Griechenland in der Krise Juncker fühlt sich von Athen „verraten“

Dramatische Stunden in Brüssel: Juncker vertidigt das vorgeschlagene Spar- und Reformpaket. Der EU-Kommissionschef wendet sich direkt an die griechische Bevölkerung – und spart nicht mit Vorwürfen gegen Premier Tsipras.
Update: 29.06.2015 - 15:05 Uhr 32 Kommentare
„Es passt nicht zu Griechenland, eine Demokratie gegen 18 (andere) auszuspielen“. Quelle: Reuters
Juncker vor der griechischen Flagge

„Es passt nicht zu Griechenland, eine Demokratie gegen 18 (andere) auszuspielen“.

(Foto: Reuters)

BrüsselEU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die griechische Regierung für das Ende der Verhandlungen über weitere Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Land verantwortlich gemacht. Er fühle sich nach all seinen Versuchen, eine Lösung zu finden, „verraten“, sagte Juncker am Montag vor Journalisten in Brüssel.

Die Verhandlungen seien „einseitig“ durch die griechische Regierung abgebrochen worden. „Wir haben wirklich Berge versetzt bis zur letzten Minute, als die griechische Regierung die Tür geschlossen hat.“ Er sagt: „Ich bin zutiefst bekümmert über das Spektakel, das Europa am vergangenen Samstag geliefert hat“, sagte Juncker. „Es passt nicht zu Griechenland, eine Demokratie gegen 18 (andere) auszuspielen.“

Das Angebot der Gläubiger an Athen sei „fair“ gewesen und kein „dummes Sparpaket“, sagte Juncker. Es habe „weder Lohn- noch Rentenkürzungen“ enthalten, sondern sei darauf ausgerichtet gewesen, „mehr soziale Fairness zu schaffen“. Es sei an der Zeit, den Menschen in Griechenland die Wahrheit zu sagen, so der Luxemburger.

Die griechische Regierung hat für diesen Sonntag ein Referendum zu dem Sparprogramm angesetzt. In einem flammenden Appell rief Juncker die Griechen auf, das Paket zu billigen. „Ein „Nein“ würde ein Nein zu Europa heißen“, sagte er am Montag in Brüssel. Bisher empfiehlt der griechische Premier Alexis Tsipras seinen Landsleuten, in dem für Sonntag (5. Juli) angesetzten Referendum, das Sparpaket abzulehnen. „Das ist kein stupides Sparpaket“, sagte der Luxemburger.

Griechenland versinkt im Chaos - oder nicht?

Bisher empfiehlt der griechische Premier Alexis Tsipras ein „Nein“. Tsipras hatte am Samstag überraschend für den 5. Juli ein Referendum über den Gläubigervorschlag angesetzt. Die Euro-Finanzminister sahen darauf keine Verhandlungsgrundlage mehr, das Hilfsprogramm über den 30. Juni hinaus zu verlängern.

Mit Blick auf das Dienstagnacht auslaufende Rettungsprogramm für Griechenland sagte Juncker: „Es ist nicht so, dass wir endgültig in einer Sackgasse feststecken würden. Aber die Zeit wird immer knapper.“

Griechenland droht der Staatsbankrott, nachdem am Wochenende die Euro-Finanzminister eine Verlängerung des Hilfsprogramms über Dienstag hinaus ausgeschlossen haben. Am selben Tag muss das Land eine Rate von 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen, der beim Ausbleiben des Geldes die Zahlungsunfähigkeit erklären könnte.

Wegen der angespannten Lage hat die Regierung in Athen die Banken im Land bis kommende Woche geschlossen. Für Sonntag ist eine Volksabstimmung über das letzte Angebot der Gläubiger angesetzt, das von der griechischen Regierung abgelehnt worden war.

„Herr Tsipras weiß das“
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32 Kommentare zu "Griechenland in der Krise: Juncker fühlt sich von Athen „verraten“"

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  • Na jetzt weiß der Herr aus Luxemburg,dem winzigen Land,das so wunderbar den großen Konzernen Unterschlupf in Sachen Steuern vor den Nachbarn bot,endlich auch wie sich Verrat anfühlt.Das kann nur Charakterbildend wirken.

  • Ja, da hat er recht. Aber Herr Juncker ist nicht integer und daher sowieso falsch auf dem Posten.

  • Juncker hat den deutschen Steuerzahler verraten. Das ist Fakt und alles andere interessiert nicht!

  • Ein charakterloser Lump echauffiert sich, wen interessiert das denn?!

    Wenn es ernst wird muss den Herrn Juncker anlügen! Wie Du mir, so ich dir!!!

    So, und jetzt Cognac und dann bitte Ruhe.

  • Und die Bodenschätze vor den Küsten? Peanuts? Aber dass vor allem die Vorgängerregierungen schwere Fehler gemacht haben, braucht doch gar nicht diskutiert werden. Und mir kann auch keiner erzählen, dass niemand im Westen im Zeitalter der Komplettüberwachung nicht vom Haushaltsbetrug mit Hilfe von Goldman-Sachs - wo mischen die eigentlich nicht mit? - der erst zur Aufnahme in den EURO führte, gewusst hätte. Und warum die Sache so weit gedeihen konnte wissen wir doch spätestens seit der geopolitischen Bedeutung des "hellenischen Flugzeugträgers" für die USA und ihren Ambitionen es in Europa krachen zu lassen. Aber jetzt geht es alleine um die Zukunft der griechischen Bürger. Die werden demokratisch abstimmen können! Was wir alle nicht konnten. Und das wird Fernwirkung haben, auf die gesamte EU, so oder so.

  • "Juncker fühlt sich von Athen „verraten“"

    Wenn dem so wäre, dann muss man bedenken, dass für diese Erkenntnis mehr als 300 Mrd. Euro geflossen sind. In dem Bewusstsein, dass er in Luxemburg bereits aus der Regierung geflogen ist, muss man überdenken, ob er denn für dieses Amt noch geeignet erscheinen kann?

  • es wäre schön zu wissen wievie diese konferenzen den steuerzahler schon gekostet haben ? seit jahren wird geflogen-übernachtet usw.
    die personalkosten der div. stäbe und spezialisten-es ist unglaublich wie hier mit unserem geld umgegangen wird.
    tschimms

  • Jetzt wollte Junker sich mit seinem Gefummel endlich outen, aber auch Zipras lies ihn abblitzen. Was nun?

  • Warum nur haben alle Politiker solche wahnsinnige Angst vor der Stimme des Volkes in einer Demokratie?

  • Er fühlt sich verraten. Das müßte doch ein gewichtiger Grund sein, erstmal eine Flasche Cognac zu leeren und dann zu überprüfen, wie lange die Vorräte noch reichen.

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