Griechenland Ein Finanzminister, der Daten fälscht

Griechenlands Ex-Finanzminister Papakonstantinou soll die Daten einer Steuer-CD geändert haben, um Verwandte zu schützen? Ein Untersuchungsausschuss soll die Vorwürfe nun aufklären.
Update: 01.02.2013 - 11:30 Uhr 21 Kommentare
Griechenlands Ex-Finanzminister Papakonstantinou steht unter Korruptionsverdacht. Quelle: dpa

Griechenlands Ex-Finanzminister Papakonstantinou steht unter Korruptionsverdacht.

(Foto: dpa)

AthenDa hat man im Athener Finanzministerium eine CD mit den Namen von rund 2.000 Griechen mit Bankkonten in der Schweiz – und dann ist die Datensammlung plötzlich verschwunden. Zwei Jahre später taucht sie unvermittelt wieder auf. Aber nun fehlen drei Namen auf der Liste. Der sozialistische Ex-Finanzminister Giorgos Papakonstantinou kommt in Erklärungsnot. Denn die offenbar in seiner Amtszeit gelöschten drei Datensätze betreffen Verwandte des früheren Ministers. Die Enthüllung löste in Athen einen politischen Sturm aus.

Ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlamentes soll nun prüfen, ob seine Immunität wegen eines Steuersünder-Skandals aufgehoben werden soll. Dies beschloss mit einer klaren Mehrheit das griechische Parlament am frühen Freitagmorgen. Für den Untersuchungsausschuss gegen Papakonstantinou votierten 265 Abgeordnete. Damit wurde die nötige Zahl von 151 Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament bei weitem übertroffen, teilte das Parlamentspräsidium mit. Die Debatte und das Votum verlief stürmisch und dauerte fast 16 Stunden lang.

Der frühere griechische Finanzminister George Papakonstantinou: War er es, der die drei Namen von der Lagarde-Liste verschwinden ließ? Quelle: dpa

Der frühere griechische Finanzminister George Papakonstantinou: War er es, der die drei Namen von der Lagarde-Liste verschwinden ließ?

(Foto: dpa)

Die ganze Geschichte beginnt im Oktober 2010. Damals ließ Christine Lagarde, seinerzeit französische Finanzministerin, ihrem griechischen Amtskollegen Giorgos Papakonstantinou eine Datensammlung mit den Namen von über 2.000 Griechinnen und Griechen zukommen, die Konten bei der Genfer Niederlassung der Großbank HSBC unterhielten. Die Franzosen hatten das Material im August 2009 einem früheren HSBC-Mitarbeiter abgekauft, der seither einen vergoldeten Vorruhestand in Südfrankreich genießen soll.

Für die griechischen Steuerfahnder müssten die Daten eigentlich ein Geschenk gewesen sein. Fast 40 Milliarden Euro haben Griechen in der Schweiz gebunkert. Der Verdacht liegt nahe, dass nicht alle Gelder ehrlich verdient und ordentlich versteuert wurden. Aber die Merkwürdigkeiten beginnen schon ganz zu Anfang: Niemand im griechischen Finanzministerium protokolliert den Eingang der brisanten Daten.

Die CD verschwindet offenbar in der Schreibtischschublade des Ministers Papakonstantinou. Er habe die Daten auf seinem Computer gesichtet, sich die Namen der 20 Kontoinhaber mit den größten Guthaben notiert und den damaligen Chef der Steuerfahndung, Giannis Kapeleris, angewiesen, die Fälle zu überprüfen, sagte Papakonstantinou hernach. Tatsächlich habe man dann in einigen Fällen Unregelmäßigkeiten in den Steuererklärungen der Betroffenen festgestellt, so der Minister.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2012

in Mrd. Euro


Dann verliert sich die Spur der Daten. Er habe den Datenträger einem Mitarbeiter des Ministeriums „zur Aufbewahrung“ gegeben, erklärt Papakonstantinou – wem, weiß er nicht mehr. Im Sommer 2011 scheint die Datensammlung kurz wieder aufgetaucht zu sein. Damals wurde Papakonstantinou als Finanzminister von Evangelos Venizelos abgelöst. Venizelos habe mit dem damaligen Chef der Steuerfahndung, Ioannis Diotis, beratschlagt, was man mit den Daten anstellen könne, heißt es. Diotis, ein ehemaliger Staatsanwalt, soll dem Minister erklärt haben, eine strafrechtliche Auswertung sei nicht möglich, da die Daten geklaut seien. Venizelos, selbst Jurist, sei zu der gleichen Meinung gekommen. Dann verschwindet der Datenträger offenbar wieder.

