Griechenland-Krise Fitch lehnt sanfte Umschuldung ab

Egal ob "freiwillige" oder erzwungene Griechen-Umschuldung - pleite ist pleite, meinen die Ratingagenturen. Dass Banken beim Rettungspaket 2.0 wie der Steuerzahler mitbluten, wird immer unwahrscheinlicher.
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Ultimatum für Griechenland

SingapurIn der verfahrenen griechischen Schuldenkrise setzen Europas Politiker, allen voran der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, auf einen vermeintlichen Rettungsanker: Banken sollen sich "freiwillig" an den Kosten eines zweiten Rettungspakets für Griechenland beteiligen, indem sie ihre Anleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit umtauschen.

Der Finanzminister will dem Steuerzahler damit neue Milliardenzahlungen an Athen schmackhaft machen. Denn nicht zuletzt dient die Rettung Griechenlands mit deutschem Steuergeld der Rettung von Europas Banken und Versicherungen - sie sind der größte Gläubiger griechischer Staatsschulden.

Ein Zahlungsausfall in Athen könnte verheerende Folgen für die Geldhäuser und damit das globale Finanzsystem haben - möglicherweise noch verheerender als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der die Finanzkrise auslöste.

Schäuble muss deshalb die Quadratur des Kreises versuchen: Er will, dass nicht nur der Steuerzahler, sondern auch die Banken einen Teil der Griechenland-Verluste schlucken, allerdings ohne dass sie daran zugrunde gehen. Um das zu erreichen, winden sich Europas Finanzminister seit Wochen um das Reizwort Zahlungsausfall, wenn sie von einem Schuldenschnitt in Griechenland reden. Stattdessen sprechen sie von einer "sanften Umschuldung".

Doch es wird immer klarer, dass diese Idee zum Scheitern verurteilt ist: Die Ratingagenturen senken den Daumen über der Idee einer "freiwilligen" Umschuldung der Banken. Egal ob harte oder weiche Landung - pleite ist pleite, bekräftigte jetzt auch die Ratingagentur Fitch.

Ein freiwilliger Tausch von griechischen Staatsanleihen würde von Fitch als Zahlungsunfähigkeit eingestuft, erklärte der Chef der Ratingagentur für die Region Asien-Pazifik, Andrew Colquhoun, am Dienstag bei einer Konferenz in Singapur. Selbst wenn ein solcher Beitrag privater Gläubiger nach dem Modell eines sogenannten „Rollover“ organisiert werde, ändere dies nichts an der Einschätzung.

Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S & P) bekräftigte am Dienstag ihre Haltung, im Falle einer freiwilligen Umschuldung Griechenlands griechische Staatsanleihen wahrscheinlich als Zahlungsausfall zu bewerten. Zwar könnte S&P nicht von vornherein sagen, dass jede Form der Umschuldung einen Zahlungsausfall bedeute.

Aber: „Die Vergangenheit zeigt, dass es bei einem Land, dessen Kreditwürdigkeit wie Griechenland aktuell mit CCC bewertet wurde, in der Regel nicht zu einer freiwilligen Umschuldung gekommen ist und Investoren Verluste hinnehmen mussten“, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer der „Welt“ laut Vorabbericht.

Bei einer Laufzeitverlängerung einer Anleihe würden Investoren schlechter gestellt, das würde einen Zahlungsausfall bedeuten und eine entsprechende Herabstufung S&Ps nach sich ziehen, sagte Krämer. Ob die Umschuldung freiwillig erfolge, spiele eine untergeordnete Rolle.

„Entscheidend ist: Wie steht der Investor im Vergleich zu dem da, was ihm versprochen wurde, als er sein Geld investiert hat“, sagte Krämer. Der Länderanalyst warnte außerdem die Politik vor einem Aufschieben des griechischen Rettungspakets. „Wenn die nächste Tranche der Hilfsgelder an Griechenland nicht ausgezahlt wird, würde das die Gefahr eines Zahlungsausfalls im Juli erheblich erhöhen.“

Griechenlands Finanzkrise - ein Dauerbrenner
Griechenlands Staatsdefizit noch höher
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September 2004

Nach Berechnungen des europäischen Statistikamtes Eurostat hat Griechenland seine Haushaltsdefizitzahlen seit 2000 manipuliert.

