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Griechenland Ein Land in Auflösung

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Die kommende Wahl ist ein Europa-Referendum

Gikas Hardouvelis war wirtschaftspolitischer Berater von Papademos, de facto sein Stabschef. Beide waren Wirtschaftsprofessoren an der New Yorker Columbia University. Sie bildeten zwar nur eine Not- oder Übergangsregierung, aber sie handelten immerhin das zweite Hilfsprogramm mit der EU aus, ebenso wie den Schuldenschnitt. Ihre Arbeit war vorzeigbar, und es gehört zu den Seltsamkeiten der griechischen Politik, dass keiner der mächtigen Parteiführer daran anknüpfen mochte. Stattdessen bestanden sie auf Wahlen – und glaubten, mit den bewährten Versprechungen und Halbwahrheiten siegen zu können.

„Der Wahlausgang hat mich vollkommen überrascht“, gibt Hardouvelis zu. „Ich dachte, die Griechen hätten ihre Lage verstanden.“ Er beklagt den Unwillen der Politiker, für Veränderungen zu werben, die unvermeidlich sind, unter welcher Regierung auch immer, mit oder ohne Euro. Alle Parteien präsentierten im Wahlkampf ein weichgezeichnetes Bild, Samaras warb sogar mit dem Slogan „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“. Kurz vor der Wahl verlor Hardouvelis während eines Radiointerviews die Contenance. Er beschwor die Griechen, »endlich aufzuwachen!“. Eine Rettung des Landes gemeinsam mit der Troika sei immer noch möglich, glaubt er. Einem Teil der Beamtenschaft traut er zu, die Strukturreformen umzusetzen. Hardouvelis hätte in den kommenden drei Wochen Wirtschaftsminister sein können, aber er hörte auf seine Frau und lehnte ab. Nach dem Gespräch räumt ein livrierter Diener die Tassen ab.

Der Augenblick der Wahrheit ereignete sich vor zehn Tagen, als Staatspräsident Karolos Papoulias den koalitionsunfähigen Parteiführern öffentlich die Leviten las und an die wirkliche, die verzweifelte Lage des Landes erinnerte. Die Protokolle der desaströsen Übungen, unter allen Umständen keine Regierung zu formen, sind inzwischen zugänglich. In ihnen entzaubert sich auch der Wahlsieger Alexis Tsipras als kleinkarierter Amateur. Das Maß an Transparenz hat sich erhöht. Die Debatte erreicht die Zeitungen, sie brodelt in den Sozialen Netzwerken. Niemand kann mehr behaupten, er sei belogen worden und wisse von nichts. „Die kommende Wahl ist das eigentliche Europa-Referendum der Griechen“, meint Maria Pilos, die noch im Staatsdienst stehende Juristin.

Es gibt die Vernunftliberalen, die auf die Sanierung ihres Landes setzen, und es gibt jene, die mit der Syriza-Linken auf ein Vorwärts in die Vergangenheit spekulieren. Die Mehrheit der Griechen aber verharrt zwischen Unentschiedenheit und Furcht. Was soll für die Wahlentscheidung maßgeblich sein? Wut? Politisches Lagerdenken? Patriotismus? Was erhofft oder befürchtet man in den kommenden Jahren für sich selbst? „Die heute 40- oder 50-Jährigen müssten das Land neu aufbauen“, sagt Maria Pilos. Ob sie selbst sich beteiligen will, ist eine andere Frage. „Wenn ich noch etwas erreichen will im Leben, sollte ich es möglicherweise in Oxford oder New York tun.“

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17 Kommentare zu "Griechenland: Ein Land in Auflösung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da sieht man es wieder, das Dilemma der Griechen. Sie denken immer noch, das gut wirtschaften privat konsumieren heisst.
    Sparen sollen die Griechen bei den Staatsausgaben, das sind nun mal bei so wahnsinnig vielen Beamten auch deren Löhne. Tun Sie doch nicht so, als hätten Sie das nicht verstanden.

  • Und kein Kommentar zu den 2.000 reichen Griechen???

  • Langweilig.

    Diese Entwicklung ist seit Jahren klar gewesen, ok natürlicht den Qualitätsmedien sondern den ach-so-kruden Untergangshysterikern.

