Griechenland-Anleihen EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis

Die EZB hat am Freitag ihre Griechen-Anleihen umgetauscht. Damit will sie sich einen Sonderstatus sichern, falls es zu einem erzwungenen Schuldenschnitt kommt. Ökonomen fürchten, dass dies anderen Krisenländern schadet.
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Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten ihre jeweiligen Landesfahnen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: dpa

Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten ihre jeweiligen Landesfahnen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Frankfurt/DüsseldorfÖkonomen befürchten, dass der Tausch griechischer Anleihen aus dem Bestand der EZB anderen Euro-Krisenländern schaden könnte. Am Freitag hatte die EZB in einer überraschenden Aktion ihre griechischen Anleihen gegen neue Anleihen mit gleichen Konditionen, aber neuer Kennnummer getauscht.

Durch den Anleihetausch umgeht die EZB die Gefahr von Verlusten, falls Griechenland seine alten Gläubiger per Gesetz zu einer Umschuldung zwingt. Nach den bisherigen Planungen soll der Schuldenschnitt freiwillig erfolgen. Wenn jedoch nicht genügend Gläubiger mitmachen, könnte Athen die Gläubiger durch eine nachträgliche Änderung der Anleihebedingungen zu einer Teilnahme zwingen.

Eine zwangsweise Beteiligung könnte durch die rückwirkende Einführung von Umschuldungsklauseln erfolgen. Dann müssten - je nach Ausformulierung - 50 Prozent der Anleiheeigner für einen Schuldenschnitt stimmen, um alle Eigner zur Teilnahme zu zwingen.

Durch den Tausch ihrer Anleihen sichert sich die EZB hiergegen ab und bekommt einen Sonderstatus: Ihre Griechenlandanleihen können bei einem Schuldenschnitt außen vor bleiben.

Viele Ökonomen halten diesen Sonderstatus für problematisch. Schließlich hält die EZB auch größere Bestände von Anleihen anderer Euro-Krisenländer. Wenn die EZB mit ihren Griechenlandanleihen gegenüber anderen Gläubigern bevorzugt wird, könnten Anleger dies auch in anderen Fällen erwarten.

„Ich denke, dass die Aktion dazu führt, dass der Markt die EZB in Zukunft als vorrangigen Kreditgeber, ähnlich wie den IWF, sehen wird“, sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. „Damit hätten wir dann drei Institutionen, die diesen Status haben: IWF, EZB und künftig der ESM.“ Das werde die Risikoprämien von Ländern erhöhen, die in den Genuss von Krediten dieser Institutionen gekommen sind oder noch kommen.

Auch der Direktor des Brüsseler Forschungsinstituts Center for European Policy Studies, Daniel Gros, kritisierte den Umtausch: „Die EZB hat aus engstirnigen juristischen Bedenken heraus einen großen Fehler begangen.“ Er fürchtet, dass dies negative Auswirkungen auf andere Euro-Krisenländer haben könnte. „Die Lage wird jetzt vor allem für Portugal schwierig“. sagt er. „Das Misstrauen der Märkte gegenüber den Anleihen der Peripherieländer wird wieder wachsen. Die Portugiesen sind damit so ziemlich von den Anleihemärkten abgeschnitten“, so Gros.

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17 Kommentare zu "Griechenland-Anleihen: EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis"

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  • Ich dachte, unsere Politiker legen bei Amtseintritt einen Eid ab, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Mir hat noch niemand schlüssig erklärt, warum vor 2 Jahren die No-bail out-Klausel einfach ignoriert wurde. Alle bestehenden Parteien im Bundestag finden eine Transfer-Union prima (warum wissen sie wohl selbst nicht). Daß eine Transfer-Union mit der "Schuldenbremse" logisch nicht zusammenpaßt, interessiert niemanden. Das Volk interessiert sich für Bahnhöfe und Schloss Bellevue - es versteht dank schwei-gender Presse überhaupt nicht, was da auf uns zukommt. Die EU wird wie Griechenland in einigen Jahren völlig überschuldet zusam-menbrechen; alle EU-Staaten werden Staatsbankrott anmelden müssen. Deutschland wird, wie Prof Sinn sagt, alles verlieren. Das Szenario ist nun sehr klar geworden, und jeder Einzelne kann seine Anlagenentschei-dungen (ggf. auch Standortentscheidungen!) darauf ausrichten.

