Griechenland Krankenhausärzte streiken wegen 60-Stunden-Woche

Klinik-Patienten müssen in Griechenland derzeit gute Nerven haben: Die griechischen Krankenhausärzte sind in einen 24-stündigen Streik getreten. Sie protestieren gegen längere Arbeitszeit und weniger Gehalt.
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Griechische Mediziner hatten in den vergangenen Jahren wiederholt gegen den Sparkurs der Regierung protestiert. Quelle: dpa
Protest in Athen

Griechische Mediziner hatten in den vergangenen Jahren wiederholt gegen den Sparkurs der Regierung protestiert.

(Foto: dpa)

AthenDie griechischen Krankenhausärzte sind am Donnerstag in einen 24-stündigen Streik getreten. Wie ihre Gewerkschaft OENGE mitteilte, protestieren sie damit gegen ein neues Gesetz, mit dem ihre Arbeitszeit von heute höchstens 48 Stunden auf bis zu 60 Stunden in der Woche erhöht werden kann. Zudem protestieren sie gegen die Kürzungen ihrer Gehälter und fordern die Einstellung von mehr Ärzten und Krankenhauspersonal.

„Wir fordern Einstellungen jetzt“, hieß es in einer Erklärung des Verbandes der (staatlichen) Krankenhausärzte Griechenlands. In den staatlichen Krankenhäusern werden wegen des Streiks nur Notfälle behandelt, erklärte eine Sprecherin des Verbandes der Krankenhausärzte im griechischen Fernsehen.

Spardiktat legt Athener Krankenwagen lahm
Fast eine Million Kilometer
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Die immer neuen Sparrunden in Griechenland hinterlassen ihre Spuren auch beim Rettungsdienst. Einige Krankenwagen in der Hauptstadt Athen haben bereits bis zu eine Million Kilometer auf dem Tacho - das ist fast dreimal so viel wie die Entfernung zum Mond. Etwa die Hälfte der Fahrzeuge versagt den Dienst, weil es keine Ersatzteile gibt. Nachts stehen für mehr als vier Millionen Einwohner weniger als 40 Krankenwagen zur Verfügung.

Bedarf an Krankenwagen gestiegen
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Dabei ist der Bedarf in jüngster Zeit gestiegen, denn viele Griechen können sich nicht mehr auf Privatrechnung behandeln lassen. Der Notdienst habe die Pflicht, auf jeden Anruf zu reagieren, sagt Rettungsmediziner Dimitris Dimitriadis. Einige nutzten den Notruf allerdings nur, um im Krankenhaus an der Warteschlange vorbei gleich zum Arzt gebracht zu werden.

Krankenwagen als Taxi-Ersatz
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„Aber dann hast Du auch ältere Menschen, die sich kein Taxi leisten können und deswegen einen Notarztwagen rufen“, sagt Dimitriadis, während er zu einem Haus eilt, aus dem ein Selbstmord gemeldet wurde. Dort angekommen erfährt er, dass Verwandte die verletzte Person ins Krankenhaus gefahren hätten.

Das Geld fehlt
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Griechenland ächzt seit Jahren unter einer Finanzkrise. Die Regierung hat Ausgaben gekürzt, Steuern erhöht und Renten zusammengestrichen, um den Forderungen internationaler Gläubiger nachzukommen, die das Land mit Krediten vor den Staatsbankrott bewahren. Gerade erreichte Athen, dass Griechenland die nächste Tranche aus dem Hilfspaket in Höhe von 8,5 Milliarden Euro ausgezahlt wird.

Rettungskräfte geben alles
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Die Rettungskräfte täten ihr Bestes, allen Widrigkeiten zum Trotz, versichert die Gewerkschaft. Sie konzentrierten sich auf Notrufe nach einer schnellen Behandlung und seien binnen Minuten unterwegs. Allerdings müssten Patienten, die ins Krankenhaus gebracht werden wollten, manchmal mehr als eine Stunde auf den Krankentransport warten.

Technische Mängel
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Das sei auch kein Wunder, sagte Gewerkschaftschef Giorgos Mathiopoulos, denn 70 der 140 Rettungswagen in Athen können wegen technischer Mängel gar nicht mehr fahren. Dabei müsste die Fahrzeugflotte eigentlich verdoppelt werden. „Bis zu 30 Prozente der fahruntüchtigen Notarztwagen kann nicht repariert werden“, sagt Mathiopoulos.

Ersatzteilspender
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Viele dienten als Ersatzteilspender, damit wenigstens die anderen Autos einsatzbereit bleiben. „Wir versuchen, so schnell wie möglich zu einem Unfall zu kommen“, sagt er. Aber natürlich mache man sich Sorgen, wenn ein Fahrzeug schon so viele Kilometer auf dem Zähler habe.

Wegen der schweren Finanzkrise wurden in den vergangenen sechs Jahren kaum neue Ärzte und Krankenhauspersonal in Griechenland eingestellt. In vielen Krankenhäusern sieht man heutzutage viele ältere Ärzte. Nach Angaben des Athener Ärzteverbandes sind seit 2010 mehr als 18.000 junge griechische Ärzte ausgewandert. Die Mehrheit von ihnen arbeitet in Großbritannien, Deutschland und den arabischen Golfstaaten.

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  • dpa
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