Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Golf-Krise US-Außenminister Pompeo will weltweite Allianz gegen Iran schmieden

Die USA streben ein weltweites Bündnis gegen den „größten Sponsor des Terrors“ an. Die Bundesregierung hat davon allerdings aus den Medien erfahren.
Update: 24.06.2019 - 13:53 Uhr 2 Kommentare
USA: Mike Pompeo will weltweites Bündnis gegen Iran formen Quelle: AFP
Mike Pompeo

Der US-Außenminister vor der Abreise nach Saudi-Arabien. Auch dort wird er nach Verbündeten suchen.

(Foto: AFP)

Washington, LondonIm Konflikt mit dem Iran will Washington jetzt eine weltweite Koalition aufbauen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach am Sonntag (Ortszeit) von „einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa“. Diese solle bereit sein, den „größten Sponsor des Terrors auf der Welt“ zurückzudrängen, sagte Pompeo vor einer Reise nach Saudi Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit beiden Ländern will er über eine gemeinsame strategische Linie reden.

Diese neue weltweite Koalition erinnert an die „Koalition der Willigen“, die den Angriff der USA auf den Irak im März 2003 unterstützte. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein.

Nach den Worten Pompeos treten am Montag neue Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Die USA wollen das Land demnach daran hindern, Atomwaffen und Raketen zu bauen und damit dafür sorgen, dass US-amerikanische Interessen gewahrt würden und Amerikaner weltweit sicher seien. US-Präsident Donald Trump hatte die neuen Sanktionen am Wochenende per Twitter angekündigt. In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders NBC sagte Trump allerdings auch, er sei „ohne Vorbedingungen“ zu Gesprächen mit dem Iran bereit.

Deutschland haben die USA noch nicht offiziell zur Beteiligung an der geplanten Koalition aufgefordert. Man habe die Initiative von US-Außenminister Mike Pompeo lediglich „über die Medien zur Kenntnis genommen“, sagte der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amts, Christopher Burger, am Montag in Berlin.

Die USA hatten 2003 Verbündete um sich versammelt, die den Angriff auf den von Saddam Hussein geführten Irak politisch und militärisch unterstützten. Die Nato war damals gespalten: Während sich Länder wie Großbritannien und Spanien an der Koalition beteiligten, waren Deutschland und Frankreich gegen die Intervention im Irak.

Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich Ende vergangener Woche gefährlich zugespitzt. Der Iran schoss am Donnerstag eine Aufklärungsdrohne ab, die nach Angaben aus Teheran den Luftraum des Landes verletzt hatte. Nach US-Angaben flog das unbemannte Flugzeug dagegen in internationalem Luftraum. Die USA bereiteten danach einen Gegenschlag vor, den Trump nach seinen Worten nur kurz zuvor stoppte. Er begründete das mit der erwarteten Zahl von 150 Todesopfern im Iran, die er unverhältnismäßig im Vergleich zum Abschuss eines unbemannten Flugzeugs nannte.

Iran widersteht eigenen Angaben nach Cyber-Attacken

Iran hat das Scheitern der US-Pläne für ein iranfeindliches Bündnis prognostiziert. „Das ist ja nichts Neues“, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Montag. „Aber wie die bisherigen fragilen Koalitionen wird auch diese ihre Ziele nicht erreichen und letztendlich scheitern.“

Der Iran sei nach regional wie international ein einflussreiches Land. Daher sei die Bildung einer erfolgreichen Koalition gegen Teheran „keine einfache Sache“, sagte der Sprecher.

Er bescheinigte den USA mit Hinweis auf ihre widersprüchlichen Aussagen der letzten Tage, den politischen Durchblick verloren zu haben. Mal wollten sie unter Vorbedingungen mit dem Iran verhandeln, mal ohne, und jeder in den USA sage etwas anderes. „Wir achten aber nicht auf diese Aussagen“, sagte Mussawi laut dem Webportal des Außenministeriums. „Für uns ist nur der politische Kurs der USA wichtig.“

Das iranische Militär droht indes mit weiteren Drohnenabschüssen über dem Persischen Golf. Die Zerstörung der Aufklärungsdrohne am Donnerstag sei eine „entschiedene Antwort“ gewesen, sagte der Kommandeur der iranischen Marine der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge am Montag. „Jeder hat den Abschuss der unbemannten Drohne gesehen“, sagte Konteradmiral Hossein Chansadi. „Ich kann versichern, dass diese entschiedene Antwort wiederholt werden kann, und der Gegner weiß das.“

Zudem seien mehrere Cyber-Angriffe der USA auf den Iran nach Angaben der Regierung erfolgreich abgewehrt worden. Die USA versuchten es immer wieder, hätten aber keinen Erfolg gehabt, teilte der iranische Telekommunikationsminister Mohammed Dschawad Asari Dschahromi am Montag per Twitter mit. Das US-Verteidigungsministerium hatte Medienberichten zufolge am Donnerstag mit einem seit längerem geplanten Cyber-Angriff begonnen. Dieser habe das iranische Raketenstartsystem außer Kraft gesetzt, berichtete die „Washington Post“ am Samstag.

Im vergangenen Jahr seien 33 Millionen Cyber-Angriffe durch die nationale Firewall abgewehrt worden, sagte Asari Dschahromi und sprach von „Cyber-Terrorismus“. Er verwies auch auf das erste bekanntgewordene, gegen die Industrie eingesetzte Computer-Virus Stuxnet, mit dem 2007 iranische Atomanlagen attackiert wurden. Stuxnet war 2010 entdeckt worden, nachdem das Virus das Computersystem der Uran-Anreicherungsanlage im iranischen Natans befallen hatte. Stuxnet wurde vermutlich von den USA und Israel entwickelt.

Mehr: US-Präsident Trump und der Iran sind offenbar zu allem bereit. Dabei kann der Teheran nicht gewinnen. Aber viel zu verlieren haben auch die USA.

Brexit 2019
  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Golf-Krise - US-Außenminister Pompeo will weltweite Allianz gegen Iran schmieden

2 Kommentare zu "Golf-Krise: US-Außenminister Pompeo will weltweite Allianz gegen Iran schmieden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bravo Herr Heitmeyer - genauso war und ist es. Und ich glaube mit Herrn Pompeo als US-
    Aussenminister wird es irgendwann ein weltweites Buendnis gegen den US-Imperialismus
    geben. Auf jeden Fall kann er sich eine Koalition der Willigen gegen Iran abschminken.

  • Eine Allianz unter "America First"? Bedeutet unter Trump die Unterwerfung unter erratische, unkalkulierbare, unzuverlässige und von rein amerikanischen Interessen geprägten Führung.
    Die aktuelle, persische Misere basiert auf der britisch/amerikanischen Allianz von 1951 - 54, auch als Abadan Krise bekannt. https://de.wikipedia.org/wiki/Abadan-Krise Damals hatte der demokratisch gewählte Amerika Fan Mohammad Mossadegh mit den Landesölreserven andere Pläne als BP. Das rief MI6 & CIA auf den Plan, und verhalf dem Schah Reza Pahlevi an die Macht.
    Vielleicht wäre es eine Option, wenn die USA und die Briten erst einmal beim iranschischen Volk ihrem Bedauern über die imperialistische Politik aus dieser Zeit Ausdruck verleihen. Als ein Zeichen für einen Neuanfang in Frieden und Dialog.

Serviceangebote