Griechenland Hohe Hürden für einen Marshallplan

In Griechenland setzt sich die Rezession fest, die Rufe nach einem Marshallplan werden lauter. Investitionen der EU in der Krisenwirtschaft machen tatsächlich Sinn, sagen Experten. Jedoch nur mit harter Kontrolle.
16 Kommentare
Pensionäre demonstrieren in Athen gegen Rentenkürzungen. Griechenlands Wirtschaft versinkt immer tiefer in der Rezession. Quelle: dpa

Pensionäre demonstrieren in Athen gegen Rentenkürzungen. Griechenlands Wirtschaft versinkt immer tiefer in der Rezession.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKaum haben die Griechen „Ja“ zum Sparpaket gesagt, da gibt es vor allem aus der SPD neue Rufe nach einem umfassenden Marshall-Plan für das Krisenland. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel fordert einen „Marshallplan über 20, 30 Jahre für Südeuropa“. “Wir müssen neben den aktuellen Hilfen dafür sorgen, dass Wirtschaft und Beschäftigung wieder in Gang kommen“, sagte Gabriel. Auch der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), fordert ein Wachstums- und Investitionspaket für das überschuldete Griechenland. „Flankierend zu den Sparbeschlüssen muss es dringend eine nachhaltige Investitions- und Wachstumsinitiative geben. Sonst verpuffen die Finanzmittel genauso wie frühere Pakete“, ergänzt Schulz in der „Rheinischen Post“. Und auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte schon sehr früh ein solches Wiederaufbauprogramm ins Gespräch gemacht. Doch statt dessen konzentrierte sich die EU bislang auf finanzielle Rettungspläne.

Warum der Ruf nach dem Marshallplan immer wieder auftaucht und wieder abebbt, erklärt Alexander Kritikos, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, so: „Es gibt zwei Meinungen, was Griechenland betrifft. Die einen sagen, Griechenland kommt alleine wieder auf die Beine, man brauche nur geschlossene Märkte zu öffnen. Die anderen sagen, wenn man nichts macht, bleibt die Struktur so wie sie ist. Dann ist Griechenlands Wirtschaft innerhalb des Euro-Raums jedoch nicht anschlussfähig.“ Dieser Meinung sei er auch, deshalb müsse das Land in der Tat mit einem Marshallplan unterstützt werden.

Wie schlecht es der griechischen Wirtschaft inzwischen geht, machten am Dienstag aktuelle Daten klar. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte im letzten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent. Nach Berechnung der Nachrichtenagentur Bloomberg ergibt sich darauf ein Minus von 6,8 Prozent - und damit um rund ein Prozentpunkt mehr, als die griechische Regierung bislang angenommen hatte. Griechenland befindet sich damit im fünften Jahr in Folge in der Rezession.

„Die Frage ist jedoch, was man unter einem Marshallplan versteht und was er leisten kann“, sagt der DIW-Experte Kritikos. Der Begriff des Marshallplans sei mit den Hilfen für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eng verknüpft. „In Deutschland wurde mit seiner Hilfe nach dem Krieg zerstörte Industrie wiederaufgebaut. Das ist der große Unterscheid zu Griechenland: Dort gibt es keine Industrie, die wieder aufgebaut werden könnte. Die hat es auch nie gegeben." Daher müsse eine neue Wachstumsstrategie entwickelt werden, durch die eine zukunftsträchtige Wirtschaftsstruktur in Griechenland entstehen könne.

Für Griechenland gelte deshalb: „Man muss sich zwei, drei Bereiche herauspicken und in sie investieren.“ Das könnten einzelne Zweige im Industriesektor oder in den Dienstleistungen sein. Aber es werde nicht genügen, irgendwo ein paar Unternehmen auf die grüne Wiese zu stellen. Solche Investitionen müssten begleitet werden durch den Aufbau eines regionalen Innovationssystems, man benötige Universitäten oder Forschungseinrichtungen, die zu den Unternehmen passten, und Investitionen in junge dynamische Start-up Firmen. Also alles Bereiche, die staatlich finanziell gefördert werden müssen. „Und weil das Geld derzeit nicht vom griechischen Staat kommen kann – der griechische Staat hat kein Geld – muss es von der EU kommen – natürlich streng kontrolliert, versehen mit Finanzierungen auf Basis des Erreichens einzelner Meilensteine,“ erklärt der DIW-Experte.

