Griechenland Griechen streiken gegen Ende des Staatsrundfunks

Die Entscheidung, den staatlichen Rundfunk abzuschalten, könnte den griechischen Ministerpräsidenten Samaras die Koalition kosten. Seine Partner fordern den Weiterbetrieb. Und die Bürger legen die Arbeit nieder.
Update: 13.06.2013 - 08:30 Uhr 15 Kommentare
Protestlerin vor dem Gebäude der ERT in Athen: Auf dem Weg zu Regierungskrise. Quelle: dpa

Protestlerin vor dem Gebäude der ERT in Athen: Auf dem Weg zu Regierungskrise.

(Foto: dpa)

AthenIn Griechenland haben aus Protest gegen die Schließung des staatlichen Rundfunks (ERT) umfangreiche Streiks begonnen. Betroffen sind vor allem die öffentliche Verwaltung und der Personenverkehr. Ministerien bleiben am Donnerstag beispielsweise geschlossen. In Athen streiken Busfahrer. Auch die Eisenbahner legten die Arbeit für 24 Stunden nieder. Im Flugverkehr wird es zu Verspätungen hauptsächlich im Inlandsverkehr kommen. Die Fluglotsen wollen zwischen 14 und 16 Uhr die Arbeit niederlegen. Zwar hatten Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen, aber Banken, Supermärkte, Geschäfte und Hotels blieben geöffnet. Auch U-Bahnen fahren weiterhin.

Die überraschende Schließung des staatlichen Rundfunks in Griechenland droht sich insgesamt zu einer Regierungskrise auszuweiten. Die beiden kleineren Koalitionspartner, die Demokratische Linke und die Sozialisten, forderten am Mittwoch den Weiterbetrieb der Sendergruppe ERT und ein Treffen mit Samaras, um die Angelegenheit zu klären.

Die beiden Parteien hatten bereits am Dienstag umgehend nach Bekanntgabe der Schließung beklagt, in der Angelegenheit übergangen worden zu sein. Die Schließung wurde von der Regierung am Dienstag damit begründet, dass die Sender, die jährlich 300 Millionen Euro kosteten, „ein typischer Fall unglaublicher Verschwendung“ seien. Die Schließung soll dazu beitragen, die Auflagen des Sparprogramms zu erfüllen, das die internationalen Geldgeber dem Land auferlegt haben.

Da die Anordnung zur Schließung innerhalb von drei Monaten vom Parlament ratifiziert werden muss, braucht Samaras die Unterstützung seiner Koalitionspartner. Die Demokratische Linke – neben Samaras' Nea Dimokratia (ND) und den Sozialisten (Pasok) Teil der Koalitionsregierung – brachte bereits einen Gesetzesentwurf im Parlament ein, um die Schließung aufzuheben.

Samaras bezeichnete die Empörung der Koalitionspartner als heuchlerisch. Es gehe zu vielen Politikern in Griechenland immer noch nur um die Verteidigung von Privilegien und die Wahrung von Besitzständen. Aus Regierungskreisen verlautete aber, der Ministerpräsident nehme sich in den kommenden Tagen gerne Zeit für ein klärendes Gespräch mit den Koalitionspartnern.

In Athen kursierten zuvor Gerüchte, Samaras könne selbst die Vertrauensfrage stellen, falls seine Koalitionspartner darauf beharren sollten, das vorläufige Aus des Staatsrundfunks nicht zu akzeptieren. Die ERT soll im Spätsommer kleiner, effizienter und vor allem billiger wieder an den Start gehen, teilte die Regierung mit.

Die kleine griechische Oppositionspartei der Unabhängigen Griechen (Anel) will nach Angaben ihres Vorsitzenden Panos Kammenos ein Misstrauensvotum gegen die Regierung Samaras beantragen. Die Schließung des Staatsfernsehens (ERT) sei verfassungswidrig, sagte er Reportern in Athen. Wann der Antrag gestellt werden soll, blieb zunächst unklar. Die konservative Anel hat 18 Angeordnete im Parlament mit 300 Sitzen. In einem Interview von ERT im Internet kritisierte der linke Oppositionsführer Alexis Tsipras die Schließung als „illegal“. „Häufig wird das Wort "Putsch" als Überspitzung verwendet. In diesem Fall ist es keine Überspitzung“, sagte er.

Alle terrestrischen Sendesignale abgeschaltet
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15 Kommentare zu "Griechenland: Griechen streiken gegen Ende des Staatsrundfunks"

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  • Ich würde auch streiken, wenn mein "Ich-tue-den-ganzen-Tag-nichts-und-bekomme-dafür-18-Monatsgehälter"-Job vor die Hunde geht...Die Griechen sollen Staatsbetriebe auflösen und die Mitarbeiten sollen sie dem Markt aussetzen in den sich neu gründenden Medienunternehmen, wie überall auf der Welt auch, wo sie um Transfergelder betteln, um ihre Staatspleite abzuwenden.

  • @muunoy
    Und dann? DSDS gucken?

  • Aber wir wissen doch, dass die Griechen gegen alles streiken und protestieren. Nur gegen die eigene durch und durch korrupte Politikerkaste und ihre Mentalität protestieren sie nie. Auch protestieren sie nicht gegen die obszönen Gehälter und die Renten von verstorbenen Angehörigen, die sie gerne kassieren - ohne rot zu werden!

  • Was sollen all die armen Griechen nun tun, die an jeder Sendung beteiligt waren? Da wurde schon mal im Kreis von 5 bis 6 Personen über die gestiegenen Kartoffelpreise diskutiert. Oder 4 bis 5 Journalisten führten eine Befragung zum Thema durch "Sind die Preise für das Lammfleisch zu Ostern angemessen?". Ich glaube, dass der Verzicht auf das staatliche TV und Hörfunkprogramm kein großer Verzicht sein wird, gibt ja genug andere Sender.

  • Wer wirft denn hier mit Steinen? Hier wird doch in GR die erste Sparmaßnahme beschlossen, um die viele Deutsche die Griechen beneiden. O. k., es beneidet die Griechen wohl keiner für den Grund der Sparmaßnahme. Aber die Abschaltung der Staatsmedien in DE würde auch ich begrüßen.

  • Generalstreikaufruf! Viel Spaß beim Griechenlandurlaub-auch die letzte Einnahmequelle wird noch zugeschüttet!

  • Na, solange es nur der Rundfunk ist der eine Regierungskrise auslösen kann. Ich hätte da doch glatt zuerst an Millarden-Steuerhinterziehungen und eine anarchistische Bürokratie gedacht.
    Aber naja, auch so müssen diese Entscheider eben erst merken, ohne eigenes Moos nix los.

  • Wann schaltet die Eurozone ganz Griechenland ab?
    Ist ein Faß ohne Boden, dazu überall korrupt.

  • ich suche ein Programm das mir automatisch alles was mit ZDF oder ARD im Internet blockiert. Kennt jemand so was?
    Möchte damit nicht mehr von diesen Schergen belästigt werden. So eine Art Anti ARD-ZDF.exe. Danke im Voraus

  • Super Idee! Man sieht Griechenland ist auf einem ernstgemeintne Weg der Besserung. aber Europäer sein heisst ja auch, dass die großen von den kleinen lernen können.

    Sollte auch bei uns dieses defizitäre und zutiefst undemokratische Fiasko von öffentlich rechtlichem Rundfunk endlich ein Ende haben könnte man meinetwegen mit dem Geld noch ein Paar Deutsche Banken in Griechenland retten.

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