Griechenland am Abgrund „Es wird in letzter Minute gut gehen“

Die Stimmung in Athen schwankt zwischen Hoffen und Bangen. Die Blicke richten sich nicht nur nach Brüssel zum Treffen der Euro-Finanzminister, sondern auch nach Berlin. Dort, glauben viele, wird wirklich entschieden.
Update: 20.02.2015 - 19:44 Uhr 30 Kommentare

"Es geht nicht um einzelne Länder - es geht um Europa!"

Athen„Mach doch mal das Radio an“, sagt Evanthia zu ihrer Tochter, die gerade einen Knopf annäht. „Wir wissen ja gar nicht, was draußen vor sich geht – vielleicht haben sie uns den Euro schon abgenommen“.

Auch in der kleinen Änderungsschneiderei im Athener Küstenvorort Glyfada drehen sich die Gedanken an diesem Freitagmorgen um die große Politik. Es ist ein Schicksalstag für die Griechen. Ein Tag, der über die Zukunft des Landes entscheiden könnte – oder doch zumindest darüber, in welcher Währung die Griechen in Zukunft bezahlen und bezahlt werden. Die Stimmung der Menschen schwankt zwischen Hoffen und Bangen. „Ich glaube, es wird in letzter Minute gut gehen und einen Kompromiss geben“, sagt die Schneiderin Evanthia. Aber das klingt mehr nach Wunsch als nach Gewissheit.

Die Zeit läuft den Griechen davon. Wenn sich die Athener Regierung nicht bis Ende Februar auf eine Verlängerung des auslaufenden Hilfsprogramms oder auf ein Anschlussprogramm einigt, schließt sich der Schutzschirm für Griechenland. Dann hängt das Land am 1. März in der Luft. Das könnte bedeuten, dass innerhalb weniger Wochen der Regierung das Geld ausgeht. Der Abschied vom Euro und die Rückkehr zur Drachme wären die wahrscheinliche Folge.

Die Blicke richten sich jetzt nicht nur nach Brüssel, wo am Freitagnachmittag die Finanzminister der Eurogruppe zusammenkommen. Die Griechen schauen auch nach Berlin. Denn dort, so glauben viele, wird in Wirklichkeit über ihr Schicksal entschieden.

Dieser lange gehegte Verdacht wurde am Donnerstag für viele zur Gewissheit. Kaum hatte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem am Vormittag über Twitter den Eingang des griechischen Antrags auf Verlängerung des Hilfsprogramms gemeldet, preschte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor und wies durch seinen Sprecher den Brief aus Athen als unzureichend ab.

Gut war das Klima zwischen Griechen und Deutschen noch nie seit Beginn der Krise. Die meisten Griechen sehen die Bundesregierung als die treibende Kraft hinter dem, was sie als „Spardiktat“ empfinden. Dass lange Zeit in der verhassten Troika gleich zwei Deutsche waren – kein Zufall, glauben viele Griechen.

Alexis Tsipras, der in Athen seit knapp vier Wochen regiert, bezeichnete Kanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf als „gefährlichste Politikerin Europas“. Merkel habe in Griechenland eine „humanitäre Katastrophe“ angerichtet und spiele „Poker mit dem Leben der Griechen“. Frostiger konnte das Klima kaum werden. Aber seit Schäuble am Donnerstag die Athener Regierung barsch abblitzen ließ, hat es einen neuen Tiefpunkt erreicht.

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30 Kommentare zu "Griechenland am Abgrund: „Es wird in letzter Minute gut gehen“"

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  • Leider sind so viele auf das Schmierentheater hereingefallen. Das Ergebnis stand schon lange fest.

  • @Herr Behrendt: Wollen sie wirklich die Verträge von Versailles mit der Finanzkrise und Griechendland vergleichen? Das Historisch gesehen absurd, da die Ausgangslage für die Verträge von Versailles ein Weltkrieg war, in dem mehr als vier Millionen Menschen gestorben sind. SIcherlich ist Ihnen auch klar, dass diese Forderungen gegen das Deutsche Reich aus der Tatsache heraus rührten, dass Deutschland als erstes Land eine Kriegserklärung in 1914 ausgesprochen hat. Aber das Ganze mit dem Solidarpakt mit Griechenland zu vergleichen, also ich müsste da schon ein paar Bier drin haben!

  • "Bei der neuen Regierung handelt es sich um Linkspopulisten, Marxisten". Und Neonazis, Die in der deutschen Presse gerne als "Rechtspopulisten" verharmlost werden.

  • Irgendwie passt das Verhalten der Griechen nicht zusammen ! Zuerst wählen sie Syriza an die Macht und wenn sie dann an der Macht ist, holen sie ihr Erspartes ab und/oder überweisen es ins Ausland. Waren die Griechen wirklich so ahnungslos zu glauben, dass Syriza die Geberländer so einfach um den Finger wickeln kann ?

  • Gut gehen?

    Grexit!

  • Statt müssten meinte ich "könnten"

  • PS: auch Deutschland hat einmal die Versailler Verträge abgewählt. Wir wissen, was bei derartigen Rechtsbrüchen die Folgen sein müssten. Ich hoffe auch, dass jetzt der letzte dt. Urlauber kapiert hat, in welches Land er nicht mehr fahren muss. Wir können unsere Exportüberschüsse auch anderstwo ausgeben..

  • PS: Manchmal sagt der Nachname eines Herrn auch etwas über die Größe seines Gehirnes aus. Das kann ein akademischer Titel auch nicht verschleiern.

  • PS: Ich will in einem Schuldgeldsystem leben, denn ein Gold-Tausch-System würde bald wegen Goldmangels zusammenbrechen und zu riesigen Wohlstandsverlusten führen. Wer sagt denn, dass ein goldgedecktes System vor Manipulationen sicher ist?Der Herr kann sich ja sein eigenes Geld drucken, wenn er mit de Schuldgeldsystem nicht einverstanden ist.

  • „„Mach doch mal das Radio an““

    Hat sich das Herr Höhler vielleicht ausgedacht, um uns Lesern zu suggerieren, in GR herrsche große Armut? In den Läden, die ICH kenne, stehen große Superglotzen und keine Radios.
    Ja, es stimmt. Die Leute sind VIEL ärmer als früher. Und viele haben tatsächlich kein Geld mehr – das ist nicht anders als (z.B.) in Deutschland. Aber die meisten haben noch etwas. Sie leben jetzt vom Zurückgelegten, deshalb sind sie sauer.
    Der Lebensstandard ist noch immer höher als der eines Normalverbrauchers in Deutschland. Der Staatsapparat ist aufgebläht, NICHTS wurde umstrukturiert. Die korrupten Gewerkschaftstypen aus der PASOK sitzen jetzt bei SYRIZA – zwar haben sie bisher noch keine Ämter, aber das kann ja noch kommen.
    Es gibt ÜBERHAUPT keinen Grund dafür anzunehmen, dass GR mit der neuen Regierung INNERHALB der Eurozone nun besser zurecht kommen wird.

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