Griechenland-Krise EZB hat offenbar Angst vor einem Bankrun

Ein Treffen der Euro-Finanzminister brachte kein Ergebnis im Schuldenstreit. Nun soll auf einem Sondergipfel am Montag erneut verhandelt werden. Die EZB weiß nicht, ob dann die griechischen Banken öffnen können.
Update: 18.06.2015 - 22:16 Uhr 7 Kommentare

Griechenland: Verliert die Euro-Gruppe langsam die Geduld?

Brüssel/Luxemburg/AthenDie Europäische Zentralbank (EZB) ist sich Insidern zufolge nicht sicher, ob die griechischen Banken am Montag öffnen können. Während der Sitzung der Euro-Finanzminister in Luxemburg habe Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem EZB-Ratsmiglied Benoit Coeure gefragt, ob die griechischen Banken am Freitag öffnen könnten, sagten mit der Sache Vertraute am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Coeure habe geantwortet: „Morgen ja. Montag – ich weiß es nicht.“

Die griechische Regierung hat Medienberichte über eine immer rasantere Kapitalflucht und eine mögliche Schließung der Banken als Versuch einer Destabilisierung des Landes kritisiert. Mit solchen Berichten werde zudem der Druck auf die Regierung erhöht, die Reform- und Sparforderungen der Gläubiger zu akzeptieren, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen.

In Athen machten wilde Gerüchte die Runde, die griechischen Banken könnten wegen Liquiditätsproblemen in Kürze schließen. Die Regierung musste schon zuvor die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen dementieren. „Die Geldeinlagen sind gesichert und das Banksystem ist stark“, meinte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis. Das staatliche Fernsehen ERT berichtete jedoch am Abend, die griechische Notenbank habe bei der Europäischen Zentralbank drei Milliarden Euro extra angefordert.

Nach Informationen aus griechischen Bankenkreisen wurden am Donnerstag wieder etwa eine Milliarde Euro und von Konten abgehoben, zwischen zwischen Montag und Mittwoch waren es rund zwei Milliarden Euro. Nach Angaben der Zentralbank summierten sich die Abhebungen in den ersten fünf Monaten des Jahres auf insgesamt fast 30 Milliarden Euro. Die Geldeinlagen in Griechenland fielen auf rund 128 Milliarden Euro.

EU-Gipfelchef Donald Tusk hat ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer zu Griechenland für diesen Montag (22.6.) einberufen. Das teilte der EU-Ministerrat am Donnerstag nach einer ergebnislosen Eurogruppensitzung mit.

Griechenland und die übrigen Euro-Staaten haben sich beim Treffen ihrer Finanzminister nicht auf einen Kompromiss im Schuldenstreit einigen können. EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis teilte am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, die Athener Regierung müsse sich bei den Verhandlungen „ernsthaft engagieren“.

Eine Einigung mit Griechenland ist nach Angaben von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nicht in Sicht. Die griechische Seite habe zu wenige Vorschläge für Maßnahmen auf den Tisch gelegt, die verlässlich und ernsthaft genug seien, sagte Dijsselbloem. Man habe ein deutliches Signal an die griechische Regierung gesandt, dass diese mit den Instititutionen im Rahmen der Vereinbarungen der Eurogruppe vom 20. Februar umfassend zusammenarbeiten sollten. „Der Ball liegt eindeutig im griechischen Feld“, sagte Dijsselbloem. „Die Zeit läuft ab.“ Eine mögliche Einigung müsse sowohl für Griechenland als auch den Rest der Eurozone verlässlich sein.

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7 Kommentare zu "Griechenland-Krise: EZB hat offenbar Angst vor einem Bankrun"

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  • Da fehlt noch was, was seit gestern zum Vokabular gehört: der ultimative Vorschlag

  • Insgesamt sind ja nun wohl schon um die 100 Milliarden abgeflossen. Das entspricht in etwas dem gr. BIP. Für ein Volk, das nur Schulden haben soll, nicht schlecht. Aber etwas anderes will oder kann keiner beantworten: wieso benötigen die griechischen Banken ELA-Notkredite, wenn sie Kundengelder auszahlen oder überweisen wollen (ins Ausland)? Nach meinem Verständnis funktioniert das doch so: ein Kunde zahlt Geld auf eine Bank ein, darüber kann er dann verfügen. Das heißt, die Banken müssten dieses Geld eigentlich haben. Aber auch über die EZB heißt es, dass die griechischen Sicherheiten immer schlechter würden. Wie passt das also zusammen? Es kann doch nur so sein, dass das Geld der Bankkunden anderweitig von den Banken ausgegeben wurde. Dann stellt sich aber die Frage: wofür? Und da komm ich dann ganz schnell zu dem Punkt, dass dieses Geld wohl zur Staatsfinanzierung verwendet wurde. Oder eben das ELA-Geld jetzt und der Geldabfluss durch die Kunden lediglich ein Vorwand ist. Beide Male komme ich dann wiederum zu dem Schluss, dass das ja illegal ist. Folglich fühle ich mich bei diesen komischen Nachrichten zu ELA und dessen Verwendung ziemlich verarscht.