"Griechenland muss zur Drachme zurückkehren"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Griechenland - Hohe Hürden für einen Marshallplan

16 Kommentare zu "Griechenland: Hohe Hürden für einen Marshallplan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @juergen
    griechenland ist ein untergeschobenes kuckuckskind, das nicht erwchsen werden will.
    das gejammere um die schrumpfung der wirtschaft verstehe ich nicht. wir haben doch festgestellt, dass griechenland über seine verhältnisse gelebt hat- wenn jetzt privat- und staatskonsum zurückgeführt werden- was soll denn da anderes passieren? und bei den rahmenbedingungen und der militanz der gewerkschaften haben investoren wohl kaum eine möglichkiet in griechenland zu expandieren und dem negativen trend abzumildern. fragen sie doch die telekom, warum sie ihre mobilfunkanteile nicht aufstockt und andere unternehmen ebenfalls, die sich lieber aus griechenland zurückziehen.
    im übrigen beruht auch in deutschland ein teil unseres wachstums auf unvernünftigen subventionen und neuverschuldung - wenn die - endlich! zurückgeführt würden.. s.o.
    das ganze politische theater geht im übrigen nicht mehr um griechenland. die EBZ -trichet und noch maßloser DRAGHi- haben gesetzverstoßend soviel geld gedruckt bzw. drucken lassen, dass beim scheitern griechenlands auch die EBZ pleite geht und gerettet werden müßte. die eurokrise ist ein versagen der reifen,das soziale priorisierenden demokratien mit verantwortunglosen politkern

  • Die zahlreiche Nachteile dieser Entwicklung liegen auf der Hand. Fähige und gut ausgebildete Fachkräfte werden massenweise das alte Kontinent verlassen um ihr Glück anderswo zu suchen. Der Exodus hat schon begonnen und die Selbstmordrate ist auf das Dreifache gestiegen. Unzufriedenheit wird soziale Unruhen in den Peripherie Ländern als logische Folge haben, extremistische Parteien werden dadurch genügend Gefolgschaft finden oder alternativ Militärputsche. Diese dermaßen benachteiligte Länder werden unsere Schwachstelle sein und außereuropäischen Wirtschaftsmächten das Eindringen über diese Länder nach Europa erleichtern. Am Ende wird die EU daran zerbrechen.
    Was die Eurozone dringend braucht ist Wirtschaftskonvergenz, dies kann nur durch eine Änderung der EU- und Euro-Verträge erreicht werden

  • Der Morgenthau-Plan wird in der Währungsunion Realität
    oder horizontale Arbeitsteilung, mit Hochentwickelten Industrieländer und Bananenrepubliken innerhalb der Währungsunion.
    Die EU- und Euroverträge, von der deutsch-französische Interessengemeinschaft den anderen Mitgliedern diktiert, sind die Ursache dieser Entwicklung. Am Ende wird es, wie jetzt schon erkennbar, eine Konzentration der Euro-Industrie in einigen Länder mit größerer und stärkerer Wirtschaften stattfinden, während die kleinere Wirtschaften als Niedriglohnländer oder Bananenrepubliken degradiert werden. Als Produzent und Lieferant von Billigprodukte werden sich, diese europäische Bananenrepubliken gegen den Wettbewerb aus Asien, durch extrem niedrige Löhnen, wehren müssen. Ob mit Erfolg ist zu bezweifeln.

  • @jürgen
    Ich habe nichts dagegen wenn hungernde griechische Familien nach einem notwendigen Staatsbankrott und Einführung der neuen Drachme mit Care-Paketen und Lebensmitteln kostenlos unterstützt werden, so wie hungernde deutsche Familen bald nach dem 2.Weltkreg auch unterstützt wurden. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit und europäischer Solidarität.
    Der Staatsbankrott ist allerdings unvermeidbar. Das Beispiel Argentinien zeigt, dass er auch verkraftbar ist und zur Gesundung des "kranken KIndes" entscheidend beigetragen hat.

