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Griechenland Aus dem alten Athener Flughafen soll ein Kasino werden

Athen plant eines der größten Spielkasinos Europas. Es soll nicht nur Griechen anlocken, sondern auch ausländische Besucher – vor allem aus Fernost.
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Blick auf das Gelände des alten Athener Flughafens „Ellinikon“ in Athen. Griechenland braucht dringend Investitionen. Hier soll ein großes Spielkasino entstehen. Quelle: dpa
Flughafen Ellinikon

Blick auf das Gelände des alten Athener Flughafens „Ellinikon“ in Athen. Griechenland braucht dringend Investitionen. Hier soll ein großes Spielkasino entstehen.

(Foto: dpa)

AthenNoch ist es die tristeste Ecke der griechischen Hauptstadt: das Gelände des früheren Athener Flughafens Ellinikon. Seit fast 18 Jahren ist hier kein Flugzeug mehr gelandet, aber die rostigen Schilder stehen immer noch: „Domestic Arrivals“, „International Departures“. Die Terminals verfallen. Auf dem Runway sprießt Gebüsch aus den Rissen im Beton. Auf dem Vorfeld vergammelt ein Jumbo-Jet der längst liquidierten Olympic Airways.

Aber jetzt bewegt sich endlich was. Die Karten werden neu gemischt. Vergangene Woche schrieb die staatliche griechische Glücksspielkommission die Vergabe einer Spielbank-Konzession aus. Der Kasino-Komplex auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens soll als sogenanntes Integrated Casino Resort eine Spielbank mit mindestens 120 Tischen und 1200 Automaten auf einer Fläche von bis zu 15.000 Quadratmetern umfassen, ein Fünf-Sterne-Hotel mit 2000 Betten, ein Konferenzzentrum von 12.000 Quadratmetern, Luxusboutiquen und ein Show-Theater – Klein-Las Vegas in Athen.

Entsprechend hochkarätig sind die möglichen Ausschreibungsteilnehmer, die nach griechischen Medienberichten im Vorfeld Interesse bekundet haben sollen, darunter die Kasino-Konzerne Caesars Entertainment, Hard Rock International und Mohegan Gaming & Entertainment aus den USA, die Genting Group aus Malaysia und die französische Groupe Lucien Barriere.

Der Spielbank-Komplex ist eine der wirtschaftlichen Säulen des Ellinikon-Entwicklungsplans. Ein internationales Konsortium unter Führung des griechischen Immobilienkonzerns Lamda Development will rund acht Milliarden Euro in die Umgestaltung des brachliegenden Geländes stecken – aktuell das größte urbane Entwicklungsprojekt Europas.

Neben dem Konsortialführer Lamda sind an der Firmengruppe Global Investment Group der chinesische Mischkonzern Fosun International und der Immobilienentwickler Al Maabar aus Abu Dhabi beteiligt. Der Bauplatz ist ein Filetstück, wie es in Europa keine andere Metropole zu bieten hat: 620 Hektar Land, eine Fläche, drei Mal so groß wie das Fürstentum Monaco, nur zehn Kilometer entfernt vom Zentrum der Viermillionenstadt Athen, gelegen direkt an der Küste des Saronischen Golfs.

Hier wollen die Investoren neben dem Kasino-Komplex rund 8000 Wohnungen, mehrere Hotels, Einkaufszentren, Freizeit- und Sportanlagen sowie eine Marina bauen. Für den Masterplan engagierte das Konsortium renommierte Architekten wie Foster + Partners, das Londoner Ingenieurbüro Arup und den Landschaftsarchitekten Charles Anderson. Lange lagen die Pläne wegen politischer Widerstände auf Eis.

Premierminister Alexis Tsipras und sein Linksbündnis Syriza bekämpften das Projekt schon in der Opposition erbittert. Als Regierungschef musste Tsipras unter dem Druck der internationalen Gläubiger der Verpachtung des Flughafengeländes schließlich zähneknirschend zustimmen, als Bedingung für weitere Hilfskredite. Mit der Ausschreibung der Kasino-Konzession rückt der für diesen Herbst erwartete Baubeginn einen großen Schritt näher.

Bis zum 22. April sollen die Interessenten der Glücksspielkommission ihre Angebote vorlegen. Bedingung für die Teilnahme: Die Bewerber müssen für die drei zurückliegenden Geschäftsjahre ein Eigenkapital von mindestens von 200 Millionen Euro nachweisen und in diesem Zeitraum Jahresumsätze von 400 Millionen Euro oder mehr erzielt haben. Die Investitionssumme für den Komplex wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt.

Das Mindestgebot für die auf zunächst 30 Jahre befristete Konzession, die um weitere 20 Jahre verlängert werden kann, beträgt 30 Millionen Euro. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass der Staat im Jahr 2003 für die Konzession des Kasinos Mont Parnes bei Athen 120 Millionen erzielte. Seither haben sich die Zeiten allerdings geändert. Die Krise ging auch an den Kasinos nicht spurlos vorüber.

Setzten die neun griechischen Spielbanken im Vorkrisenjahr 2008 noch 3,2 Milliarden Euro um, waren es 2016 nur mehr 1,6 Milliarden. Immerhin zeichnet sich inzwischen eine Wende ab: 2017 stiegen die Umsätze der griechischen Glücksspielbranche um fast neun Prozent. Im vergangenen Jahr setzte sich der Trend nach vorläufigen Schätzungen fort. 2018 dürften die Griechen für Glücksspiele, vom Roulette-Einsatz über die Pferdewette bis zum Rubbellos und Online-Wetten, mehr als 17 Milliarden Euro ausgegeben haben.

Das entspricht in etwa dem Umsatz der Glücksspielbranche in Deutschland, das rund acht Mal so viele Einwohner und ein fast achtzehn Mal höheres Bruttoinlandsprodukt hat. Die Griechen gelten weltweit als besonders begeisterte Zocker. Schon in der Antike huldigten sie mit Würfelspielen und Pferdewetten der Glücksgöttin Tyche. Aber das geplante Kasino in Ellinikon setzt nicht allein auf den Zustrom Einheimischer, sondern auf Spieler aus dem arabischen Raum und Israel.

Der künftige Kasino-Betreiber könnte auch von den guten Beziehungen zwischen Griechenland und China profitieren. Chinesische Konzerne investieren kräftig in Griechenland. Fosun ist nicht nur an dem Ellinikon-Konsortium beteiligt. Der Konzern, zu dessen Portfolio das Unternehmen Club Med und eine Beteiligung am Reiseveranstalter Thomas Cook gehören, will auch mehr chinesische Touristen nach Griechenland bringen.

2018 begrüßten die Griechen knapp 102.000 Gäste aus dem Reich der Mitte. Dank einer neuen Flugverbindung zwischen Peking und Athen dürfte die Zahl in diesem Jahr weiter steigen. Tourismusministerin Elena Kountoura erwartet, dass Griechenland schon in zwei Jahren mehr als eine halbe Million chinesische Touristen anziehen wird.

Das wäre eine gute Nachricht für den Betreiber des geplanten Kasinos. Denn keine Nation gilt als so glücksspielaffin wie die Chinesen.

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