Schlamperei oder Absicht?
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21 Kommentare zu "Griechenland: Ein Finanzminister, der Daten fälscht"

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  • Sie wirken vielleicht unintelligent, sind es aber ganz und gar nicht!
    Die politische Klasse ist weltweit aus dem gleichen Holz geschnitzt! Sie gehen in die Politik, wohlwissend, dass sie sonst der Sozialhilfe anheim fallen, oder irgendwo einen unterbezahlten Job als Nachtwaechter am Suedtor bekommen, mehr ist da mit ihrer Qualifikation nicht zu machen!
    Die andere Seite der Medailie ist, dass das gemeine Volk so bloed ist, auf die Parolen reinzufallen, die sie von sich geben und nicht mal bereit ist, sie von ihren Troegen zu jagen, die sie mit harter Arbeit taeglich neu fuellen! Ja nicht mal bereit ist, die Troege einfach nicht mehr zu fuellen mit Steuerembargos, Steuerboykott und sonstigen finanziellen Massnamen!
    Sehr leicht waere ein Treuhandkonto zu organisieren, auf welches die faelligen Steuern einbezahlt werden und durch ein objektives Eignergremium nur soweit freigegeben werden, wie der Nachweis einer snnvollen Verwendung erbracht wird!
    Wo ist der ehemalige Erfindungsreichtum des deutschen Volkes verblieben, fragt man sich? Ja,stimmt, wenn man durch die Strassen laueft, glaubt man zwischenzeitlich nicht mehr in Deutschland zu sein, nicht mal mehr die Sprache kann man verstehen, wenn man laengere Zeit nicht mehr dort war! Multikulti im Extrem, das wollte die politische Kaste, um das geistige Niveau der Massen weiter auf das Niveau der Politiker zu reduzieren und das ist vortrefflich gelungen, bravo!

  • @Revisor: ... uUnd um die korrupten Verbrecherpolitiker hier in Deutschland, die diese kriminellen Plünderer unterstützen!

    @cashca hat doch recht: Die Polit-Verbrecher in Griechenland können nur weitermachen, weil die Politverbrecher in Berlin und Brüssel sie decken und mit Transferzahlungen aus unseren ehrlich bezahlten Steuergeldern unterstützen. Die sind damit auch nicht besser als die Betrüger in Griechenland.

    Der Gipfel der Absurdität kommt erst noch: Wenn Frau Merkel in Zypern - natürlich "alternativlos" - die organisierte Kriminalität rettet. Damit macht sich unsere Regierung endgültig gemein mit Verbrechern. Aber die schrecken ohnehin vor nichts mehr zurück. Merkel kennt keine Skrupel, wenn es um ihre Wiederwahl geht. Und der deutsche Michel fällt wie immer auch auf die allerdümmsten Sprüche herein. Es ist Alles nur noch zum k....

  • Simplifizierungen und Verallgemeinerungen dieser Art wirken unintelligent.
    Hier geht es um das korrupte und marode Griechenland !!

  • Griechenland tanzt weiter, nicht den Sirtaki, sondern den Tango corrupti! Aber, wer hat denn etwas anderes erwartet? Es gehört allerdings schon etwas Chuzpe dazu, wenn der Mann Listen von griechischen Steuerhinterziehern frisiert, der vor kurzem noch Finanzminister war und in Brüssel und Berlin Geld abgeholt hat.

  • Der Euro steht für Lügen, Betrügen, Tricksen, Korruption, Moral Hasard, Verträge brechen, Wohlstandsumverteilung von unten nach oben und von Nord nach Süd, Schützen der Privatvermögen der Reichen, Sozialisieren der privaten Schulden, Abbau der Demokratie und des Rechtsstaates. Der Euro steht für Juncker, Waigel, Kohl, Schmidt, Merkle, Schäuble, Trichet, Draghi und die anderen vergreisten, ewig gestrigen, machtbesessenen Eurofanatiker, die - wie der Euro - ins letzte Jahrhundert gehören.

