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Griechenland ist bankrott Es geht (fast) nichts mehr

Schleichender Prozess Staatspleite: Griechische Parks verwildern, Bauvorhaben stoppen, Krankenhäusern gehen die Spritzen aus. Athen kratzt das letzte Geld für die internationalen Gläubiger zusammen – mit fatalen Folgen.
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Auf vielen griechischen Baustellen wird nicht mehr gearbeitet, weil der Staat die Firmen nicht mehr bezahlt. Quelle: AFP
Abstieg vom Gerüst

Auf vielen griechischen Baustellen wird nicht mehr gearbeitet, weil der Staat die Firmen nicht mehr bezahlt.

(Foto: AFP)

Athen Allen Unkenrufen zum Trotz: Bisher sind die Griechen offenbar flüssig. Der Finanzminister zahlt Gehälter und Renten, er bedient pünktlich seine Auslandsschulden. Aber in Wirklichkeit ist dem Staat das Geld längst ausgegangen. Lieferanten sitzen auf Bergen unbezahlter Rechnungen, Unternehmen warten vergeblich auf Mehrwertsteuer-Erstattungen.

Zahlen die Griechen? Treiben sie das benötigte Geld trotz leerer Kassen doch noch irgendwo auf? Oder ist diesmal wirklich Schluss? Seit Monaten läuft diese Zitterpartie nun schon. Die Ungewissheit zerrt an den Nerven der Gläubiger – und mehr noch an denen der Griechen selbst. Schließlich ist es ihr Bankrott, um den es geht.

Jetzt, am Monatsende, wird es spannend – wieder einmal: Die griechischen Rentner warten auf ihr Geld. Dafür werden 2,3 Milliarden Euro fällig. 900 Millionen davon muss der Finanzminister den Rentenkassen als Zuschuss überweisen. Rund eine weitere Milliarde Euro werden für Gehälter im Staatsdienst benötigt. Das Geld sei vorhanden, versichert man in griechischen Regierungskreisen. Kein Pensionär, kein Beamter müsse sich Sorgen machen.

Doch bald folgt der nächste Zittertermin: Am 5. Juni muss Griechenland knapp 299 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen, zur Tilgung einer Kreditrate aus dem Jahr 2010. Am 12. Juni erwartet der IWF eine weitere Rückzahlung von 336 Millionen, und in der zweiten Monatshälfte stehen Tilgungen von 896 Millionen Euro an. Dass Griechenland diese Zahlungen ohne frische Hilfskredite leisten kann, gilt als unwahrscheinlich. Vor allem deshalb steht Athen in den laufenden Gläubigerverhandlungen unter extremem Zeitdruck.

Dass der Athener Finanzminister bisher seinen Verpflichtungen gegenüber den ausländischen Gläubigern, den Rentnern und Staatsdiener nachkommen konnte, ist allein dem Umstand geschuldet, dass der griechische Staat fast alle anderen Zahlungen eingestellt hat. Lieferanten warten seit Monaten auf ihr Geld. Ministerien, Kommunen und Behörden sitzen auf unbezahlten Strom-, Telefon- und Wasserrechnungen. Grünanlagen werden nicht mehr bewässert, Parks verwildern. Bauvorhaben kommen zum Stillstand, weil kein Geld mehr vorhanden ist.

Unter dem Strich belaufen sich die Verbindlichkeiten auf über 4,4 Milliarden Euro. Fast die Hälfte davon entfällt auf Schulden des staatlichen Krankenversicherers Eopyy und kleinerer öffentlicher Krankenkassen. Nach Angaben des europäischen Verbandes der Pharma-Unternehmen (EFPIA) steht der griechische Staat allein bei dessen Mitgliedsfirmen mit 1,1 Milliarden Euro in der Kreide.