  • @jürgen

    Das Fatale ist nur "das Kind" hat keine Lust erwachsen zu werden und spekuliert darauf für immer an Mama EUs Schürtze zu hängen. Was macht man mit so einem "Kind", wenn es schwimmen lernen soll aber ncht will? Man wirft es ins Wasser, sorgt aber dafür das es nicht ertrinkt indem man eine Stange ins Wasser hält, in Reichweite aber nicht zu nah. Was glauben sie wie schnell dieses Kind schwimmen lernt.
    Sie mögen das als brutal bezeichnen. Das dürfen Sie auch als empfindsamer "Familienmensch". Aber Sie werden sehn, es wird Erfolg haben.

  • Griechenland hat seinen Marshallplan schon hinter sich: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kommentar-verschwendung-in-der-schuldenkrise-11638119.html

    Herausgekommen ist, wie man ja sehen kann, nichts Positives. Während andere LÄnder, besonders die ehemaligen Ostblockländer die Hilfe der EU sinnvoll genutzt haben und sehr schmerzhafte Reformen durchgeführt haben, hat Griechenland das Geld schlicht verprasst. Daher bin ich strickt dagegen, noch weiter Gelder in dieses Fass ohne Boden zu werfen. Es ist pure Verschwendung. Und natürlich muss Griechenland aus aus Eurozone austreten.

  • Es gibt in Griechenland keinerlei Voraussetzungen, die Anlass zur Hoffnung geben, ein Marshalplan könnte die griechische Ökonomie maßgeblich und nachhaltig befeuern. Außerhalb des Tourismus und wenigen anderen Bereichen war das Land noch nie weltmarktfähig. Also ist die Idee Unfug! Mehr noch: Der Tourismus ist derzeit im Niedergang begriffen. Das Land ist weiterhin viel zu teuer, dramatische Medienbilder und die antideutsche Stimmung vertreiben die letzten Willigen. Hier wird der nächste große Einbruch stattfinden. Das Sommergeschäft fällt dieses Jahr mit Ausnahme russischer Touristen ins Wasser. Wieder 20 Mrd. Euro neue Schulden für Stützungsmaßnahmen und weitere Arbeitslose.

  • Bevor man irgendwelche,schlauen Vorschläge zur Belebung der Wirtschaft in Griechenland macht, würde ich empfehlen, einmal eine Bestandsaufnahme der Bedingungen in Griechenland und der dort bestehenden Mentalität der Griechen zu machen. Dann würde man sehr schnell erkennen, dass die im Artikel gemachten Vorschläge gröstenteils ins Leere laufen würden, da sie in dem Land selbst kaum auf fruchtbaren Boden fallen würden. Einzig über den Tourismus lässt sich schnell etwas bewegen, da man dort grösstenteils die Bevölkerung direkt über die Masse der kleinen Selbstständigen in diesem Bereich unterstützt. Dazu müssten aber die Preise fallen und das geht nur über einen Austritt aus dem EURO.

  • Es geht doch nicht darum, ob die nicht vorhandene Industrie wettberwerbsfähig gemacht werden kann. Es geht schlicht darum, ein krankes und hungriges Kind - um einmal mit dem Vokabular einer Familie zu sprechen - wieder gesund und satt zu bekommen. Die Familie ist die Europäische Gemeinschaft, die verdammt nochmal die Pflicht hat, ihr Kind Griechenland zu retten, wie es jede normale Familie täte. Wer denn sonst soll sich dafür einsetzen, dass es den Menschen dort wieder besser geht? Überlässt man die Griechen sich selbst, wird das sicherlich im Chaos enden. Die Folgen für das übrige Europa wären dramatisch.

  • staatliche investiitionen haben noch niemals fuktioniert sondern nur mitnahmeeffekte und betrüger auf den oplan gerufen. so schwer es in unseren sozial dominierten ländern fällt<: bessere, freiere rahmenbedingungen, weniger staatseinfluß sind erforderlich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%