Griechenland-Krise Die Nacht der langen Messer

Schier endlos haben die Euro-Partner mit Griechenland verhandelt. Mancher Politiker wetterte „Es reicht!“. Auch von Mafiosi war die Rede. Jetzt scheint der Durchbruch gelungen. Eine Chronologie der Nacht.
Update: 13.07.2015 - 10:30 Uhr 32 Kommentare

Tsipras: „Grexit gehört der Vergangenheit an“

BrüsselDie Regierungschefs der Euro-Zone haben einen neuen Rekord aufgestellt: Seit mehr als 16 Stunden versuchen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und ihre 17 Kollegen aus den anderen Euro-Staaten nun, die Griechenland-Krise zu entschärfen. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor sieben Jahren hat noch kein EU-Gipfel so lange gedauert. Doch nun ist das Ringen beendet: Der Durchbruch ist gelungen.

Zuvor war die Lösung des Schuldenkonflikts mit Griechenland in dieser langen Nacht wieder einmal an einem einzigen Akteur gescheitert: Der griechische Premierminister Alexis Tsipras wolle bestimmte Bedingungen der Geldgeber einfach nicht akzeptieren, hieß es in Teilnehmerkreisen. Tsipras bestehe partout darauf, dass der IWF am neuen Hilfspaket für Hellas nicht mehr beteiligt sein soll. Doch damit dringt er im Rest der Euro-Zone nicht durch. Der IWF müsse bei den Griechenland-Krediten auch künftig im Boot bleiben, heißt es in einem Dokument der Gruppe der Euro-Finanzminister vom Vortag.

Außerdem hatte sich Tsipras dagegen gewehrt, einen Teil der Staatsunternehmen in einen regierungsunabhängigen Privatisierungsfonds zu übertragen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte diesen Treuhandfonds ursprünglich ins Gespräch gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte die anderen Staats- und Regierungschefs davon überzeugen – bis auf Tsipras. Zwischendurch schaltete der Grieche sogar komplett auf stur. Gegen 5.30 Uhr kam aus dem Verhandlungssaal die Nachricht, dass Tsipras derzeit alles ablehne.

So stand es in der langen Nacht zum Montag wieder einmal 18 zu eins. Die Euro-Zone schloss die Reihen, von einer Spaltung war Montag früh keine Rede mehr, Tsipras war isoliert. Was tun 19 Regierungschefs in mehr als 15 langen Verhandlungsstunden im EU-Ratsgebäude „Justus Lipsius“? Hier eine Chronik der Ereignisse:

08:55 Uhr: Jetzt bestätigt auch Donald Tusk die Einigung der gesamten Eurogruppe.

08:39 Uhr: Einigung – zwitschert Belgiens Premier Charles Michel ins Netz.

07:58 Uhr: Nun hat auch die litauische Präsidentin das Treffen verlassen. Sie bestätigt: Eine Einigung steht kurz bevor.

07:00 Uhr: Merkel, Tsipras, Hollande und Tusk verhandeln offenbar über den geforderten Treuhandfonds. EU-Kreisen zufolge beharrt Kanzlerin Merkel auf einem Vermögenswert von 50 Milliarden Euro, der französische Präsident Hollande schlage einen Kompromiss in Höhe von 25 Milliarden Euro vor.
07:11 Uhr: Für einen ist der Eurogipfel schon beendet: Miro Cerar. Der slowenische Ministerpräsident verlässt das Treffen, weil er heute den NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Slowenien erwartet. Laut Cerar sei in den Verhandlungen mit Griechenland nur noch eine Frage offen. Welche, das verrät er jedoch nicht.
06:45 Uhr: Beim Eurogipfel ist noch immer kein Ende in Sicht. Medienberichten zufolge hätten die Staats- und Regierungschefs schon kurz vor einer Einigung gestanden. Doch der Gipfel wurde erneut unterbrochen. Eine baldige Übereinkunft sieht anders aus.