  • Alle hier genannten Informationen sind mit Vorsicht zu genießen: In der neuen Politischen Union gelten Statistiken und Vereinbarungen allenfalls zur Verschleierung von Fehlentscheidungen, wie beim Club-Med bisher schon üblich: Die gesamte Verschuldung der EU wird mit 7 Bio. Euro angegeben, wenig glaubhaft, denn das ist die tatsächliche Größe dieses Landes mit dem "Triple A" und bedeutet 280% BIP, Griechenland soll angeblich wieder kreditfähig werden mit 129% BIP, und wo sind die jetzt? Und wo die gesamten PIGS + F?
    In einem FAZ-Interview sagt Prof. Sinn von Ifo München auf die Frage: Wie geht das alles aus?: "Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren. Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein. Dann wird man Deutschland bedrängen, die Summe zu erhöhen, um die alten Kredite zu schützen. Man wird immer wieder neues Geld dem alten hinterherwerfen, um sich bis zur jeweils nächsten Wahl zu retten (...) Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Auslandsvermögens verlieren - entweder über Staatskonkurse, über Inflation oder, am wahrscheinlichsten, über Steuererhöhungen zur Finanzierung der anstehenden Transferunion." und weiterhin auf die Frage: Wie fällt Ihr Urteil über die Verhandlungstaktik der Bundeskanzlerin aus? „Frau Merkel wird von der Wall Street, Obama, der City of London, Sarkozy, Barroso und allen Staatschef der südlichen Länder gedrängt, den Anlegern über die Bad Bank in Luxemburg, die letztes Jahr gegründet wurde (die EFSF; die Redaktion), ihre toxischen Staatspapiere abzukaufen. Dagegen hat sie die Strategie des Durchwurstelns entwickelt. Sie macht ihr Portemonnaie (das heißt unser Portemonnaie, Anm.) auf, wenn der Druck zu groß wird, aber sie gibt nicht alles her, was sie hat, weil sie weiß, dass ihre Freunde dann kein Interesse mehr an ihr haben. Sie versucht ihr Bestes. Aber wir sitzen trotzdem in der Falle.“

  • @ Arminius

    Was in den Verträgen übrigens auch nicht vorgesehen ist, ist die Möglichkeit die Überziehung der Target2-Konten zu begrenzen. Dies haben die Dilettanten bei der Installierung des EURO schlicht und einfach "VERGESSEN". Die einzige Möglichkeit die es hier gäbe, diese Selbstbedienung etwas einzuschränken, wäre, eine höhere Qualität der zu hinterlegenden Anleihen zu verlangen und somit die Inanspruchnahme etas zu reduzieren. Was wurde aber vor ein paar Tagen gemacht? Genau das Gegenteil, die Qualitätsanforderungen für die Sicherheitshinterlegungen wurden zum wiederholten Male gesenkt. Was jetzt als Sicherheit akzeptiert wird, geht kaum über den Wert von alten Zeitungen hinaus - eine Schande. Über die Senkung der Bonitätsanforderungen an die zu hinterlegenden Anleihen wurde übrigen in der EZB abgestimmt. Deutschland war gegen eine Senkung, wurde aber massiv überstimmt. In der letzten Konsequenz heißt dies nichts anderes, als dass die bisherige "Selbstbedienung", nunmehr völlig ohne Limit weitergehen kann. Solange, bis auch der letzte Junk-Bond bei der EZB im Portfolio liegt. Dies ist eine hochgefährliche Situation, weil man auf diesem Wege die EZB endlos mit Schrott vollstopfen kann. Z.Z. sind die Target2-Konten mit ca. einer halben Billion EURO überzogen, ich denke, dass bis zum Herbst die EINE Billion erreicht ist (wenn nichts passiert). Die NL, A, FIN und Deutschland haften für diese Beträge im Verhältnis ihrer EZB-Anteile. Man wird nicht davon ausgehen können, dass die PIIGS und auch Frankreich, in der Lage sein werden, ihre Anteile einzuzahlen und diese also zusätzlich von NL, A, FIN und D übernommen werden müssen. So kann es nicht weitergehen, denn am Ende steht für Deutschland die Pleite (in 2-3 Jahren?) und möglicherweise eine Währungsreform.