Man stehe unter moralischen Druck, nicht die Lieferungen von lebenswichtigen Medikamenten an die griechische Bevölkerung zu stoppen, sagte der Verbandsvorsitzende Richard Bergström der Nachrichtenagentur Reuters. Weitere 903 Millionen Euro schulden staatliche Krankenhäuser ihren Lieferanten. In vielen Kliniken fehlt es inzwischen sogar an Verbandsmaterial, Gummihandschuhen und Einwegspritzen.

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29 Kommentare zu "Griechenland ist bankrott: Es geht (fast) nichts mehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ihr Beitrag bringt mich auf eine kuriose Idee, die noch nie ausprobiert wurde, aber beim Kuriosum GR passend wäre: Jeder volljährige Bürger Griechenlands beantragt eine neue Kreditkarte. Normalerweise erhält man da ohne Sicherheiten ein Limit von 3.000,-EUR. Diese Summe hebt dann jeder Bürger ab und überweist sie an den Staat. Sie meinen, das funktioniert nicht? Stimmt, einfach die fälligen Steuern überweisen hätte es ja auch getan und hat schon nicht funktioniert.

  • - ELA-Kredite = neue Konkursverschleppungsmethode; nur möglich in einem Kreditgeldsystem (wie auch ESM usw.)
    - Spanien, Portugal, Italien, Frankreich usw. werden notfalls mit direkter Schuldenmonetarisierung durch die EZB "gerettet"
    - Vaclav Klaus ist Mengerianer, also Anhänger einer ökonomischen Schule, die verantwortungsbewusstes Wirtschaften / Handeln lehrt und eine Ökonomie rigoros ablehnt, die auf Kredit auf Kosten der nächsten Generationen vorausfrisst
    .- die (meisten) Politiker haben sich an das Bankensystem verkauft bzw. Politik und (Zentral-)Banken handeln symbiontisch. Banken stellen in unserem Schuld- = Kreditgeldsystem den Politikern nämlich den Kredit zur Verfügung, den diese benötigen, um via Wähler- / Stimmenkauf an die Macht zu kommen bzw. die Macht erhalten zu können.

  • „Allen Unkenrufen zum Trotz: Bisher sind die Griechen offenbar flüssig“.
    Ganz so stimmt das leider nicht. Ohne die ELA-Milliarden-Kredite der EZB im Wochentakt und Ankauf von GR-Staatsanleihen wäre GR schon längst pleite. (Der typische griechische Aggregatszustand).

    Aber eine Pleite GR kann sich die EU nicht leisten, wegen des Ansteckungseffekts auf Spanien, Portugal, Italien und Frankreich. Zum anderen haben die EU-Marionetten die strikte Anweisung aus Washington, aus strategischen Gründen GR im Euro zu halten. „Ihr könnt in Europa Verhandlung spielen wie ihr wollt. Entschieden wird in Washington“. Noch klarer geht nimmer.

    Vaclav Klaus, Tschechiens Ex-Präsident am 28.01.2015 im FOCUS-Online-Interview:
    “ ... Die Finanztransfers, die wir aktuell sehen, sind keine Hilfen für Griechenland. Es sind Hilfen für die Weiterexistenz der Eurozone".

    Nur die Bankster feiern ihre Party auf Kosten unzähliger Arbeitsloser bis zum Schluss. Es sind UNSERE Politiker, die den Rechtsstaat mit Füßen treten!!

    Prof. Nölling: „Was die Politik bewirkt, ist, dass in Europa die Hülle Währungsunion aufrechterhalten wird, bei gleichzeitiger Zerstörung des wirtschaftlichen und sozialen Kerns dieser Wirtschaftsordnung, mit unabsehbaren Folgen auch für das friedliche Neben- und Miteinander in dieser Zone

    "Die EU ist eine wirtschaftliche und demokratische Katastrophe. Der Euro hat schon Millionen von Menschen in Schwierigkeiten gebracht. In Zukunft werden Hunderte Millionen betroffen sein, weil das ganze Projekt auf einer Lüge beruht." [Nigel Farage - britischer Politiker und seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments]

