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Golfstaat Katar schafft bessere Bedingungen auf Baustellen – und hofft auf hochqualifizierte Arbeiter

Die Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter am Golf wurden von Menschenrechtlern oft als Sklavenhaltung kritisiert. Jetzt schafft Katar die menschenunwürdigen Bedingungen ab.
31.08.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Der Golfstaat musste viel Kritik einstecken. Quelle: dpa
Fußball-Stadion in Katar

Der Golfstaat musste viel Kritik einstecken.

(Foto: dpa)

Berlin Das Austragungsland der Fußball-WM 2022 geht voran bei der Abschaffung sklavenähnlicher Beschäftigungsverhältnisse. Nach anhaltender Kritik an der Lage der Gastarbeiter auf den WM-Baustellen hat der Golfstaat Katar grundlegende Reformen vollzogen.

Die katarische Regierung verkündete die Abschaffung des Kafala-Systems, das in fast allen Golfstaaten gilt. Danach mussten Arbeiter bisher eine katarische Firma als „Sponsor“ oder „Bürgen“ (Kafala bedeutet Bürgschaft) haben, der sie einlädt. Ohne Zustimmung des Sponsors durften Arbeiter keinen anderen Job annehmen, selbst wenn der einladende Arbeitgeber den Lohn nicht zahlte.

Durch die Reform verbessert sich die erdrückende Rechtslage für Hunderttausende Arbeitsmigranten. Ausländische Arbeiter können künftig den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln. Die Uno-Arbeitsorganisation lobt dies als „historischen Schritt“.

Zugleich wurde für Arbeiter und Hausangestellte jetzt ein Mindestlohn von 1000 katarischen Rial (umgerechnet 230 Euro) festgesetzt. Zudem muss der Arbeitgeber künftig 500 Rial pro Monat für Unterbringungskosten und 300 Rial monatlich für Verpflegung zahlen, wenn keine angemessene Verpflegung oder Unterkunft für den Arbeitnehmer oder die Hausangestellte zur Verfügung gestellt wird.

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    Nach Berechnungen der Regierung in Doha sind mindestens 400.000 Arbeiter im Privatsektor von der Reform betroffen. Zudem würde durch die höheren Löhne die ganze Region infolge steigender Überweisungen der Gastarbeiter in ihre Heimatländer profitieren. Diese Heimatüberweisungen aus den Golfstaaten machen für Länder wie Nepal, Pakistan, die Philippinen, Ägypten und andere erhebliche Anteile ihrer Bruttoinlandsprodukte aus.

    Höhere Mobilität und Sicherheit

    „Das sind gute Nachrichten für Wanderarbeiter in Katar“, sagte Sharan Burrow, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbunds ITUC, zu den Reformen in Katar. Der Chef des internationalen Arbeitgeberverbands IOE, Roberto Suárez Santos, lobte die Entscheidung Katars als „großen Beitrag zur Steigerung der Effizienz und Produktivität auf dem Arbeitsmarkt“.

    Katar habe mit diesem historischen Schritt „eine Zusage erfüllt“, meinte ILO-Generaldirektor Guy Rider. Die Arbeiter profitierten nun von möglicher höherer Mobilität und Sicherheit, die Unternehmen von einer größeren Auswahl an Arbeitskräften.

    Zuvor hatte Katar bereits deutlich verbesserte Unterkünfte für Gastarbeiter errichtet. Dennoch war es unter den mehr als eine Million ausländischen Beschäftigten im Land – wie auch in allen anderen Golfstaaten – zu starken Corona-Ausbrüchen gekommen. Ölreiche Golfländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien hatten Zehntausende, vor allem indische Gastarbeiter auf dem Höhepunkt der Krise in ihre Heimatländer ausgeflogen.

    Menschenrechtler wie die von Amnesty International haben Katar bis zuletzt kritisiert, Gastarbeitern sogar auf den vom Staat für die Fußball-Weltmeisterschaft in zwei Jahren beauftragten Stadion-Baustellen monatelang keine Löhne gezahlt zu haben.

    Das Land verspricht sich durch die Abschaffung des von Menschenrechtlern als Sklavensystem kritisierten Kafala-Beschäftigungsverhältnisses aber deutlich mehr als nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf dem Bau: Die Flexibilisierung und Öffnung des Arbeitsmarktes werde auch höherqualifizierte Arbeitskräfte ins Land holen, die Produktivität erhöhen und Katar auf dem Weg in eine wissensgetriebene Wirtschaft helfen, sagte Arbeits- und Sozialminister Yousuf Mohamed Al Othman Fakhroo.

    Mehr: Katars Staatsfonds steigt bei deutscher Curevac ein.

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