  • @ Arminius

    Theoretisch haben Sie natürlich recht, es wäre ein Verstoss gegen die Verträge. Zudem ginge, zumindest nach den Statuten, die EU-Mitgliedschaft auch verloren. Aber, man muss bedenken, dass ALLES (aber wirklich alles) was derzeit passiert, massiv gegen die Verträge von Maastricht, Lisabon, das Grundgesetz und auch gegen Vereinbarungen im Rahmen der Europäischen Union verstößt. Da kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass abgeschlossene Verträge nur noch den Wert von Altpapier besitzen. M.E. wird die Rettung des EURO nicht bezahlbar sein, da hier die nicht vollzogenen, aber eigentlich dringend erforderlich gewesenenen, Abwertungen der PIIGS+F ausgeglichen werden müssten - und zwar über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren, möglicherweise mehr, da in der davorliegenden Konvergenzphase schon Ungleichgewichte akkumulierten. Die Kosten könnten in einer Höhe von 5-7 Billionen liegen. Unbezahlbar, zumal die PIIGS+F nichts dazu besteuern könnten. Und damit wäre noch nicht Schluus, da das EURO-System weiterhin Ungleichgewichte produzieren würde, welche ausgeglichen werden müssten. Deutschland (als auch NL. A, FIN) stehen vor der Wahl sofort RAUS oder in 2-3 Jahren ab in die PLEITE.

  • @ P17,
    bedenke aber dass ein Austritt aus der Währungsunion (Euro) automatisch ein Austritt aus der EU nach sich zieht.
    Ein Austritt aus der Währungsunion allein müsste von allen anderen Mitgliedern der Währungsunion genehmigt werden.
    Es ist in den Verträge kein Austritt aus der Währungsunion vorgesehen, die EU-Verträge müssten also entsprechend geändert werden wenn ein Mitglied nur aus der Währungsunion aber in der EU bleiben möchte.
    Das dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein. Außerdem es ging bestimmt nicht über Nacht.
    Auch wenn erlaubt, ob das für Deutschland von Vorteil wäre ist zu bezweifeln.

  • Zitat aus dem Artikel: "Die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Fonds an den Rettungskosten. Von Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im Herbst 2011 beschlossen, ist PSI eine der umstrittensten Maßnahmen".
    Frage dazu: Wie kommen diese zwei Finanzbanausen dazu so eine weitreichende und folgenschwere Entscheidung zu treffen?
    Solange die deutsche-französische Interessengemeinschaft "Entscheidungen" im Namen der EU treffen kann, wird nur alles noch schlimmer.
    Ein Maulkorb, wie für bestimmte Hunderassen, sollte den beiden verpasst werden.

  • Das wäre in der Tat sehr heftig - wenn es so sein sollte! Aber dann wird sich die EZB über ihren "Sieg" nicht allzu lange freuen, denn ihre Hauptaufgabe dürfte damit künftig die Staatsfinanzierueng werden; aus der sog. freien Wirtschaft werden sich dazu dann endgültig keine Deppen mehr finden lassen...

    Viel interessanter finde ich, dass GR ja immer noch kurzlaufende Geldmarktpapiere begibt, was wir denn mit denen? Die dürfte doch auf jeden Fall noch länger laufen, als die am 20.03. fällige Anleihe. Aber gut, mit Logik hat das Ganze ja schon lange Nichts mehr zu tun.

  • Leider ist es technisch fast unmöglich,Deutschland isoliert aus der Eurozone ausscheiden zu lassen. Viel wahrscheinlicher ist, dass Deutschland die Südeuropäer so lange wettbewerbstechnisch an die Wand spielt, dass am Ende alle Eurostaaten gemeinsam das Experiment Chaoswärhung beenden und wieder nationale Währungen einführen. Indem man vorher den Euro kräftig abwertet, kann man zudem nationale Altschulden tilgen - sogar für Deutschland interessant.

  • Oder ?

  • Die eigentliche Pointe des Anleihetausches wurde von privaten Anlegern noch gar nicht erkannt.
    Die unerkannte Gefahr liegt bei der Verteilung der Stimmgewichte bei den CAC-Abstimmungen.
    Denn die "alten Anleihen" im Besitz der EZB wurden nicht einfach umgestempelt. Tatsächlich wurden sie getauscht, wobei der Altbestand der Anleihen von der EZB zum griechischen Staat gewandert ist.
    Damit sitzt der Griechische Staat in einer Doppelrolle an Verhandlungstisch. Er ist Gläubiger und Schuldner zugleich.
    Zwar wurde dadurch der Saldo der Schulden nicht verändert - was sich jedoch dramatisch erhöht hat, ist das Stimmgewicht Griechenlands ( als Gläubiger ) beim Akzeptieren von Gläubigerverzichten...

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