Griechenland-Krise Jetzt legt Tsipras den Gläubigern sein Angebot vor

Athen hat seinen Geldgebern einen „Gegenvorschlag“ vorgelegt – und droht: Scheitern die Verhandlungen, stehe der Euro in Griechenland vor dem Aus. Brüssel reagiert verschnupft auf den Tonfall der Tsipras-Regierung.
Update: 09.06.2015 - 14:27 Uhr 67 Kommentare

Griechenland – eine unendliche Geschichte

Athen/BrüsselKurz vor dem nächsten Spitzentreffen zur Lösung der Schuldenkrise hat die griechische Regierung den internationalen Geldgebern neue Vorschläge für Reformen unterbreitet. Athen habe einen „Gegenvorschlag“ zu den Forderungen der Gläubiger gemacht, hieß es am Dienstag aus EU-Kreisen.

Diese neuen Reformpläne stellen die internationalen Partner offenbar nicht zufrieden. Die Vorschläge reichten für eine Einigung nicht aus, sagten mehrere EU-Vertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Was sie übermittelt haben, genügt nicht, um den Prozess voranzubringen“, erläuterte eine mit der Sache vertraute Person. Ein zweiter EU-Vertreter erklärte, die Vorstellungen der griechischen Regierung dürften für die anderen Euro-Länder kaum akzeptabel sein.

Über den Inhalt wurde bislang wenig bekannt. Aufschluss könnte aber ein Interview geben, das der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ gegeben hat. Darin gab er sich in einigen Punkten unnachgiebig. So sei eine Einigung nur möglich, wenn die internationalen Gläubiger ihre Forderungen nach Rentenkürzungen fallen ließen. Griechenland könne schließlich mit keinem Programm weitermachen, das eindeutig versagt habe.

Beim Thema Primärüberschuss – also dem Staatshaushalt ohne Schuldendienst – sei man sehr nah an einer Vereinbarung, sagte Tsipras in dem Interview. Die Gläubiger wollen für 2015 nur noch auf einen Primärüberschuss von einem statt zunächst 3,5 Prozent bestehen, die griechische Regierung sähe gerne eine Forderung mit einer Null vor dem Komma.

Tsipras warnte in dem Interview zudem davor, dass ein Scheitern der Verhandlungen der „Anfang vom Ende der Euro-Zone“ sei. „Wenn Griechenland scheitert, werden die Märkte sofort nach dem Nächsten Ausschau halten. Wenn die Verhandlungen scheitern, werden die Kosten für die europäischen Steuerzahler gewaltig sein.“

Ein Teil des neuen Angebots aus Athen soll offenbar eine Schuldenumschichtung sein: Bereits im Mai hatte Finanzminister Yanis Varoufakis die Idee ins Spiel gebracht, mit ESM-Geldern Schulden bei der EZB zu bezahlen. Das hätte den Vorteil, dass Gelder aus dem ESM erst längerfristiger zurückgezahlt werden könnten.

Kritik, besonders an der Wortwahl der Griechen, kommt in Deutschland besonders von der eurokritischen AfD: „Der griechische Premier Tsipras versucht die Eurozone mit Horrorvorstellungen über einen Grexit zu weiteren Zugeständnissen zu pressen“, monierte Parteichef Bernd Lucke gegenüber dem Handelsblatt. Er glaube nicht, dass die Eurozone in fünf Jahren Griechenland-Krise keinerlei Vorbereitungen für einen möglichen Grexit getroffen habe.

„Die europäischen Banken haben ihre Abhängigkeit von griechischen Staatsanleihen längst deutlich reduziert und vermutlich hat auch die EZB ziemlich genaue Planungen im Stahlschrank, wie im Falle eines Grexits zu verfahren ist.“

Am Montagabend hatte sich der Athener Chefkoordinator Euclides Tsakalotos mit dem französischen EU-Währungskommissar Pierre Moscovici in Brüssel getroffen. Dabei sei es um die Sparmaßnahmen Griechenlands bis Ende 2016 gegangen, hieß es aus Kreisen der Regierung in Athen am Dienstag.

