Griechenland IWF fordert erneut massive Einsparungen

Der IWF-Chefkontrolleur mahnt Griechenland bei seinen Reformplänen an, notfalls staatliche Unternehmen zu schließen und Beamte zu entlassen. Er räumt aber ein, dass vorher zu wenig auf die Ausgaben geachtet wurde.
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IWF-Chefkontrolleur Poul Thomsen bei einer Konferenz in Portugal. Quelle: dapd

IWF-Chefkontrolleur Poul Thomsen bei einer Konferenz in Portugal.

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AthenDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat erneut massive Einschnitte in Griechenland gefordert, zugleich aber Fehler eingeräumt. Der IWF-Chefkontrolleur für Griechenland, Poul Thomsen, sagte der Athener Zeitung „Kathimerini“, die Regierung in Athen müsse staatliche Unternehmen schließen und notfalls Staatsbedienstete entlassen. Außerdem müssten die Löhne drastisch gekürzt werden.

Der Mindestlohn in Griechenland sei „dramatisch höher“ im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, sagte Thomsen. Es sei skandalös, dass wegen der hohen Mindestlöhne rund 40 Prozent der jungen Menschen in Griechenland arbeitslos sind. Thomsen sagte aber zugleich, dass es Fehler in der Politik der „Troika“-Experten von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) gegeben habe. Das Reformprogramm habe zu sehr auf neuen Steuern basiert. Die „Troika“ hätte der Reduzierung der Ausgaben mehr Gewicht geben sollen.

Zu den laufenden Verhandlungen über einen freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland und die Frage, ob sich neben privaten Gläubigern auch Staaten oder die EZB beteiligen sollten, sagte Thomsen: „Wir brauchen eine kombinierte Reduzierung der Lasten der Schulden des Landes“.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hatte am Dienstag ein bislang nicht geplantes Treffen der Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel angekündigt. „Am Montag, den 6. Februar, wird es erneut ein Treffen der Eurogruppe geben“, sagte Venizelos vor Journalisten in Athen. Dabei gehe es um den angepeilten Schuldenschnitt und das griechische Spar- und Stabilisierungsprogramm, wie es hieß. Eine Bestätigung der Eurogruppe für das Treffen gab es allerdings nicht.

„Wir müssen unsere Arbeit machen und bis zum Ende dieser Woche die Verhandlungen mit der „Troika“ über das neue Sparprogramm abschließen“, sagte Venizelos. In Zusammenhang mit dem angestrebten Schuldenschnitt von 100 Millionen Euro stünden Griechenland und die Banken „einen Schritt vor Abschluss der Verhandlung“. Venizelos schätzte, dass der Schuldenschnitt höher sein werde als bislang angepeilt. Nach seinen Worten könnten die Verluste der privaten Gläubiger die Marke von 70 Prozent erreichen.

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  • dpa
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17 Kommentare zu "Griechenland: IWF fordert erneut massive Einsparungen"

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  • Lieber Herr IWF-Chefkontrolleur,
    die Europäische Währungsunion kann nur dann überleben wenn eine echte funktionierende Fiskalunion, mit gemeinsamer Verantwortung und Teilaufgabe der Steuerhoheit durch die einzelne Euro-Länder an eine zentrale Steuerbehörde, beschlossen und vereinbart wird.
    Was wir jetzt haben ist ein Exportreservat für deutsche Großkonzerne die, die im Euroraum realisierte Gewinne, zum größten Teil in Nichteuroländer reinvestieren.
    Daher die hohe Arbeitslosigkeit und die daraus resultierende Defizite in den Peripherieländern.
    Kurzfristig ist diese Einstellung für Deutschland vom Vorteil, langfristig wird sie zwangsläufig verantwortlich für den Zusammenbruch der Währungsunion sein.
    Ein Neokolonialismus werden sich die Europäische Völker von Deutschland nicht aufzwingen lassen. Zusammenhalt und nicht Gegeneinander ist bitter nötig.

  • Wann wird den Redakteueren des Handelsblatts endlich mal jemand den Unterschied zwischen Millionen und Milliarden erklärt. 1000 Millionen sind 1 Milliarde! Kapiert. Es geht in Griechenland also nicht um einen Schuldenschnitt von 100 Millionen sondern um 100 Milliarden - also - die tausendfache Summe. Endlich verstanden?

