Griechenland-Krise Grexit auf Zeit? „Der Vorschlag taugt so nichts“

Wolfgang Schäuble schlägt den Griechen einen „Grexit auf Zeit“ vor. Doch Ökonomen halten nicht viel von der Idee des Bundesfinanzministers. Nicht nur der Wirtschaftsweise Peter Bofinger findet deutliche Worte.
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Drei Unternehmer entwerfen drei Business-Pläne. Quelle: Imago
Wie geht es weiter in Griechenland?

Drei Unternehmer entwerfen drei Business-Pläne.

(Foto: Imago)

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält einen „Grexit auf Zeit“, wie von Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeschlagen, für eine Mogelpackung. „Das ist nichts anderes als ein Grexit“, sagte er dem Handelsblatt, denn die EU-Verträge sähen zwar keinen Austritt vor: „Aber dass ein Land, das nicht in der Währungsunion ist, dieser beitreten kann, wenn es die Konvergenzkriterien erfüllt, ist klar, auch wenn das Land Griechenland heißt.“ Die Grundannahmen hinter Schäubles Vorschlag ist die vom Münchner Ökonomen Hans-Werner Sinn seit längerem intensiv verfochtene These, Griechenland könne durch Abwertung seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen und nach einigen Jahren gestärkt wieder der Euro-Zone beitreten.

„Das ist eine schöne Geschichte“, meint Bofinger, äußert aber große Zweifel, dass es sich so abspielen würde. „In einer idealen Welt, mit einer starken und harten Regierung würde das vielleicht klappen“, so Bofinger. „Unter den tatsächlichen Verhältnissen in Griechenland sind Chaos und Hyperinflation wesentlich wahrscheinlicher.“ Für die Gläubiger sei das auf keinen Fall die billigere Lösung.

Griechenland verhandelt derzeit mit den anderen Euro-Ländern über seine Reformvorschläge, die Voraussetzung für neue Hilfen für das pleitebedrohte Land sind. Kommt es nicht zu einer Einigung, hat das Bundesfinanzministerium unter Wolfgang Schäuble angeregt, mit der griechischen Regierung Verhandlungen über eine mindestens fünf Jahre andauernde Auszeit aus der Euro-Zone zu beginnen.

„Der Vorschlag taugt so nicht“, meint Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Denn die Rückkehr per Termin sei unrealistisch. „Deshalb sollte man die Maske vom Schäuble-Vorschlag nehmen und sagen, worum es eigentlich geht: um den Austritt Griechenlands.“

„Wir werden heute harte Gespräche haben“
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