Griechenland „Griechen haben ihre Lage nicht begriffen"

Heute wäre eine 300-Millionen-Zahlung an den Internationalen Währungsfonds fällig. Doch Griechenland will mehr Zeit für Verhandlungen – und bekommt sie auch. Unions-Politiker können das gar nicht fassen.
Update: 05.06.2015 - 11:06 Uhr 52 Kommentare

Stimmen aus Athen: „Geldgeber wollen uns zerstören“

Athen/BerlinKurz vor Ablauf der Rückzahlungsfrist für einen Millionenkredit hat Griechenland die Notbremse gezogen. Athen bat den Internationalen Währungsfonds am Donnerstag, die am Freitag fälligen 300 Millionen Euro erst am 30. Juni zurückzahlen zu müssen – zusammen mit den übrigen drei in diesem Monat anstehenden Raten. Das sind insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Mittlerweile hat der IWF der Regierung in Athen den Aufschub gewährt.

Es war das erste Mal in der seit fünf Jahren andauernden Schuldenkrise, dass die Regierung in Athen die Rückzahlung einer fälligen Tranche an seine Euro-Partner oder den IWF verschiebt. Zuvor hatte sich Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Gläubigern nicht über die Bedingungen für die Auszahlung 7,2 Milliarden Euro Hilfsgeldern einigen können.

Deshalb forderte Tsipras die internationalen Geldgeber zu Nachbesserungen an ihren Vorschlägen für eine Lösung des Schuldenstreits auf. Am Freitag will er das Parlament in Athen über den Verhandlungsstand unterrichten. Doch die Unruhe vor allem im linken Flügel seiner Syriza-Partei wächst. Die ersten sprechen offen davon, die Zahlungen zu verweigern und neue Parlamentswahlen anzusetzen.

In Deutschland stößt der IWF-Deal mit Athen auf scharfe Kritik. "Warum der IWF diese Milde an den Tag legt, erschließt sich mir nicht", sagte der stellvertretende Chef der Unionsfraktion, Michael Fuchs, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Diese Entscheidung halte ich nicht für klug. Mit welcher Begründung will man einem anderen Land einen solchen Zahlungsaufschub nun nicht gewähren.?" Der CDU-Politiker ergänzte: "Ich glaube nicht, dass die Stundung für die Griechen etwas nutzt. Die Griechen haben bis heute nicht begriffen, wie ihre Lage ist."

Der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand der Unions-Bundestagsfraktion (PKM), Christian von Stetten, geht noch weiter. Er fordert ein Ende der Griechenland-Hilfen und ein Ausscheiden des Mittelmeer-Anrainers aus dem gemeinsamen Währungsraum . „Die europäischen Regierungen müssen sich ehrlich machen: Das Experiment mit den reformunwilligen Griechen im Euro-Raum ist gescheitert und muss beendet werden“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro oder die Einführung einer Zweitwährung bürge natürlich auch Risiken, „aber es würde dem Euro und seinen Vertragsstaaten die Glaubwürdigkeit und Würde zurückgeben. Es würde deutlich machen, dass sich in Zukunft wieder alle Euro-Staaten an die vereinbarten Regeln halten müssen“.

Athen lässt Geldgeber zappeln
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52 Kommentare zu "Griechenland: „Griechen haben ihre Lage nicht begriffen""

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  • Fakelaki ist tot. Das ist gut so.

  • Warum Frau Buschmann? Weil der Euro so wirkt.

    http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/merkels-europapolitik-versailles-ohne-krieg/3643258.html

    Durch den Euro ist gewährleistet, dass Deutschland aus seiner Nettozahlerposition nie rauskommt. Denn es ist durch die diversen Forderungen aus Target, den rettungspaketen usw. erpressbar. Und weil man sich erpressen lässt, hat man schon verloren.

  • Das ist wieder nur fast richtig. Griechenland lebt seit langem über seine Verhältnisse (Olympia, 5000 Panzer, viel zu viele Staatsdiener, hohe, früh gezahlten Renten, auch für bereits Verstorbene etc.).
    Die Differenz von Einnahmen und Ausgaben wird über Schuldenaufnahme ausgeglichen. Staatsschulden sind in alles Regel Staatsanleihen, die an Banken und Privatleuten ausgegeben werden, in der Hoffnung auf Zinsen und Rückzahlung.
    Nachdem GR nicht mehr in der Lage war, diese Schulden zu bedienen, wurde dies von den Gläubigerländern abgesichert. Logisch waren das dann auch die Banken die hier vom Risiko des Verlustes entlastet wurden....der feststehende Bankrott wurde ab diesem Zeitpunkt künstlich verschleppt!
    Der Fehler war aber tatsächlich, dass dies zum damaligen Zeitpunkt nicht geschehen durfte....so wurde der Eindruck manifestiert, dass GR um jeden Preis im Euro gehalten wird. Die derzeitige Regierung baut einzig und alleine nur noch darauf....aber um Sparen, Steuereintreiben, Marktliberalisieren kommt GR nach jahrelanger Misswirtschaft einfach nicht herum....das fordern die Institutionen vollkommen zurecht, weil es anders gar nicht geht. Es sei denn, sie sind für die dauerhafte Alimentierung von GR mittels Transferunion. Aber dann werden die nächsten folgen, die das genauso verlangen werden.....
    Der Euro ist das Kern-Problem!!! und sollte deswegen baldmöglichst verschwinden....