05:40 Uhr: Fast 14 Stunden lang wurde schon verhandelt. Einigung: Fehlanzeige. Tsipras hat offenbar Probleme mit der Beteiligung des IWF im dritten Rettungspaket sowie dem 50-Milliarden-Euro schweren Treuhandfonds, den die Gläubiger als Garantie verlangen.

04.09 Uhr: Ein Sprecher der zyprischen Regierung verkündet das Ende der Acht-Augen-Gespräche zwischen Merkel, Hollande, Tusk und Tsipras. Nun soll der große Gipfel wieder tagen.

02.50 Uhr: Tsipras, Merkel, Hollande und Tusk diskutieren erneut in kleiner Runde.

„Unterstützung gegen die Mafiosi“
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32 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Die Nacht der langen Messer"

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  • Durchbruch? 3 Rettungspakete machen 360MRD was dem Schuldenstand entspricht damit GR wieder Pleite ist? ist das die Einigung zum verarschungsgau? hahaha

  • Wenn die Politiker nach einer endlosen Nacht vor lauter Müdigkeit kaum noch aus den Augen gucken können, dürften ihnen schwerlich die besten Ideen einfallen.

    Die unterliegen schließlich den gleichen natürlichen Gesetzmäßigkeiten wie alle anderen Menschen auch.

  • ---@ Harvard Uni

    die Rothen Sozialisten verteilen IMMER das Geld, was andere sich erarbeitet haben. Das war so und wird auch weiterhin so sein.

  • Einigung -

    und schon fällt der Euro-Dollarkurs.

  • Hallo Herr Ben Zinka-Nister,

    schön zu wissen, dass jetzt auch schon Sozialisten das Handelsblatt lesen.

    Sozialunion mit allen Mittelmeerländern?

    Glauben Sie eigentlich der EU Steuerzahler verdient sein Geld im Schlaf, dass die für 2 Mio Griechen die unter der Armutsgrenze leben, pro Kopf den 3fachen Betrag aufwenden sollen, den wir für unsere 2mio Benachteiligsten aufwenden.

    Sie unterstützen aus ideologischen Gründen lieber ein fremdes korruptes System, um ihrem Traum nach der sozialistischen Internationalen zu träumen.

    Sie können gerne ihr eigenes Geld nach GR schicken, über fremdes großzügig zu verfügen ist kein guter Charakterzug

  • Zu den Verlierern gehört auch Griechenland, welches ohne eigene Währung nicht in der Lage ist, eine nur ansatzweise wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen.
    ---
    Wären sie eh nicht gewesen, auch mit der Drache nicht!
    Deshalb ist es egal, ob mit oder ohne €.
    Im € haben die Griechen wengistens durch die europäische Gemeinschaft noch eine Überlebenschance, was sie mit der Drachme nicht mehr gehabt hätten.

  • Was bringt der Eurozone eine gemeinsame Währungsunion und eine zentralgesteuerte Geldpolitik wenn es keine Gemeinsame Fiskalpolitik gibt? Jeder mach was er will und im Endeffekt müssen wir dafür gerade stehen, weil manche sich als Politiker (vor allem Finanzminister) betiteln und nicht mit dem Geld umgehen können! Klar ist ja auch nicht ihr eigenes Geld, warum sollten sie das auch?! Wie soll das bitte funktionieren? Wenn ich als Unternehmer zur Bank gehe würde und meinem Berater um einen Anschaffungsdarlehen gefragt hätte, er aber in meinen Bilanzen Misswirtschaft feststellen würde, dann würde ich ganz einfach KEINEN Darlehen bekommen! Auch wenn ich ihm in der Zukunft versprechen würde, dass ich bei meinen Ausgaben sparen würde und (vor allem) MEHR Umsatz durch Verkaufserlöse generieren würde! Das IST doch reiner (selbst)Betrug zu sagen, "wir erhöhen die Steuern und erwarten höhere Einnahmen". Ich weiss nicht welcher kluger Idiot bei der GR Regierung am Taschenrechner saß, aber die Rechnung geht nicht auf! Nicht ein mal in den nächsten 25 Jahren. Sie erwarten einen Kredit i.H. von knapp 90 Mrd.€ und wollen durch (in meinen Augen lächerliche) Luxussteuer auf Boote (vllt. ein Plus von 5-10 Mio.€, weil diese Engländern, Saudis und Amis gehören und nicht den GR) und Einsparungen div. Militärausgaben (300 Mio.€ wenn überhaupt) das irgendwann wieder zurückzahlen? Die Steuereinnahmen durch die höhere MwSt. wird erst nach min. 4-5 Jahren (sofern sich ihre Wirtschaft überhaupt wieder erholen sollte) ihre "Oliven" tragen. Ok jetzt sollte mir bitte Jemand bitte erklären wie das funktionieren sollte?! Ich Glaube, ich habe 6 Jahren in der Uni gepennt weil ich mir sonst die Entwicklung nicht anders erklären kann! Sie verstoßen gg. jegliche ökonomische und volkswirtschaftliche Regeln! Weitere Mrd. die die EZB in die GR pumpen wird, wird Auswirkungen auf die gesamte europäische Wirtschaft nach sich ziehen.So langsam reicht es mir mit diesen verlogenen, inkompetenten Politikern!