Klarer Sieg der Sozialisten in Griechenland
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Oktober 2009

Die oppositionellen Sozialisten gewinnen vorgezogene Parlamentswahlen. Giorgos Papandreou wird Ministerpräsident. Mit einer Staatsverschuldung von rund 260 Milliarden Euro ist jeder Grieche zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt mit rund 25.000 Euro verschuldet.

Ratings bestimmen den Markt - Fitch Ratings
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Dezember 2009

Die Ratingagentur Fitch senkt ihr Kreditrating für Griechenland herab. Andere große Ratingagenturen folgen.

Spaziergang auf der Akropolis
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Januar 2010

Die Regierung schickt ihren Sparplan zur Haushaltssanierung an die EU-Kommission. Sie will das Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit harten Einsparungen und Steuererhöhungen bis 2012 auf unter drei Prozent drücken.

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Februar 2010

Brüssel stellt den größten Schuldensünder des Eurogebiets unter Aufsicht. Athen muss bis 2012 sein Defizit in den Griff bekommen, verlangt die EU-Kommission. Die Budget-Sanierung wird von Brüssel streng und ständig überwacht.

EU ohne Haushalt - Verhandlungen gescheitert
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April 2010

Die Euro-Länder einigen sich auf ein Rettungspaket. Es soll über drei Jahre laufen und der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligt werden. Im Notfall könnte Griechenland im ersten Jahr auf Hilfen von insgesamt 45 Milliarden Euro zugreifen. Große Ratingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herab. In der Eurozone verschärft sich die Krise.

Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Millionenbetrug mit Euro-Muenzen
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Mai 2010

Griechenland soll im Kampf gegen den drohenden Staatsbankrott über drei Jahre Kredithilfen von insgesamt 110 Milliarden Euro bekommen. 80 Milliarden Euro kommen von den Eurostaaten, weitere 30 Milliarden Euro vom IWF. Griechenland muss dafür unter anderem sein Haushaltsdefizit bis 2014 unter die Marke von drei (derzeit 13,6) Prozent absenken.

Ein Banken-Beitrag zum Rettungspaket wird immer unwahrscheinlicher
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27 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Ratingagenturen erteilen „sanfter Umschuldung“ eine Abfuhr"

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  • Es ist ein Versagen des Bürgers nicht gegen die

    Schuldenpolitik der Merkel Regierung zu demonstrieren !

    Wo sind denn die Organisatoren ,absolut Fehlanzeige !

    Keine Großdemo bundesweit !

    Aber gegen S21,AKW da wurde gekämft bis zum Umfallen !

    Hat Deutschland diese Versager- Bürger verdient !

  • Ich sehe das prinzipiell ähnlich. Allerdings ist die Realität wohl noch komplexer.

    Die Lehman-Pleite war sicherlich sehr wichtig als ein Zeichen, dass es mit der Verschuldung so nicht weiter geht. Leider hat das die Märkte aber auch nachhaltig verunsichert und die Ratingagenturen unter Druck gesetzt. Diese reagieren jetzt in Einzelfällen wie GR über, während sie sich in anderen Fällen (z.B. USA) immer noch weitgehend blind stellen.

    Das ist auch der Grund, warum ich die Ablösung der Altschulden GRs durch Kredite Europas befürworte: Das nimmt den Druck und die Unruhe aus dem Markt. Es muss aber für Schuldenländer abschreckend sein und darf nicht zu edinem Zurück zur sorglosen Schuldenpolitik vor 2008 führen.

  • Sicher ist Griechenland überschuldet, aber welches westliche Industrieland ist das nicht? Wurde die USA abgewertet oder Japan oder Deutschland? Nein !

    Stattdessen wird Griechenland wie eine Sau über den Marktplatz geprügelt, obwohl alle bemüht sind, eine Lösung für deren Schuldenberg zu finden.

    Nur mal so zum Vergleich: Griechenland mit einem BIP von 20.400 $ pro Einwohner und einem Anteil Staatsunternehmen von 50% (von denen nun einige privatisiert werden sollen und ca. 50 Mrd. EUR wert sein sollen) hat ein Rating CCC, während Burkina Faso mit einem BIP von 449$ pro Einwohner ein Rating von B hat?

