Griechenland-Krise Baltikum fordert: Keine Hilfe ohne Reformen

Im Baltikum gibt es besonders starken Widerstand gegen weitere Zugeständnisse an Griechenland. In Estland, Lettland und Litauen müssen die Menschen mit einem Bruchteil der griechischen Gehälter und Renten auskommen.
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„Wir haben einige herausfordernde Sparmaßnahmen ergriffen und unsere Finanzen schnell in Ordnung gebracht“, erklärt der lettische Finanzminister. Quelle: AFP
Janis Reirs

„Wir haben einige herausfordernde Sparmaßnahmen ergriffen und unsere Finanzen schnell in Ordnung gebracht“, erklärt der lettische Finanzminister.

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RigaAuf die Sympathie der baltischen Staaten kann Griechenland im Streit um die Lösung seiner Schuldenkrise nicht zählen. „Die Zeit des Feierns auf Kosten Anderer ist vorbei für Griechenland“, sagt die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite an Athen gerichtet. Auch Estlands Regierungschef Taavi Rõivas vertritt eine harte Linie: „Reformen in Griechenland sind weiterhin unvermeidbar.“

In Estland, Lettland und Litauen ist nicht erst seit dem griechischen Nein zu den europäischen Sparplänen deutlicher Unmut über die reformunwillige Regierung in Athen zu spüren. Deren Vorgehen stößt in Estland, Lettland und Litauen, die eigene wirtschaftliche Zwangslagen mit viel politischem Willen und harten Opfer überwunden haben, inzwischen kaum mehr auf Verständnis.

Ähnlich wie jetzt Griechenland mussten auch die baltischen Staaten ihre Haushalte in der Finanzkrise einem schmerzhaften Reformprozess unterziehen – und entschlossen sich zu einem zügigen und drastischen Umsteuern. „Wir haben einige herausfordernde Sparmaßnahmen ergriffen und unsere Finanzen schnell in Ordnung gebracht“, erklärt der lettische Finanzminister Janis Reirs. Allein in Lettland, das Ende 2008 vor der Staatspleite stand, sei der öffentliche Sektor um etwa 30 Prozent reduziert worden.

Doch der Preis dafür war hoch und bezahlen mussten ihn vor allem die Bürger – mit drastischen Einkommenseinbußen, Massenentlassungen im öffentlichen Dienst, Steuererhöhungen und Kürzungen der Sozialausgaben. Im Zuge der harten Sparmaßnahmen in den Jahren 2009 und 2010 hatten die drei Baltenstaaten mit zusammen knapp sieben Millionen Einwohnern damals mit der tiefsten Rezession und der höchsten Arbeitslosigkeit aller EU-Mitglieder zu kämpfen.

Anders als in Griechenland gab es aber kaum lautstarke Proteste aus der Bevölkerung. Dafür stimmten die Bürger mit den Füßen ab und kehrten ihren Heimatländern den Rücken zu. Bis heute leiden Estland, Lettland und Litauen unter den Folgen der Abwanderung. Auch das Wohlstandsniveau liegt trotz der wieder anziehenden Wirtschaft weiter unter dem anderer Eurozonen-Länder. Das reale BIP pro Kopf beträgt lediglich bei rund 50 Prozent des Durchschnitts.

Solidarität hält sich in Grenzen
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4 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Baltikum fordert: Keine Hilfe ohne Reformen"

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  • Die Griechen wollen den € (die EU) doch nur deswege nicht verlassen, weil dann auch der jährlichen Marschallplan (= Europäische Strukturhilfegelder) nicht mehr fließen...

  • Wie gehen wir in Deutschland denn mit NRW oder dem Saarland um? Länderfinanzausgleich läßt grüßen. Respekt vor den baltischen Staat, Slowenien und der Slowakei sowie Spanien, Portugal und Irland. Ich frage mich, wieso überhaupt so ein Theater um Griechenland gemacht wird. Die anderen Staaten sind ihre Reformen auch angegangen und mit deutschen Länderfinanzausgleich sieht man doch, dass nur Geld überweisen kein Anreiz für Verbesserung ist. Man richtet sich in der Allimentation ein.

  • Ja,
    einen Staatschef wie die Balten oder Tschechen haben würde man sich hier in BRD derzeit wünschen.

  • Ausgerechnet von den kleinen, fleißigen und erfolgreichen Staaten Estland, Lettland und Litauen müssen die Europäer sich vorhalten lassen, was sie seit Jahrzehnten schon falsch machen.

    Arme und traurige Schicksale gibt es zuhauf in Deutschland etwa und vielen anderen Euro- und EU-ländern. Wer - bitte sehr - denkt wohl daran, es diesen ein wenig besser gehen zu lassen? Die Armutsgrenze wird von Hunderttausenden in der EU unterschritten. Kein Grieche kümmert sich.

    Pensionen, Renten und Altersversorgung sind in vielen Ländern, darunter die erstgenannten, weit unterhalb der griechischen. Kümmert das auch nur irgendeinen Griechen?

    Vor diesem Hintergrund wird das Agieren deutscher Politiker - dazu gegen den ausgesprochenen Willen der Bevölkerung - degoutant und unzulässig.

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