  • Dieser Gipfel wird einmal als die Nacht der Verlierer in die Geschichte der Währungsunion und der gesamten EU eingehen. Denn bereits jetzt zeichnet sich ab, daß alle Beteiligten verloren haben. In erster Linie Europa, weil das Belassen Griechenlands in der Eurozone langfristig zu einer wirtschaftlichen wie politischen Destabilisierung des Kontinents führen wird. Der einst in einer Stimmung der naiven Europaeuphorie begangene Fehler, Griechenland wider jede ökonomische Vernunft in die Eurozone aufzunehmen, wurde durch den erneuten Fehler, das Land in der Eurozone zu belassen, wiederholt - diesmal allerdings in vollem Bewusstsein der damit verbundenen Tragweite. Auf die einzig vernünftige Alternative, nämlich durch flankierende Hilfsmaßnahmen einen geordneten Ausstieg aus der Währungsunion zu ermöglichen, wurde - erneut wider jede ökonomische Vernunft - verzichtet.
    Zu den Verlierern gehört auch Griechenland, welches ohne eigene Währung nicht in der Lage ist, eine nur ansatzweise wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen. Zugleich werden die Reformauflagen von dem korrupten griechischen Politikbetrieb als erneute Steilvorlage genutzt, grundsätzliche Veränderungen des gesamten politischen Systems zu vermeiden. Es ist das klare Signal zum Weiterwurschteln.
    Der größte Verlierer sind die europäischen Steuerzahler, die weiterhin das systembedingt reformunfähige Land finanzieren....

  • Wer die Währungsunion weiterhin erhalten will, muss einfach akzeptieren, dass es ohne Transferzahlungen in die europäische Südschiene nicht geht. Deutschland muss akzeptieren, wenn es unserem Land auch in Zukunft weiterhin gut gehen soll, dass wir die anderen wirtchaftsschwachen europäischen Mitgliedsstaaten nicht verhungern lassen können. Schließlich brauchen wir weiterhin Auslandsschuldner, die unser schwaches Wirtschaftswachstum, unsere Arbeitsplätze und letztlich damit auch unseren Wohlstand sichern. Ich war lange Zeit Eurokritiker, glaube aber mittlerweile, dass nur ein starkes solidarisch zusammenhaltendes Europa die Zukunft für alle sein kann. Nur zusammen und einig lassen sich die riesigen noch bevorstehenden Probleme auf Dauer nachhaltig lösen oder wenigstens abschwächen. Nur müssen die Probleme jetzt offensiv und nachhaltig angegangen werden.

  • Die EU arbeitet so hart, 16 Stunden Verhandlung. Die ganze Nacht durch. Ich glaube, die wären besser mal früh ins Bett gegangen. In Griechenland wird das ganze Paket schon jetzt zerrissen. Schon am Mittwoch ist das alles wieder hinfällig, wenn das Parlament die Reformen nicht beschließt.

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