Griechenland-Krise „Wir zahlen unsere Schulden bis zum letzten Euro zurück“

Griechenlands Präsident Pavlopoulos bemüht sich um einen Termin bei Bundespräsident Gauck. Er will über die Finanznot seines Landes und die NS-Reparationen sprechen. Auch die Regierungschefs stehen in engem Austausch.
Update: 27.04.2015 - 11:01 Uhr 18 Kommentare
Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos will mit Joachim Gauck sprechen. Quelle: dpa
Staatsoberhaupt

Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos will mit Joachim Gauck sprechen.

(Foto: dpa)

BerlinDer griechische Staatschef Prokopis Pavlopoulos will Bundespräsident Joachim Gauck treffen und dabei auch über die Forderung nach Reparationen für NS-Verbrechen sprechen. „Ich werde sobald wie möglich Deutschland besuchen“, sagte Pavlopoulos „Spiegel Online“ vom Montag. Gauck hatte sich bei einem Griechenland-Besuch im vergangenen Jahr für deutsche Kriegsverbrechen entschuldigt, jedoch keine Zusagen zu möglichen Reparationen gemacht.

Gaucks Äußerungen seien wichtig gewesen, sagte Pavlopoulos. Er glaube jedoch ebenso wie angesehene deutsche Juristen, dass die griechischen Forderungen „juristisch valide sind und wir das Recht haben, sie auf legalem Wege durchzusetzen“. Man müsse ein gemeinsames Forum finden, um die Reparationsfrage zu verhandeln – beispielsweise den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. „So klären zivilisierte Länder ihre Meinungsverschiedenheiten.“

Zu den griechischen Schulden sagte Pavlopoulos: „Wir zahlen unsere Schulden bis zum letzten Euro zurück.“ Zugleich übte er Kritik an den bisherigen Sparprogrammen, die das Land mit den Euro-Partnern und dem IWF im Gegenzug für deren Hilfsmilliarden vereinbart hatte. „Ein Teil der uns auferlegten Maßnahmen ist nicht durch EU-Recht gedeckt“, sagte Pavlopoulos. Man verlange lediglich, genauso behandelt zu werden wie andere Länder: „Wir wollen ein gleichberechtigtes Mitglied Europas sein.“

Griechenland war erstmals 2010 an den Rand einer Pleite geraten und wird seitdem mit Hilfskrediten von insgesamt 240 Milliarden Euro gestützt. Allerdings lehnt die im Januar ins Amt gekommene Links-Rechts-Regierung die bisherigen Spar- und Reformprogramme in zentralen Punkten ab. Dringend benötigte Gelder liegen wegen des Streits auf Eis.

„Wir müssen einen ausgeglichenen Haushalt beibehalten und langsam unsere Schulden reduzieren“, sagte Pavlopoulos. Als problematisch sieht er unter anderem Kritik der Geldgeber am griechischen Mindestlohn und anderen Arbeitnehmerrechten. Auch in Deutschland gebe es schließlich ein Existenzminimum. Einen Austritt aus der Euro-Zone schloss der Politiker der konservativen Partei Nea Dimokratia aus: „Griechenland hat in den Siebzigern sehr gekämpft, um Teil von Europa zu werden“, sagte er: „Ein Grexit kommt mir nicht einmal in den Sinn.“

Von der Notwendigkeit eines „Notgipfels“ der EU versuchte Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras offenbar Kanzlerin Angela Merkel und Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zu überzeugen. Ein Regierungssprecher bestätigte ein Telefonat von Tspiras mit Merkel, über das die „Bild“ berichtet hatte. Über die Inhalte sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Bereitet sich die EU auf den Grexit vor?

  • rtr
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18 Kommentare zu "Griechenland-Krise: „Wir zahlen unsere Schulden bis zum letzten Euro zurück“"

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  • Wenn Sie meinen, dass das Eingreifen Putins in der Ukraine den Menschen dort geholfen hat, dann meine Empfehlung an Sie retour: "atmen mal etwas frische Luft".

    Wenn er wirklich "Faschismus in der Ukraine" sehen würde, hätte er seine "Brüder und Schwestern" dort aber massiv im Regen stehen lassen, wie schon die Kommentatorin "Andrea Merker" - vielleicht ist das ja ihre Schwester im Geiste - bedauernd festgestellt hat. Sie fragte sich empört, warum Putin nicht seine geballte Militärmacht einsetzt, zumindest die Ostukraine zu "befreien". Der Zeitpunkt sei günstig, die NATO nicht gerüstet und die westlichen Politiker unfähig.

    Wenn Sie keine Putin-Troll sind, denken Sie mal darüber nach. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, sondern schillernd bunt. So sind es auch die zu suchenden Lösungswege - auch für die Ukraine, wo sicher vieles im Argen liegt. Krieg ist in der dortigen Situation kontraproduktiv. Beim IS muss man kriegerische Mittel anders bewerten.

  • Tsipras feuert Chefunterhändler
    ---------------------
    Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras tauscht vertrauten Chefhändler von Finanzminister Gianis Varoufakis aus!

    Tsipras sprach seinem Finanzminister Varoufakis gleichzeitig das Vertrauen aus. Wie es aus Regierungskreisen hieß, sei Varoufakis zur "Zielscheibe der internationalen Presse" geworden. Er bewege sich aber im Rahmen der kollektiven Entscheidungen der Regierung und werde weiterhin "für eine nachhaltige Lösung arbeiten", hieß es.