  • @ Delinx1

    Nur weil jemand irgendwo "lebt", bedeutet das noch lange nicht, dass er auch nur einen blassen Schimmer von politischer Ökonomie oder gar deren Kritik hat. Selbst ein gewisser Henry Ford wusste noch zumindest, dass Autos keine Autos kaufen. Passend zum "postmodernen" Zeitgeistphrasengedresche angeblich "zu hoher Löhne" muss dementsprechend konstatiert werden, dass Waschmaschinen ebenso tatsächlich doch keine "Apps" "kaufen".
    Über die immer mehr forcierte "Lohnveredlungs-Bonanza", wonach "es nicht mehr kontinentaleuropäische Löhne seien sollen, nein, sondern chinesische", hat sich vor über 150 Jahren schon ein gewisser Herr Marx genussvoll hämisch ausgelassen. Viel Vergnügen noch bei Ihrem vor die Wand laufenden Say'schen "Angebots-Dogma-Nachgeplapper" - vielleicht erzählen Sie das mal den hunderttausenden Griechen, denen mittlerweile schon lebensnotwendige Medikamente vorenthalten werden.

    Insofern heißt es tasächlich nicht "IWF fordert erneut Massenselbstmord", sondern genaugenommen lautet es: "IWF fordert Zerfallskrieg" bzw. "IWF fordert Massenmord" - denn wie heißt es schon in Shakespeares' "Kaufmann von Venedig": "Nimm mir die Mittel zum Leben, und du mordest mich."

  • Sehe ich auch so! Mit Einsparungen, die letztlich von der breiten Masse eingefordert werden, lässt sich das Drama Griechenland nicht lösen, denn es reduziert die Kaufkraft und führt unweigerlich zu weiterem wirtschaftlichen Niedergang. Eingefordert werden muss ein funktionierender Staat, davon spricht aber kein Politiker... Es sollte allerdings wirklich jedem klar sein, wir können Griechenland nicht 20 Jahre durchfüttern zugunsten deren Eliten. Das kann mir kein Wirtschaftswissenschaftler glaubhaft machen, dass wir dieses Problem einfach weginflationieren können. M.E wäre wirklich sinnvoll, wenn Griechenland endlich den Euro-Raum verlassen und eine geordnete Insolvenz hinlegen würde.

  • Die Erfahrung, dass Ausgabenkürzungen bei den Sparprogrammen des IWF im Zusammenhang mit konditionierten Krediten mehr bringen als Steuererhöhungen, hatte das IWF bis dato in jedem ihrer Einsätze. Es scheint sich intern beim IWF nicht herumgesprochen zu haben. Das lässt erhebliche Zweifel aufkommen, ob die EURO Union da dem richtigen Herrchen hinterherläuft.
    Erfahrungen mit Sparprogrammen zur Defizitreduktion in Staaten in einer Währungsunionen haben die "Experten" des IWF ebenfalls nicht. Die werden sie aber bald haben. Spätestens bei dem Eingeständnis des nächsten Fehlers, nämlich dass sie bis jetzt einfach Glück hatten wegen der massiven Währungsabwertung in den betroffenen Staaten - bei den wenigen Einsätzen, die sie bis heute erfolgreich abgeschlossen haben.

  • Das ist richtig. Es bringt aber nichts den einen Missstand mit einem anderen Misstand zu rechtfertigen.

  • @Hans_Wurst. Ich lebe seit vielen Jahren in GR. Daher kommt mein Wissen. Und so leid es mir selbst auch tut: was vor einigen Monaten in der BILD stand (es handelte sich um eine mehrteilige Reihe), war zu meinem aufrichtigen Bedauern alles wahr. Wenn sich in D mehr Menschen getraut hätten, mal genauer hinzuschauen, anstatt nur von europäischer Solidarität daherzufaseln, dann wäre die Wahrheit auch schon viel eher ans Licht gekommen. Das hätte ALLEN genützt.
    Ich habe es übrigens schon vor Jahren versucht, deutsche Medien über die Verhältnisse in GR zu informieren. Es war aber zwecklos.

  • @margrit117888
    die gräßliche Kanzlerin ist in Deutschland wohl das kleiste Übel mit welchem ich noch gut klarkomme, warten Sie mal ab bis die Sozis mit den Grünen das Sagen haben, dann haben wir ruckzuck die Eurobonds und ungefähr 20 neue Bundstransferstaaten an der Backe. Schauen Sie sich mal den Durchschnittsverdienst der Osteuropäer an und setzten Sie dies ins Verhältnis zu den Griechen, dann merken Sie auch das sehr wohl noch gespart werden kann.

  • ich hab es satt dass im HB Millionen und Milliarden nun in jedem zweiten Beitrag verwechselt werden

  • Ich glaube, wenn der erste ständige "Forderer" von den griechischen Massen aufgehängt wird, tritt Ruhe ein und unsere ständigen Großmäuler einschl. dieser gräßlich Kanzlerin, werden mal wieder nachdenken. Falls sie das überhaupt können
    Klingt sehr hart, ich weiß.
    Könnte mir aber vorstellen, dass dem ganz normalen Volk in Griechenland eines Tages der Kragen platzt

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