  • Fotos von Bettlern besagen gar nichts.

  • wie bitte?ich verstehe die deutschen nicht!erst sollen wir massive sparen und dann wundern sie sich wenn nicht mehr konsummiert wird und die wirtschaft nicht anspringt! was denn nun????

  • Hier eine chronologische Nachzeichnung aller relevanter Entwicklungen in den letzten Monaten
    http://fortunanetz-forum.xobor.de/t2f2-Austritt-Griechenlands-aus-dem-Euro.html

  • ND, PASOK, KK und nicht zu vergessen die orthodoxe Kirche, der alle Parteien recht waren - es macht keinen Unterschied Wer das Problem über Jahrzehnte verursacht hat, wird es auch nicht lösen. Zu stark sind die Bindungen - Seilschaften zwischen der Politelite in Athen und Brüssel. Wenn Griechenland aus dem EURO geht, wäre die nächste Option sich nach Russland zu orientieren. Das Risiko will USA, Deutschland, Frankreich und England sicher nicht eingehen. Um nicht die Interessen Israels nicht zu vergessen. Irgendwie wird man versuchen gerade Griechenland aus geostrategischen Gründen an der finanziellen Leine zu halten. Ich glaube für Russland und China wäre 'Griechenland' locker zu stämmen und allein Geostrategisch von höchsten Interesse.

  • Texteinschub: Ist ein Euro-Austritt Griechenlands möglich?
    Anstieg von Altschulden

    Zitat: „Bei Einführung einer neuen Währung wäre besonders schwerwiegend, dass für Griechenland die in Euro aufgenommenen Altschulden infolge der Abwertungseffekte drastisch steigen würden.“

    Hier wird suggeriert, die Griechen würden auf jeden Fall ihre Verbindlichkeiten in € belassen und nicht in Drachmen umstellen.
    Stellen die Griechen aber die Verbindlichkeiten um, so stünden sie folglich keinesfalls vor einem Berg nicht zu bewältigender Schulden.
    Deswegen stimmt das Schreckenscenario auch nicht.
    Vielmehr würden die ausl. Banken und Versicherungen, die meist die Gläubiger Griechenlands sind, einen großen Teil (50%?) ihrer Gelder verlieren. Darum und NUR darum geht es. Hier soll den Griechen Angst vor der für sie günstigeren Drachme gemacht werden, damit die Banken kein Geld verlieren. Denn wenn GR im € bliebe, würde ja auch das Geld der europäischen Steuerzahler weiter fließen. Wenn aber nicht, fließt auch kein Geld mehr und die Gläubiger bleiben womöglich auf einem Teil der Schulden sitzen.

  • Zitat: Petros Sfikakis bringt es auf den Punkt: „Ich hoffe jetzt, dass die Nea Dimokratia die stärkste Partei wird. Und das ist für einen Linken eine wirklich schmerzhafte Aussage.“
    Das ist überhaupt keine schmerzhafte Aussage, Herr Sfikakis. Denn wenn man bedenkt, dass Sie mit der angeblich linken, angeblich sozialdemokratischen PASOK jahrelang einen guten Schnitt gemacht haben und vermutlich wie die allermeisten Ihrer Kollegen auch keine/kaum Steuern gezahlt haben, dann ist für Sie die ND tatsächlich die einzige Alternative.
    Denn es ist Ihre Schicht, die etwas zu verlieren hat. Vom Marktbeschicker verlangt man Quittungen, vom Kafeneoninhaber ebenfalls. Auch vom Kleinsthöker wird es erwartet. Rechtsanwälte und/oder Notare jedoch drücken sich davor. Vor meiner Nase liegen jede Menge Jachten, die allesamt notleidenden Ärzten und Rechtsanwälten gehören, die dem Finanzamt Einkommen von unter 15.000,-€ melden. Wer so etwas ermöglicht (wie z.B. die PASOK), sollte sich weder links noch sozialdemokratisch nennen dürfen.

  • der euro muss weg. griechenland muss abwerten, und wohl auch italien, spanien, portugal. das ist fuer alle beteiligten das beste. die ewige transfererei bringt nix

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