    Also was sollen die Ratingagenturen tun? Genau dass, was sie auch schon vor der US-Finanzkrise getan haben und was sie bis vor einem Jahr im Falle Griechenland getan haben: NICHTS!

    Sie haben es Griechenland mit ihren jahrelang erstklassigen Benotungen erst ermöglicht, zu günstigen Zinsen unbegrenzt Kredite aufzunehmen. Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist und man versucht, eine Lösung (die immer schmerzhaft sein wird) zu finden, brauchen diese "Experten" nicht pausenlos ihren Senf dazu zu geben und weiter Panik zu machen.

    Denn hier geht es nicht nur um Fakten, sondern auch um Emotionen, wie man an ihrem Kommentar sehr gut sehen kann.

  • Alle Euro-Südländer standen mit der alten Währung schon

    fast vor der Pleite z.B Italien 1DM =1000 Lire .

    Die anderen Länder das gleiche Spiel ,so gut wie pleite .

    Der Diktator Kohl u. Basta Schröder haben natürlich

    alle aufgenommen nach dem Motto "Es wird schon gut gegen "

    Das war "Schwachsinnige Politik "

    Der deutsche Bürger bekommt jetzt die Rechnung !

  • Die Arbeit können Sie sich sparen !Erfahrungsgemäß

    arbeitet der Petitionsausschuß immer zu Gunsten

    der Regierung /Gesetzgeber

  • Viele sehen in einem schnellen Tod des Patienten, also einer schnellen Pleite Griechenlands, die billigste und beste Lösung. Diese Pleite wird aber zahlreiche Folgepleiten verursachen - und/oder Rettungsaktionen, die im Volumen deutlich über dem Einsatz zur Rettung Griechenlands liegen. Wie sich die Folgekosten auf uns alle verteilen, ist nicht vorhersagbar. Im Endeffekt wird der Steuerzahler für ausgefallene privaten Kredite vermutlich genauso bluten müssen wie für die ausgefallenen öffentlichen Kredite.

    Eine gute und billige Lösung gibt es nicht. Ich plädiere daher für die m.E. am wenigsten schlechte Lösung: Komplette Übernahme der Griechischen Schulden durch Europa (sind am Markt mit einem hohen Abschlag zu kaufen --> "freiwillige" Beteiligung des Privatsektors), Disziplinierung Griechenlands durch strenge Einschränkung der Neuverschuldung, damit auch weitere Disziplinierung der anderen gefährdeten Euro-Staaten (die schon jetzt außergewöhnlich reformbereit sind - abschreckende Beispiele sind oft sehr hilfreich!), und viel Geduld. Mit etwas Glück löst sich das Problem dann in ein paar Jahren "von selbst". Und ohne dieses Glück läuft der Bankrott zumindest wesentlich geregelter und mit geringeren Nebenwirkungen ab, als das unter "Marktbedingungen" der Fall wäre.

  • Allerdings bekommt Griechenland durch die Übernahme der privaten Kredite durch den öffentlichen Sektor die Chance, sich zu reformieren und langfristig wettbewerbs- und überlebensfähig zu werden. Wenn Griechenland es schafft, seine Neuverschuldung auf 0 zu reduzieren, und das mit einer Schuldenbremse nach Deutschem Vorbild auch für die Zukunft "sicherstellt" (Gründe für Ausnahmen finden sich leider immer und überall), wird das Vertrauen der Kapitalmärkte irgendwann zurückkehren. Wenn Griechenland das nicht schafft, hilft dagegen auch ein Schuldenschnitt nichts.

    Leider ist der Weg, den Griechenland & Co gehen müssen, steinig und hart. Die Reformen belasten direkt die Konjunktur, und ob sie erfolgreich waren, sieht man erst Jahre später. Regierungen werden regelmäßig abgewählt, wenn sie auch nur ansatzweise Reformbereitschaft zeigen. Auch Papandreou und seinen "Sozialisten" droht dieses Schicksal. Aber vielleicht wäre es ganz gut, wenn die "Konservativen", die als Regierung vor den letzten Wahlen mit Bilanztricks das Unheil heraufbeschworen haben, zu realistischer Krisenpolitik gezwungen würden. Griechenland braucht eine große Koalition für Reformen, und momentan sind die "Konservativen" wohl nur zu populistischer Machtpolitik bereit.