  • warum zum Teufel erinnert mich der Euro ständig an den Versailler Vertrag???

    vielleicht weil es in beiden Fällen nur darum ging Deutschland als Wirtschaftsmacht zu zerstören??

  • Ich verstehe Ihre Empörung. Aber folgender Hinweis: Die Medien sind Nachrichten- und Meinungsübermittler. Die Souverän ist das Vold, also auch Sie. Sie müssen selbst entscheiden und tätig werden, wenn Sie merken, dass Politik in die falsche Richtung läuft - nicht nur beim Wählen, sondern auch demonstrieren, an Abgeordnete schreiben, sich einer politischen Organisation anschließen. Jeder muss sein Teil des Gewichts in die Waagschale werfen.

  • Die Haltung von Herrn Fuchs ist zynisch. Seit 2010 haben die Eurostaaten unter maßgeblicher Mitwirkung der Bundesregierung mit der Sparpolitik Griechenland erst richtig ruiniert. Mangels Einsicht über das Scheitern soll das weitergeführt werden. Urfehler war, das sich unsere Regierenden von der Bankenkamarilla überzeugen haben lassen, die Banken vom Risiko für Griechenland freizukaufen und dann die Griechen die Schulden abarbeiten zu lassen. Wir werden dafür zahlen - aber da sind nicht die Griechen schuld, sondern die Politik von Leuten wie Herrn Fuchs. Sie sind es, die nicht begriffen haben und es auch nicht begreifen wollen, auf was für eine Politik sie sich da eingelassen haben. Über die Zeit ergibt das einen Billionenschaden für Deutsche, Griechen und alle Europäer. Nur die Banken und Finanzmarktteilnehmer sind fein raus.

  • @Wutbürger
    Die deutsche Politik ist wohl derzeit eher dabei, den "Kaufman-Plan" von Theodore Newman Kaufman umzusetzen.....Amtseid, was ist das? Zur Lösung der europäischen Schulden-und-Euronen-Krise sollte man die BRD umbenennen in das was es offensichtlich ist: in ein gesamtvölkischens deutsches Zwangsarbeiterlager, dessen Wertschöpfung ganz nach Fischers Vorstellungen in alle Welt umgeleitet wird. Schon ist die Welt gerettet....

  • Der Skandal der "Griechenlandrettung" hat zwei Seiten.

    Die erste Seite ist, daß unsere Politiker offensichtlich kein Problem damit haben, immer wieder Milliarden um Milliarden in ein Faß ohne Boden zu schütten und auf diese Weise das Geld, das Millionen hart arbeitender Deutscher verdient haben, zu enteignen und zu verbrennen. Auch wenn es wohl strafrechtlich nicht justiziabel ist, in meinen Augen ist das kaltschnäuziger und hinterhältiger Diebstahl. Zum Verbrennen haben sie das Steuergeld nicht bekommen!

    Die zweite Seite des Skandals jedoch ist das Verhalten unserer Medien. Wann endlich wenden sich die Chefredaktionen von Welt, FAZ, HB, Südddeutscher, BILD, von Tagesschau und heute endlich mit einem gemeinsamen Aufruf an die Öffentlichkeit? Wann werden sie endlich gemeinsam ihrer Verantwortung vor den Bürgern gerecht und rufen plakatativ und deutlich aus: "Genug ist genug"?

    Die Medien hätten die Macht, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Daß sie diese Macht nicht nutzen, ist ein eklatantes Versagen.

    Die einzigen öffentlichen Foren, in denen die Menschen heute sachlich und redlich informiert werden, in denen immer wieder das verantwortungslose und räuberische Treiben unserer Politiker angeprangert wird, sind die unabhängigen kritischen Foren im Internet.

    Wie lange wollen die etablierten Medien sich gefallen lassen, daß sie von den Internetschreibern überholt und journalistisch deklassiert werden? Wie lange wollen sie dem nicht zuletzt wegen dieser Deklassierung geschehenden Rückgang an Lesern und Zuschauern tatenlos zusehen? Sollte nicht wenigstens ihr nackter Selbsterhaltungstrieb sie dazu bringen, endlich zu tun, was ihre Aufgabe ist, nämlich die Regierenden kritisch zu begleiten und ihnen nicht alles und jedes durchgehen zu lassen?

  • "...Schaden vom Volk fernhalten" heißt es im Amtseid der Politiker. Hoffentlich vergessen sie das nicht, wenn sie sich von den griechischen Politjuppies an der Nase herumführen lassen und Zahlungstermine bis zum sankt Nimmerleinstag verschieben.

  • Griechenland wird nur eine Episode sein. Das Eurosystem insgesamt ist am Ende. Solange die Gelddruckerei "Draghi" noch funktioniert, wird es noch gehen. Dann wird es einen großen Knall geben. Eigentlich könnten die Griechen froh sein, wenn sie bis dahin draussen sind.

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