  • M.E. hat die EZB keine Angst vor einem Bankrun, sondern sie hat keinen Plan mit den von ihr verursachten Fehlern umzugehen. Sie wird dabei von den ebenso ratlosen Politikern gestützt, die ihrerseits auch keine bessere Figur machen.

    Die griechischen Verhandler haben auf der ganzen Seite gewonnen.

    EZB, EU-Politiker und insbesondere unsere deutschen Politiker dürfen nun die Sicherheiten für die Rettungspakete verwerten. Merkel erklärte mehrfach, dass man mit den Rettungspaketen "Zeit erkaufen" wollte. Die ist nun abgelaufen. Es ist an der Zeit die Kredite, den Steuereinnahmen entnommen, abzuschreiben und zu verhindern, dass Griechenland einen erneuten Kredit, besichert mit "Zeit" erhält.

    Es ist auch in der Zeit Geldgeschäfte in kompetente Hände zu übertragen und sich von kompetenten Beratern und nicht mit Gutachtern zu umgeben, die die vorgegeben Ziele als Ergebnis zu Papier bringen.

    Wenn es in der Politik Charaktere mit Verantwortungsbewusstsein gäbe, dann wäre es jetzt an der Zeit, die eigene Unfähigkeit bei dem Raum stehenden Betrag einzugestehen, und das Weite zu suchen. Bei Beträgen in dieser Größenordnung kann man nicht "nach bestem Wissen und Gewissen" oder "wo ein Wille, da ist ein Weg" zu arbeiten . Da gehört auch die eigene Erkenntnis dazu offen zuzugeben, dass man keine Ahnung hat.

    Falls jemand auf den Gedanken kommen sollte, auf die Banker, die Bankvorstände zu verweisen. Da ist es etwas anderes. Da kommt noch einmal ein anderes Interesse dazu. Die Gier nach der Boni. Die ist dann am sichersten, wenn Zweifel an der Darstellung unangebracht sind. Wenn die Verluste nur groß genug sind, wenn Zweifel angebracht werden, dann muss das ganze Kartenhaus einstürzen. Da geht es darum die Politiker möglichst einzubinden (siehe Vortragstätigkeit und deren Bezahlung von Peer Steinbrück) und die Finanzierung des eigenen Misserfolgs abzusichern.

    Diese sogenannte elitäre Schicht schenkt sich gegenseitig nichts.

  • Ich mag unseren Griechen um die Ecke. Hat er uns doch schon vor 10 Jahren nach der letzten Runde Uzo gesagt, er würde einem Griechen niemals Geld leihen...

    Glaubt wirklich jemand ernsthaft, die Grinse Griechen der aktuellen Regierung haben jemals vorgehabt, Reformen zu planen und Schulden zurückzuzahlen?

  • ... letzte Chance ...
    ... allerletzte Chance ...
    ... wirklich letzte Chance ...
    ... wirklich allerletzte Chance ...
    ... Krisengespräch zur letzten Chance ...
    ...
    ...
    ...
    Blaupause für zukünftige Pleitestaaten um Zeit und somit auch Geld zu schinden!

  • Es läuft auf einen Grexit raus...

    die einen können sich nicht bewegen, weil sie das ihren Wählern nicht erklären könnten, die anderen wollten sich nie bewegen, weil das nicht zu ihren Vorstellungen passt und sie, wie alle Linken, Träumer sind. Denen ist gar nicht klar was sie ihrem Land antun.
    Es mag sein, dass es heute, wegen Fakelaki, nicht für alle Medikamente und medizinische Versorgung gibt. Aber nach dem Grexit wird das noch viel extremer.
    Griechenland braucht eine Regierung die knochenhart gegen Fakelaki vorgeht. Anzeige - Verhaftung - Schnellgericht - ein Tag bis 1 Monat Gefängnis. Strafdauer je nachdem wie oft jemand schon aufgefallen, angezeit, wurde. Die Höhe des Fakelakis darf dabei überhaupt keine Rolle spielen.

  • Es reicht jetzt mit diesen Formulierungen "die Zeit läuft davon" und dergleichen. Wann sehen die verantwortliche EU-Politiker endlich ein, dass diese linksradikale Regierung in Athen kein Interesse an einer soliden Lösung hat. Nicht umsonst hat der Chefvolkswirt von UniCredit resümiert, dass diese linksradikale Regierung noch nicht einmal in der Lage wäre ein "Grillfest zu organisieren".
    Statt dessen pumpt man eine Milliarde nach der anderen in ein Loch ohne Ende. Wenn hierzulande noch einmal ein Politiker von Steuererhöhungen unter dem Deckmantel von "Bildung und Infrastruktur" spricht, dann sollte man es wie die "nicht steuerzahlenden Griechen" machen. Scheinbar funktioniert eine derartiges Steuer(nicht)zahlerverhalten ganz ausgezeichnet.

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