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Globale Gesundheitsversorgung Kampf gegen neue Pandemien kostet 15 Milliarden Dollar pro Jahr

Die Welt ist nicht genügend auf neue Pandemien vorbereitet, urteilt ein internationales Expertengremium – und fordert massive Investitionen ins Weltgesundheitssystem.
10.07.2021 - 19:23 Uhr Kommentieren
Die Industriestaaten werden von einem Expertengremium aufgefordert, deutlich mehr Geld in das Weltgesundheitssystem zu stecken. Quelle: dpa
Corona-Pandemie in Indien

Die Industriestaaten werden von einem Expertengremium aufgefordert, deutlich mehr Geld in das Weltgesundheitssystem zu stecken.

(Foto: dpa)

Venedig Dass die Wissenschaftler und Finanzexperten ihren Pandemiebericht ausgerechnet jetzt in Venedig präsentieren, ist dem Zufall geschuldet. Doch es ist auch ein mahnendes Symbol: Seit gut einer Woche steigen die Inzidenzzahlen in Italien täglich an, erstmals seit Ende Juni ist der Wert mit 11,4 wieder zweistellig. Von einer vierten Welle ist das Land noch sehr weit entfernt, aber die Delta-Variante, die etwa in der nördlichen Region Lombardei schon knapp die Hälfte der Neuinfektionen ausmacht, bereitet den Virologen große Sorgen.

Doch Covid-19 sollte nicht die einzige Sorge der Welt sein: Pandemien würden immer häufiger auftreten – und immer gefährlicher werden, mahnt das 23-köpfige Expertengremium, dem unter anderem WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala, Santander-Chefin Ana Botín und der amerikanische Nobelpreisträger Michael Kremer angehören. Mit der nächsten Pandemie sei schon in der kommenden Dekade zu rechnen.

„Die Welt ist weiterhin sehr schlecht ausgerüstet, um künftige Epidemien oder Pandemien zu verhindern und einzudämmen“, schreiben die Autoren in ihrem Abschlussreport. Sie rufen die G20-Staaten, deren Finanzminister und Notenbanker sich am Wochenende in Venedig trafen, auf, mit neuen Investments und globalen Reformen nicht bis zum Ende der Corona-Pandemie zu warten.

Italien, das in diesem Jahr die 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer anführt, hatte das Gremium beauftragt. Monatelang beschäftigen sich die Experten mit der Frage, wie gewappnet die Welt für künftige Pandemien ist.

Das Fazit: Es sind dringend weitere Milliardeninvestitionen ins globale Gesundheitssystem nötig. 15 Milliarden Dollar jährlich an öffentlichen internationalen Mitteln, und das für die kommenden fünf Jahre – das ist die Hausnummer, die das „High Level Independent Panel“ fordert.

Zehn Milliarden Dollar pro Jahr für einen Notfallfonds

Nur so könnten die „großen Lücken“ in der Pandemieprävention geschlossen werden. Mit dieser Summe würde sich das derzeitige Ausgabeniveau mehr als verdoppeln.

Zehn Milliarden Dollar sollten jährlich in einen globalen Fonds für Gesundheitsgefahren gesteckt werden, schlagen die Autoren vor. Mit den anderen fünf Milliarden sollten bestehende Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation oder die Internationale Entwicklungsorganisation der Weltbank unterstützt werden.

Zwar seien die erforderlichen Investitionen erheblich größer als bislang. Im Vergleich zu den Kosten einer erneuten großen Pandemie seien sie aber vernachlässigbar.

„Allein die Kosten für die Staatshaushalte durch Pandemien sind bis zu 700 Mal höher als die vom Gremium vorgeschlagenen jährlichen zusätzlichen internationalen Investitionen“, heißt es im Bericht.

Die ehemalige Finanzministerin von Nigeria leitet das unabhängige Expertengremium. Quelle: AP
WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala beim G20-Treffen in Venedig

Die ehemalige Finanzministerin von Nigeria leitet das unabhängige Expertengremium.

(Foto: AP)

Die vier größten Schwachstellen laut der Experten: die Überwachung von Infektionskrankheiten, die Widerstandsfähigkeit der nationalen Gesundheitssysteme, die globale Impfstoff-Kapazität sowie die globale Governance. Das Panel rief auch zur Gründung eines globalen Gremiums für Gesundheitsgefahren auf, in dem sich Finanz-, Gesundheitsminister und internationale Organisationen regelmäßig austauschen könnten.

„Wir müssen uns in Zukunft besser auf kommende Pandemiebedrohungen vorbereiten und den angerichteten Schaden verringern“, erklärte der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers, Co-Chef des Gremiums. „Nichts weniger als unsere zukünftige globale und nationale Sicherheit stehen auf dem Spiel.“

G20-Beschlüsse zur Pandemiebekämpfung als Mario Draghis Vermächtnis

Kritik kam von der überparteilichen Bewegung One, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis 2030 einsetzt. Es sei nie zu früh, sich auf künftige Pandemien vorzubereiten, erklärte Karoline Lerche, Interims-Direktorin von One Deutschland. „Allerdings befinden wir uns aktuell mitten in einer Pandemie und die braucht eine klare Reaktion – nicht irgendwann, sondern jetzt.“

Afrika werde von der dritten Corona-Welle überrollt. Die G20-Länder seien nach wie vor in der Lage, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die Herausforderungen der Corona-Pandemie in ihren eigenen Ländern zu stemmen, „während sich viele Länder, die von Armut betroffen sind, in einer Liquiditätskrise befinden“.

Die Vorschläge des Experten-Panels werden in den kommenden Monaten in den Arbeitsgruppen der G20-Staaten diskutiert. Ende Oktober, kurz bevor sich die Staats- und Regierungschefs in Rom treffen, werden erstmals in der Gipfelgeschichte die Finanz- und Gesundheitsminister zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreffen. Dort sollen konkrete Vorschläge präsentiert werden, kündigte Italiens Finanzminister Daniele Franco in der Abschluss-Pressekonferenz des G20-Treffens an.

Gut möglich, dass sich einige der Vorschläge für die Pandemiebekämpfung dann auch im Abschlusskommuniqué wiederfinden. Es wäre für die Regierung von Mario Draghi ein krönender Abschluss des G20-Jahres. Und einer, der anders als so oft bei der Gipfeldiplomatie, über die Präsidentschaft hinaus Bestand hätte.

Mehr: Die globale Steuerreform, die die G20-Finanzminister beschlossen haben, ist historisch. Doch in trockenen Tüchern ist sie noch nicht.

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