Griechenland-Krise Kanzleramt dementiert Arbeiten an Grexit-Szenario

Die Bundesregierung dementiert Berichte über die Entwicklung von Strategien für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Es sei weiterhin das Ziel, Griechenland im Euro-Raum bei der Stabilisierung zu helfen.
Update: 07.01.2015 - 13:13 Uhr 24 Kommentare

Kommt der Euro-Austritt?

BerlinDie Bundesregierung verfolgt nach eigenen Angaben keine Pläne für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin, solche Ausarbeitungen lägen der politischen Führung des Kanzleramtes nicht vor. An der politischen Linie habe sich nichts geändert. Es sei wie seit Beginn der Euro-Schuldenkrise weiterhin das Ziel der Bundesregierung, Griechenland „im Euroraum bei der Stabilisierung zu helfen.“

Zuvor hatte die „Bild“ berichtet, die Bundesregierung entwickle konkrete Strategien für einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das Bundeskanzleramt lasse derzeit Szenarien für einen möglichen Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza bei der Parlamentswahl in dem Staat am 25. Januar durchspielen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise.

Sollte das Bündnis um Alexis Tsipras gewinnen und den Reformkurs abbrechen, würde die ausstehende Rate von zehn Milliarden Euro Hilfskrediten nicht an Athen überwiesen werden. Käme es zum Austritt Griechenlands aus dem Euro - dem sogenannten „Grexit“, könnte es nach Einschätzung der Regierungsfachleute zudem einen Kunden-Ansturm auf griechische Banken geben, um Euro-Guthaben zu sichern, schrieb die Zeitung.

Ein Kollaps der Institute in dem Land könne die Folge sein. In diesem Fall müsste die EU-Bankenunion womöglich mit Milliardenzahlungen einspringen, hieß es.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte am Wochenende berichtet, die Bundesregierung halte bei einem Sieg der Linken in Griechenland einen Austritt aus der Euro-Zone für verkraftbar. Daraufhin warf Syriza-Chef Tsipras ihr Stimmungsmache gegen seine Partei vor.

Nach Ansicht von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz stärkt die Austrittsdiskussion den Syriza-Chef. „Die Debatte und die verantwortungslosen Spekulationen über „Grexit“-Szenarien sind wenig hilfreich“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch).

„Allen muss klar sein: Ein Ausstieg aus dem Euro steht nicht zur Debatte. Unerbetene Ratschläge, die den Menschen in Griechenland das Gefühl geben, nicht sie entscheiden durch ihre Wahl über ihr Schicksal sondern Brüssel oder Berlin, treiben die Wähler womöglich gerade in die Arme der radikalen Kräfte.“

SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider hatte geschätzt, dass ein Euro-Austritt Griechenlands Deutschland 30 Milliarden Euro oder mehr kosten könnte. Die internationalen Geldgeber hätten fast 240 Milliarden an Krediten an Griechenland gegeben, um das Land zu stabilisieren und im Euro zu halten, sagte Schneider zu Wochenbeginn der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Umstieg auf die Drachme könne Athen das nicht zurückzahlen.

In Griechenland wird am 25. Januar gewählt. Das Land steht mit 320 Milliarden Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide.

  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Griechenland-Krise - Kanzleramt dementiert Arbeiten an Grexit-Szenario

24 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Kanzleramt dementiert Arbeiten an Grexit-Szenario"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, "wir sind von gestern"!- Auf dem Weg nach Morgen wünsche ich der gesamten europäischen Jugend viel Erfolg!

  • Bloß nicht vorbereitet sein, dann könnte man ja noch was für den deutschen Steuerzahler retten. Aber das darf nicht sei, denn der derzeitige Kurs ist doch alternativlos!

  • @Herr Ragen Alraun: Würde mich interessieren wer als Wahlbeobachter fungiert. »Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten« (Walter Ulbricht).

    @aza azaziel: »Welchen Herren dient die Bundesregierung?«

    Goldman »Sucks« natürlich;–))

  • Von Baumrinde? Mir nicht bekannt. Eher wohl Bärenschinken auf Schwarzbrot.
    Im übrigen stammen die alten Griechen sämtlich aus Germanien.
    Die neuen Griechen allerdings nicht.... sind eher Gemisch aus dem Süden.

  • >> Kanzleramt spielt Syriza-Szenarien durch >>

    Wie kommt jetzt sowas ? In den letzten 10 Jahren hat uns doch das " Sparschweinchen im Wägelchen" mittels GEZ-Anstalten permanent eingetrichtert, Griechenland sei auf dem Guten Weg.

    Hat er uns belogen ?

    Haben die Griechen ihn belogen ?

    Was ist passiert ?

  • Wir wollen einmal klarstellen: eine Währung die nur durch Entrechtung und Enteignung der Währungsnutzer und mittels verfassungsbrechender Gesetze dauergerettet werden muß, ist keine Währung mehr. Ob GREXIT oder Nicht-GREXIT, der Euro ist ein Währungswrack, welches nicht mehr schiffbar gemacht werden kann!

  • EUR-Zone - Game Over

    Über 6 Jahre EUR-Krise, und es wird täglich teurer! Diese Währung wird als europäische Massenvernichtungswaffe in die Geschichtsbücher eingehen, leider wahr.

    Sie schadet den Bürgern nicht nur finanziell in bisher unbekanntem Ausmass, sondern sie vergiftet zunehmend die Beziehungen der Länder, aber den europäischen Eliten sind die Bürger nicht nur heute egal, das war schon häufig so in der Geschichte Europas.

    Es wird höchste Zeit eine vernünftige Alternative zum EUR-Zwangskorsett zu formulieren, aber stattdessen blamieren sich die Regierungen mit immer durchsichtigeren Durchhalteparolen ...

  • Und jeden Tag wird uns weißgemacht, irgendwelche Spinner in irgendwelchen Ländern mit der Kalaschnikov in der Hand stellen die größte Bedrohung für uns dar. Die größte Bedrohung für unser Land, unsere Sicherheit, für unsere Gesellschaftsordnung und für unseren Frieden ist mit großem Abstand unser Finanzsystem.

  • Die geradezu atemberaubende Verletztlichkeit unseres Geldsystems ist das Ergebnis von einer sehr langen Abfolge von Entscheidungen, die bei jeder Krezung konsequent stets der Gier den Vorzug gegeben haben. Jetzt ist es zu spät, das Geldsystem ist nicht mehr korrigierbar, das Schneeballsystem ist am Ende. An der Schwelle zum 20. Jhd betrug der Giralgeldanteil noch weniger als 50%. Bei jedem einzelnen Prozent hätte man korrigieren können. Faktisch war es jedem sch*egal, solange man selber genug in der Tasche hatte. Jetzt steht in der Evolution des - inzwischen globalen - Geld- und Finanzsystems Schnitt bevor, der so hart und so vernichtend sein wird, dass man sich noch in 1000 Jahren daran erinnern wird.

  • Jetzt wo unsere Politiker, die nicht weniger korrupt sind als griechische, die von Griechenland nicht erfüllbaren Forderungen der Banken, von den wehrlosen Bürgern der EU bezahlen lassen, mischen die sich auch noch in die Politik eines souveränen Staates ein. Wie abgrundtief niveaulos ist das denn?
    Viele deutsche Politiker sollten sich eine alte Weisheit zu eigen machen: "Schweigen ist Gold!" ;-)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%