkoreas, dass seine Führer nur zu Veranstaltungen kommen, wenn vorher bereits klar sei, dass es Resultate zu vermelden gebe, argumentierte er.

    Kim vor Gipfeltreffen: „Ich hoffe, dass das Gespräch nützlich wird“

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