Griechenland-Folgen „In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“

Was ist der Wahlsieg der Euro-Befürworter in Griechenland wert? Die Euphorie an den Märkten ist bereits verpufft. Die EU-Partner setzen aber große Hoffnung in eine neue Regierung in Athen. Zurecht?
Update: 18.06.2012 - 20:22 Uhr 19 Kommentare
Eine griechische Euromünze. Quelle: dpa

Eine griechische Euromünze.

(Foto: dpa)

BerlinWas nun Griechenland? Nach dem Wahlerfolg der pro-europäischen Kräfte in Griechenland muss die Regierung in Athen die eingeleiteten Reformen nach dem Willen der Europäischen Union rasch umsetzen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Der voraussichtliche neue Regierungschef Antonis Samaras will die Reformschraube lockern. Es müsse Anpassungen an dem Hilfsprogramm geben, um das Volk von der quälend hohen Arbeitslosigkeit und anderen Härten zu entlasten, erklärte der Vorsitzende der konservativen Partei Neue Demokratie am Montag in Athen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Forderung nach Aufweichungen zurück, verwies aber auf eine mögliche Teilhabe des Landes an Impulsen aus dem geplanten europäischen Wachstumsprogramm. Anders als Merkel zeigte sich Außenminister Guido Westerwelle gesprächsbereit. Zwar sei die Substanz der Reformen nicht verhandelbar. Im Deutschlandfunk fügte er aber hinzu: „Wir sind bereit, darüber zu reden, was den Zeitplan angeht, denn die verlorenen Wochen, die kann man nicht ignorieren, und wir wollen ja nicht, dass die Menschen darunter leiden, die jetzt auch natürlich ein ganz schwieriges Leben haben, weil viele Reformen in der Vergangenheit unterlassen worden sind.“

Westerwelles Vorstoß ist nicht unumstritten. Der Fondsmanager und Wirtschaftsprofessor Max Otte reagierte allerdings wenig überrascht, zumal er nicht davon ausgegangen war, dass die Griechen sich an der Wahlurne gegen den Euro entscheiden würden. Zudem sei er sich gewesen, dass die europäische Politelite Griechenland „auf jeden Fall“ in der Euro-Zone werde wollen, selbst wenn die Kommunisten die Nase vorn gehabt hätten. „Jedes kleinste Zugeständnis seitens der Griechen wird genutzt werden, um weitere Mittel zu mobilisieren“, sagte Otte Handelsblatt Online. Nun werde das Festhalten am Euro leichter. „Herr Westerwelle liegt damit genau in meinem Prognosekorridor. Sein Verhalten war absolut absehbar.“

Auf komplettes Unverständnis stößt Westerwelle mit seinem Vorstoß beim Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Die Staatengemeinschaft ist Griechenland bereits weit entgegen gekommen, sie hat sogar ein zweites Hilfspaket geschnürt, obwohl sich Griechenland nicht an die Auflagen des ersten Pakets gehalten hat“, gab Krämer im Gespräch mit Handelsblatt Online zu bedenken. „Um den Rest ihrer Glaubwürdigkeit zu erhalten, sollte die Staatengemeinschaft keine weiteren Konzessionen machen.“ Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro würde überdies die Existenz der Währungsunion wohl nicht gefährden.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bekräftigte am Montagabend seine Forderung, das Griechenland verordnete Reformprogramm zeitlich zu strecken. Man müsse sich „darüber unterhalten können, ob wir Griechenland nicht einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen können, um dieses Anpassungsprogramm, das substanziell und inhaltlich nicht verändert werden kann, zum Erfolg zu führen“, sagte er im ZDF.

Konservative wollen Härten abfedern
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19 Kommentare zu "Griechenland-Folgen: „In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“"

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  • Das dauert nicht mehr bis zum Ende des Jahrzehnts, der Supergau kommt früher

  • Herr Otte hat völlig Recht.
    Aber wo nur Dilettanten in der Politik sind, kann man nicht werwarten, dass diese auf Fachletue hören.
    Unsere Politiker umgeben sich leiber mit willfährigen selbsternannten "Experten"

  • „In drei Jahren könnte uns der Euro um die Ohren fliegen“

    Warum erst in drei Jahren? Er fliegt doch jetzt schon.
    Ja, viele der Zeitgenossen in Vollnarkose merken"s vielleicht erst in drei Jahren, falls sie dann gerade aus ihren Träumen erwachen.

  • zu Oldi,

    perfekte Analyse, da gibt es nichts mehr hinzuzufügen!
    gez.walterwerner.artists.de

  • @MartinH
    Zu1. Das hat nicht den gleichen Effekt, weil die Wirtschaftskraft nicht gestärkt, sondern ehr geschwächt hervorgeht. Sie verändern damit nicht die vorhandene Situation. Wird je zur Zeit versucht. Selbst ein 100%iger Schuldenschnitt reicht nicht, weil sie ohne Schulden machen nicht lebensfähig sind.