„Stunde null“ für Griechenland
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67 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Jetzt legt Tsipras den Gläubigern sein Angebot vor"

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  • Wir sind inzwischen an dem Punkt angekommen, dass Tsipras einen Preis einfordern kann, damit er Merkel und Schäuble wenigstens mit einem Minimum an Gesichtswahrung aus der Sache herauslässt.

  • Warum sollten die Griechen sich denn um irgendwas bemühen? Sie werden doch sowieso durchgefüttert.

  • "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten..." Soweit die Theorie...!

  • das kann nicht sein, denn:

    Grundgesetz
    I. Die Grundrechte (Art. 1 - 19)
    Artikel 5

    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

    (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

    Es kann sich somit nur um einen Irrtum handeln........

  • Ja, wenn die nationalen Haushalte vom "anonymen europäischen Steuerzahler" finanziert werden sollen, wird sich schon in Kürze die Frage stellen, wer denn letzterer ist. :-) Scheinbar hat man da vor allem EIN Land im Blick....

    Wenn die EU es ermöglicht, dass fremde Nationen den nationalen Staatshaushalt finanzieren, dan ist dieselbe wahrscheinlich schnell Geschichte. Warum sollen Deutsche, Franzosen und Italiener usw. den Griechen den Haushalt DAUERHAFT alimentieren, wenn die Griechen offensichtlich nicht willens (Hauptgrund) und auch nicht in der Lage sind, ihren eigenen Haushalt in Ordnung zu bringen?

  • Mit wie vielen Billionen?

    Hier können Sie sich schlau machen:

    http://www.bis.org/statistics/derstats.htm?m=6|32

    Man muss sich nur an die englische Schreibweise gewöhnen und das Komma für einen Punt nehmen und Billionen als Milliarden zählen......

  • Erpressung ist ein Straftatbestand! Wenn man einen Erpresser schon nicht mehr "kriminell" nennen darf... Lügenpresse!!!

  • Nach einer so langen und intensiven Manipulation hat man mittlerweile vergessen, dass die griechische Wirtschaft ca. 2,5% von der EU Wirtschaft ausmacht. Wenn GR aus der Eurozone und sogar aus der EU austritt, wird die EU und die Welt kaum untergehen.
    Es gibt aber Daten, die der Öffentlichkeit verheimlicht werden und die bei den Verhandlungen mit GR sehr wichtig sind:
    1. Vergleich des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf der Bevölkerung von GR mit D und
    den anderen EU Ländern.
    2. Vergleich der Staatsbeamten pro 100 Tsd. Einwohner in GR mit D und den
    anderen EU Ländern.
    3. Vergleich der Durchschnittsrente in GR mit D und den anderen EU Ländern.
    4. Vergleich des Durchschnittslohns von Staatsbeamten in GR mit D und den
    anderen EU Länder.
    Nur aufgrund von diesen Daten kann man sachlich feststellen ob die Griechen gerechte Löhne und Renten im Vergleich mit den anderen EU Bürger und Steuerzahler bekommen oder durch Erpressung für weitere Subvention von unverdienten Einkommen mit EU Geldern kämpfen.

  • Natürlich haben sie mit der Betrachtung des geopolitischen Gesichtspunktes völiig Recht, Leider. Doch, wie soll es mit Griechenland weiter gehen? Mich persönlich nervt Griechenland nur noch in all seiner Hässlichkeit.
    Aber das tut nix zur Sache. Ich weiß auch das die Deutschen ein sehr eigentümliches Wahlverhalten haben, und die AfD an der Merkelschen Situation nix ändern wird. Also heißt: es zahlen und sich betrügen lassen.
    Bleibt nur noch die Hoffnung auf die Wahl in Frankreich.

  • Das Sätzchen als zuspitzende Frage "Ist das schon Erpressung?" wurde aus dem Text eliminiert.

    Also eine Art von Zensur bei Licht besehen.

    Gruselige Zustände.

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