    Jeder Vergleich hinkt. Aber irgendwo ist Griechenland wie ein Krebskranker, der Bestrahlungen und Chemotherapie braucht. Diese Maßnahmen belasten den Körper erst einmal zusätzlich, aber sie sind die einzige Hoffnung im Kampf gegen den Tod. Alle fürchten den Tod des Patienten, aber wir diskutieren munter darüber, wer die Therapie bezahlen soll und ob sie überhaupt sinnvoll ist oder ob der Patient ohnehin irgendwann sterben wird - und lassen den Krebs munter weiter wuchern...

  • Wenn ihr schon dabei seid, unterschreibt auch diese Petition http://www.bringthemback.org/ und hört auf mit dem Hass. Peace!

  • Staatsverschuldung ist Konsum in der Gegenwart zu Lasten der Zukunft. Leider sind wir in der Zukunft angekommen. Einige Staaten bekommen schon kein Geld mehr, und die Finanzindustrie und die Ratingagenturen könnten fast die ganze Welt in die griechische Spirale schicken. Auch Deutschland wäre trotz der momentanen Erfolge sehr schnell pleite, wenn "der Markt" unserem Staat das Vertrauen als Schuldner entziehen würde. Selbst wir können weder die auslaufenden Staatsschulden ohne Neuemissionen zurückzahlen noch uns zweistellige Zinssätze für Neuemissionen leisten.

    Die einzige nachhaltige Lösung des Staatsschuldenproblems besteht darin, endlich die Neuverschuldung zu stoppen. Dies geht nicht ohne Reformen. Deutschland hat momentan die Chance, es zu schaffen - nicht zuletzt auch dank Schröders Reformen (und das sagt ein bekennender Liberaler). Griechenland muss solche Reformen in jedem Fall auch durchführen - "nur" ein Schuldenschnitt würde mittel- bis langfristig gar nichts helfen.

    Bei Griechenland ist das Vertrauen der Märkte zerstört. Neue Staatsanleihen sind unverkäuflich, alte laufen schrittweise aus. Dementsprechend sinkt das Kreditvolumen der Griechen im privaten Sektor, und die öffentliche Hand springt mit Hilfspaketen dafür ein. Falls es tatsächlich zum Ausfall kommt, muss für die Ausfälle der Steuerzahler einspringen - also wieder der private Sektor. Selbstverständlich wurden die Lasten dabei innerhalb des privaten Sektors umverteilt. Aber abgesehen von diesen äußerst komplexen und kaum nachvollziehbaren Umverteilungswirkungen ändert sich nicht wirklich viel.

  • Bis dato hört man immer nur, wer alles bluten muß bei einer Umschuldung Griechenlands, die EZB, die Banken, der europäische (deutsche) Steuerzahler. Nur von den Griechen hört man nichts. Tatsache ist jedoch, daß GR als ganzes gesehen nicht arm ist. Die öffenliche Hand/der Staat, ja, aber die private Seite? Das viele geliehene Geld ist nur in den privaten Taschen verschwunden.

    Die Lösung ist eine generelle Abwertung aller Aktiven und Passiven in GR, wozu der griechische Staat durchaus die gesetzlichen Möglichkeiten hätte. Es sei in diesem Zusammenhang an die Währungsreform in D 1948 erinnert. Alle Guthaben und Schulden wurden 1 zu 10 abgewertet. Dazu gab es den Lastenausgleich, um auch nicht liquide Aktiva zu erfassen und an der Abwertung zu beteiligen. Dieses Vorbild sei den Griechen wärmstens empfohlen, da hierdurch gleichzeitig die Basis für einen enormen Aufschwung geschaffen würde, dem deutschen Wirtschaftswunder vergleichbar.

    Im Falle GR würde vielleicht eine Abwertung 1:2 genügen. Dann würden auch die griechischen Banken überleben, da beide Seiten ihrer Bilanzen entlastet würden. Und warum sollen die Griechen als Privatleute besser wegkommen, indem sie Ihre Vermögen ungeschoren hinüberretten?

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