  • Also, ich verstehe die ganze Debatte nicht. Die Griechen hätten nicht kooperiert oder so. Als man früher in Griechenland 3 Kinder hatte bekam man Steuernlässe. unerhört sagte die Troika. Nun ist es so: Wenn man 3 Kinder hat (und sie leben irgendwie noch) ist es ein BEWEIS, dass man viel Geld hat und so muss man extra besteuert werden. So was ist nur logisch und gerecht. Und dieses verschlagene griechische Volk möchte einfach solche Steuern nicht zahlen.. Tststs

  • Wenn man der aktuellen Lügenpressemeldungen glaubt, dürfte Griechenland bald den Staatsbankrott anmelden und aus dem Euro austreten.

    Die Griechen importieren fast alles, was sie für den Alltag benötigen - von der Unterhose bis zu Bohnen. Rund 60 % der Güter des täglichen Bedarfs kommen aus dem Ausland.

    Am schlimmsten sieht es bei der Fleischproduktion aus. Hauptlieferanten sind Frankreich, die Niederlande und Deutschland. Die Importe übersteigen die Eigenproduktion deutlich.

    Der Euro hat die griechische Wirtschaft komplett zerstört. Man hätte schon 2011 Griechenland aus dem Euro werfen und die griechischen Schulden abschreiben sollen. Stattdessen hat man das Land bzw. deren Gläubiger ( int. Bankster ) weitergefüttert.

    Griechenland bzw. die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Landes ist ein ewiges Thema. Dabei ist an sich alles klar: Das Land ist komplett im Schuldensumpf versunken. Die Wirtschaft mehr oder weniger zusammengebrochen. Die Arbeitslosigkeit liegt auf unerträglich hohen Niveaus, gerade bei der Jugend.

    Das ganze Gebilde wäre längst auseinandergebrochen, gäbe es da nicht noch einen Grund, der dieses unausgewogene Konstrukt zusammenhält: Die gerade von Berlin mitgetragene und vorangetriebene Horrorvision des Umbaus der undemokratischen EU von einer reinen Wirtschaftszone in einen Superstaat!

    Die „Vereinigten Staaten von Europa“ sind das Endziel der Bilderberger. Deren Vision die eigentlich schon längst gescheitert ist und dennoch immer weiter, immer wilder und immer verzweifelter verfolgt wird.

    Dieser Vision werden Vernunft, Demokratie und nicht zuletzt das Wohl der europäischen Völker untergeordnet, ja geopfert. Solange in Brüssel, in Berlin und den anderen Hauptstädten der EU an dieser Vision festgehalten wird, wird der griechische Totentanz weitergehen!

    Ziel: Die „Vereinigten Staaten von Europa“

    Warum erfahren wir in den Lügenmedien nichts über die VSE?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien AGs

  • Schluß machen, Schieber zu. All all.
    Was würde denn passieren, wenn die "Institutionen" nun doch die 7,2 Mia. lockermachen würden? Die griechische Regierung würde sich im Kurs bestätigt fühlen, die anderen Südländer wären beleidigt und reichen würde das Geld sowieso nur wieder bis zum Herbst und dann geht die Zitterpartie von neuem los. Denn, was immer wieder vergessen wird: Auch diese 7,2 Mia. ist kein Geld, das Athen einfach so ausgeben kann - es ist ein weiterer KREDIT - und mithin muß auch der zurückgezahlt werden, auch wenn er mit quasi Nullzins und ewiger Streckung versehen ist.

  • Man kann davon ausgehen, dass entweder die EZB, oder die EU beizeiten einen Weg findet Griechenland zu alimentieren.

    Ein Zahlungsausfall Griechenlands wäre angesichts der geringen Wirtschaftskraft des Landes ein wirtschaftliches Nicht - Ereignis. Die Politiker sind dagegen froh wenn sich der Zahlungsausfall über das Ende der eigenen Karriere hinausschieben lässt.