  • Wieder so eine unsägliche Neiddiskussion. Gönnt hier etwa jemand den griechischen Spitzenverdienern ihren Wohlstand nicht?
    Und wieso überhaupt die ganze Aufregung? Eine laxe Steuerprüfung ist doch die beste Wirtschaftsförderung. Griechenland ist de facto ein Niedrigsteuerland. Wenn die Leistungsträger zurückhaltend besteuert werden, dann fördert das Investitionen, schafft Arbeitsplätze und führt doch zu allgemeinem Wohlstand. Hat man uns jedenfalls die letzten Jahre genau so erzählt.
    Wird doch auch hier nicht viel anders praktiziert. Denken wir an den Fall des Querulanten Mollath, der, doch sicherlich zurecht, in die Psychiatrie eingewiesen werden musste, weil seine paranoiden Wahnvorstellungen dem finanziellen Wohlergehen betuchter Leistungsträger hätte Schaden zufügen können. Oder die vier hessischen Steuerfahnder, die zwangspensioniert wurden mussten, nachdem ihnen ein psychiatrisches Gutachten „Paranoia“ bescheinigt hatte. Sie hatten sich nicht an die Weisung gehalten, einflussreiche, steueroptimierende, Kunden unserer hochgeschätzten Commerzbank, zu schonen.

  • Auch in diesem Musterland soll es schon Politiker gegeben haben, die ein angebliches Ehrenwort über ihren Amtseid stellten und sich nicht an Geldgeber erinnern konnten, auch sollen Spitzenpolitiker mit Bimbeskoffern duch die Lande gezogen sein und konnten sich ebenso wenig erinnern, von wem das Geld stammte, die aber jetzt einen Überblick über die Staatsfinanzen Deutschlands und Europa haben wollen. Ich erinnere mich auch an einen Leuna-Skandal.

    Langer Rede kurzer Sinn: in Griechenland läuft der Beschiss halt durchsichtiger weil plumper und klischeehafter ab, ansonsten gibts aber genug vor der eigenen Haustüre Unaufgearbeitetes zu kehren. Wer weiss welche Namen auf Listen auch außerhalb des NSU-Skandals irgendwelchen Schreddern zum Opfer gefallen sind und warum man sich bei bestimmten Parteien auch hierzulande weigert, Steuer-CD-S zu kaufen?

  • der Herr Papakonstantinou sollte auch mal lieber genauer überprüft werden. Ist ja wie im Mittelalter.

  • Ja seht her - unser tolles Europa. Schauen Sie es sich an Herr Schäuble. Sie überweisen unser schwer und im Schweiße unseres Angesichts verdientes Steuergeld nach Griechenland. Viele hier im Niedriglohnsektor wissen nicht wie Sie über die Runden kommen sollen. Herr Schäuble überweist brav unser Geld nach Griechenland, nun ist schon das 3. Rettungspaket auf den Weg gebracht worden. Und alle im Bundestag stimmen froh und fast einstimmig für die Hilfen. Reeder (oft Milliärdäre) zahlen überhaupt keine Steuern, viele Mllionäre auch nicht. Die Politiker in Griechenland unternehmen nichts dagegen, nein sie helfen auch noch den Supereichen oder sich selbst !! Warum sollten Sie Steuern eintreiben. Sind sie doch mit den Superreichen auf das Engste verstrickt.
    Bevor man in Griechenland anstalten macht Steuern einzutreiben ruft mam lieber laut um Hilfe. Warum sollen auch Millirdäre in Griechenland Steueren zahlen, wenn das doch der Deutsche im Niedriglohnsektor übernimmt.

    Und das deutsche Dummvolk wählt weiter CDU, SPD, FDP Und Güne. Die werden zusammen bei der Bundestagswahl wieder mehr als 80 % der Stimmen bekommen !! Hoffentlich nagt der deutsche Michel bald am Hungertuch !!

  • Einfach herrlich! Viele Hundert Miliarden für ein Land, indem auf allen Ebenen getrickst und beschissen wird. Was Rolli wohl dazu zu sagen hat? GR ist auf einem guten Weg?

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