    Zu2. Durch das Anwerfen der Geldpresse wird der Euro gegen die meisten Währungen abgewertet. Sollte eigentlich klar sein. Und was Parteien äußern hat oft wenig mit wirtschaftlichen, als mit politischen Belangen zu tun.

    Wilhelm Nölling - Auswirkungen der Euro-Währungsunion
    http://www.youtube.com/watch?v=FqoJzcb6dxM

    Zu3. Gebe ich ihnen recht.

    Zu4. Der Euro hat seinen erheblichen Anteil Schuld an der Krise, weil die Stärke einer Währung im engen Zusammenhang mit seiner Wirtschaftskraft steht. Die Länder müssen auf- und abwerten können. Deshalb wird sich Griechenland, unter dem Euro, vermutlich nie erholen.

  • Bei manchen Kommentaren hier, habe ich starke zweifel ob die nur auf bestimmte medien hören und alles nach plappern.

    1. Behauptung Griechenland muss raus damit sie abwerten können! Alternative: 100% Schuldenschnitt und die Löhne und Gehälter werden gekürzt. Hat genau den gleichen effekt!
    2. Behauptung der Euro wird schwach! Gegen was wird der Euro schwach?! Klopappier,Gold oder US-Dollar?
    Das mit der Schwäche (gegen über den Dollar) des Euros ist sowieso das dümmste agument von allen.
    Die jeweilige Partei kann sich das agument immer so hin drehen das es postiv bzw. negativ ist.
    Euro stark -> negtiv agument: produzierte Produkte werden zuteuer für ausland ->posit agument: Einfuhren wie öl werden billiger.
    Euro schwach -> negativ agument: Einfuhren werden teurer
    postiv agument produzierte Produke werden günstiger für ausland.

    3. Grichenland muss viel stärker die Koruption bekämpfen und die EU sollte auch druck darauf machen. Denn nur durch eine sichheit von der Einhaltung von Gesetzen kann die Wirtschaft überhaupt vernüpftig arbeiten.

    4. Der Euro soll schuld an der Krise haben, ist auch ein totschlag agument bzw. es liegt an der mentalität des jeweiligen Landes. Es liegt einzig und alleine an den Politikern und der Bevölkerung die die wählen.
    An der Griechenlandwahl hat man auch eindeutig gesehen, die wollen sich garnicht ändern bzw. beschuldigen andere das die schuld sind.

    5. Es sind immer die Menschen die schuld sind und nicht irgendwelche matrielen Dinge (z.B. Euro) oder gar Gott/Teufel!

  • So wie ich die Eurokraten kenne werden diese bis zum Ende des Jahrzehnts am Euro festhalten.

    Sie werden Geld drucken, Kunjunkturpakete auflegen, weiter Geld drucken. Die Staaten werden sich ohne Ende bedienen. Gegenseitige Schultenschnitte vereinbaren und dank Inflation ihre Schulden gegen Null gefahren haben.

    Danach wird man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und jeder darf seine neue Währung einführung, zumal der Euro, außer in den Euroländern, nicht mehr handelbar ist.

  • Wer das Gebahren der griechischen Politiker wirklich kennt, der konnte schon im März 2010 mit Gewissheit sagen, dass GR niemals einen Hauch von einer Chance hat dem ganzen Schlammassel zu entkommen. Nie!!! Man hätte schon vor 2 Jahren auf sämtliche Forderungen GR verzichte müssen und GR aus dem Euro entlassen. Das wäre die billigste Lösung aller Zeiten gewesen. Stattdessen kommen jetzt wieder die gleichen Wendehälse an die Macht, die über Generationen dieses korrupte System eingerichtet haben. In GR wird sich nichts, aber gar nichts zum besseren wenden, es wird nur noch schlimmer! Die Europapolitiker aller Länder sind Schuld an dieser andauernden Insolvenzverschleppung - und sie tun das auf Kosten der Steuerzahler, was ihnen nie weh tun wird! - Und wir sind so blöd und lassen sie gewähren!! - Wie lange noch???

  • das haben Sie sehr gut gesagt

  • in drei Jahren? Ach du liebes Gottchen. Zu dieser Aussage müsste er in der Lage sein, zu benennen, um wieviel sich unsere Schuld in den letzten 2 Jahren erhöht hat mit ständig wachsender Geschwindigkeit. Ist er das?
    Das einzige, was mich ärgert ist, diesen Westerwelle gewählt zu haben. Bevor nicht ein Politiker sichtbar ist, der irgend etwas mit Hand und Fuß von sich gibt, wähle ich nicht mehr. Das ist ja einfach nur peinlich. Die ganze Welt lacht doch über uns.

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