    Der EZB Präsident Draghi müsste sich im Fall eines Zahlungsausfalls Griechenlands sehr unangenehme Fragen hinsichtlich der Finanzierung eines offensichtlich insolventen Staates stellen lassen.

    Die Politiker der EU müssten wohl den Wählern erklären was mit ihrem Steuergeld passiert ist. Selbst der Deutsche Steuerzahler der sehr gerne extreme Steuern zahlt könnte Unmut äussern.

  • Es ist außerordentlich bedauerlich, dass die einfachen Bürger leiden.

    Aber der Druck reicht offensichtlich immer noch nicht, um Syriza dazu zu bringen, die Steuern bei den Reichen endlich einzutreiben. Herr Tsipras und Varoufakis haben es offenbar auch nicht nötig, sich um die Fluchtgelder in der Schweiz zu kümmern, obwohl die Schweiz fast schon auf Knien Amtshilfe anbietet.

    So schlimm wie es ist, der Druck reicht immer noch nicht und diese angeblich "linke" Regierung erweist sich mal wieder als verlängerter Arm der Kleptokraten-Mafia.

    Griechenland muss raus aus dem Euro. Keinen Cent mehr für die Kleptokraten! Ich lasse mich nicht ausplündern für diese kriminellen Idioten. Bei den einfachen Bürgern kommen die Hilfsgelder ohnehin nicht an.

  • Liebes Handelsblatt! Wieso schreiben Sie nicht, dass das griechische Militär mit seiner Spitzenausstattung keine Geldprobleme hat? Wieso nennen Sie nicht das NATO-Budget Griechenlands? Das würde nämlich alles erklären ...

  • Ich erinnere mich wie meine Griechischen Freunde agiert haben, als ich vor 2 Jahren gemeint habe, das ein Austritt kommen muss.
    Da wurde beschimpft, da wurde gesagt ich kann doch nicht das ganze Griechische Volk verurteilen, schliesslich koennen die Buerger ncihts dafuer.
    Aber in Griechenland ist eines klar: Jeder bescheisst, wo es geht. Jeder der ehrlich Steuern zahlt ist wahrlich dumm, denn er ist der einzige unter vielen. Faekelaki ist keine Erfindung der oberen 10.000, sondern es ist ein gewaltiges Mistrauensvotum gegenueber dem Staat und der Gesellschaft.

    Griechenland haette niemals in den Euro gehen duerfen, dann waeren die Steuerzahlungen egal und der Staat wuerde sich ueber Inflation finanzieren - zwar ungerecht, aber immerhin.

    Samaras hatte Griechenland eigentlich auf einem guten Weg, aber Syriza waehlt lieber Harakiri.

    Ich glaube nicht das Europa oder der Euro wirklich Probleme kriegen wird, wenn Griechenland austritt.

    Aber fuer Griechenland wird es die Katastrophe.

    An der Stelle Europas wuerde ich jetzt keine Abstriche machen, soll Syriaz Griechenland doch in die Staatspleite fuehren. Das hat eine reinigende Wirkung auf die Maerkte, entlasstet den Innenpolitischen Druck auf die Regierungen in Spanien, Italien und Co. und zeigt an einem schlechten Beispiel das Reformen der richtige Weg sind.
    Anschliessend wird Griechenland mit einer neuen Waehrung durch ein Tal der Traenen gehen; Europa muss ihnen dabei helfen und einen Arm ausgestreckt halten.
    Sei es durch Strukturfoerderung, durch Finanzhilfe, Wiederaufbau, etc.

    Aber auch nach einem Grexit darf Europa die Griechen nicht fallen lassen.

    Zu den Abschreibungen kommen dann halt die Wiederaufbaukosten.
    Dann unter einer neuen Regierung. Syriza wird eine Staatspleite als politische Kraft nicht ueberleben. Das weiss Tsipras wohl auch, hoffe ich zuminderst.

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