  • Griechenland hatte im Jahr 2008 mit 354,6 Mrd. Euro das höchste Bruttoinlandsprodukt. Im Jahr 2013 betrug es 242,2 Mrd. Euro. Die Kredite belaufen sich seit dem Jahr 2010 auf 240 Mrd. Euro. Allein das würde ja bedeuten, dass das Geld aus Krediten seit 2010 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von mehr als 85 % erzeugt haben müsste. Tatsächlich ist die Wirtschaftsleistung aber gesunken. Selbst wenn der Kredit in Höhe von 240 Mrd. Euro nicht 1:1 zu einem nominalen Wachstum geführt hätte, so bliebe der Rückgang der Wirtschaftsleistung geradezu paradox. Dafür kann die griechische Bevölkerung nicht haftbar sein, da liegt ein technischer Fehler vor.

    Unmöglich kann ein Kredit in Höhe der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft zum Rückgang der Wirtschaftsleistung geführt haben. Da stimmt etwas anderes nicht. Gut, dass die Griechen noch im Euro sind. Sie erweisen sich nicht nur als Europäer, weil sie unter demselben unsinnigen Geldmengensystem leiden, sondern weil sie dieses genauso geduldig ertragen wie der Rest der Währungsunion.

  • @Sharan.....Ja ja die gute Ukraine und der böse Putin. Kommen Sie mal aus Ihrer Wohnung raus und atmen mal etwas frische Luft!!! [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Griechenland hatte im Jahr 2008 mit 354,6 Mrd. Euro das höchste Bruttoinlandsprodukt. Im Jahr 2013 betrug es 242,2 Mrd. Euro. Die Kredite belaufen sich seit dem Jahr 2010 auf 240 Mrd. Euro. Allein das würde ja bedeuten, dass das Geld aus Krediten seit 2010 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von mehr als 85 % beträgt. Tatsächlich ist die Wirtschaftsleistung aber gesunken. Selbst wenn der Kredit in Höhe von 240 Mrd. Euro nicht 1:1 zu einem nominalen Wachstum geführt hätte, so bleibt der Rückgang der Wirtschaftsleistung geradezu paradox. Dafür kann die griechische Bevölkerung nicht haftbar sein, da liegt ein technischer Fehler vor.

    Unmöglich kann ein Kredit in Höhe der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft zum Rückgang der Wirtschaftsleistung geführt haben. Da stimmt etwas anderes nicht. Gut, dass die Griechen noch im Euro sind. Sie erweisen sich nicht nur als Europäer, weil sie unter demselben unsinnigen Geldmengensystem leiden, sondern weil sie dieses genauso geduldig ertragen wie der Rest der Währungsunion.

  • @Spirat....Sie machen sich jeden und jeden Tag mit Ihren Aussagen lächerlicher!!

    Alexander war Mazedonier Sie Geschichtsbanause!!!! Aber Hauptsache Sie können Ihren geistigen Durchfall hier posten!!

  • "bei Merkel und Schäuble"

    Die EU und die Eurozone befinden sich in Schieflage. Um da herauszukommen, muss auf auf Sicht gefahren werden. Wenn jemand in Europa die fachliche Kapazität und Führungsstärke dazu hat, dannn es ist es genau dieses Duo.

    "wo ist das Brett am dünnsten?"

    Sicher nicht bei dem genannten Duo. Die Bundeskanzlerin hat schon so einige Alleingänge gegen massiven Widerstand auch aus den eigenen Reihen gemacht und der Finanzminister hat kein Problem damit, gegen massiven Widerstand seine Position zu vertreten - siehe dessen letzter USA Besuch. Wenn beide irgendwelchem griechischem Ansinnen nachgeben, dann nur, weil dies im Interesse der EU und Euorzone ist. Ein zurück zur Kleinstaaterei in Europa würde nicht nur die Chinesen freuen. Wie sollten wir da im globalen Wettbewerb weiterhin bestehen können und Standards setzen?

  • Was macht der griechische Finanzminister bei Merkel? Mögliche Zahler sind
    EU, IWF und ESM mit 27 Mitgliedern, dorthin muss er sich wenden.

    Hier wird die Strategie gefarhen, wo ist das Brett am dünnsten? Ja richtig, bei Merkel und Schäuble, denn die Griechen haben schlauerweise richtig erkannt, dass sie über diesen Weg am ehesten zum Ziel und zu Geld kommen. Bei der EU müssten wenigstens 27 weitere Finanzminister überzeugt werden.

  • " dabei auch über die Forderung nach Reparationen für NS-Verbrechen sprechen"
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    Eine Regierung, die hinwegsieht über das Leid und die vielen Toten in der Ukraine, die die Zusammenarbeit mit Putin sucht und die Einheit in Europa gegen diese menschenverachtende Politik Russlands in Frage stellt damit, welches moralische Recht hat eine solche Regierung, Wiedergutmachung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht zu fordern?

    Die Bundeskanzlerin hat Tsipras öffentlich darauf hingewiesen, dass auch Griechenland eine Verantwortung hat, die von unseren Vätern in Europa aufgebaute Nachkriegsordnung, die ja auch das Ziel hat, dass die europäischen Ländern niemals mehr kriegerisch ihre Konflikte lösen, zu festigen und zu stärken - was soll Deutschland einer solchen Regierung Geld über das hinaus zustehen, was vertragliches Recht ist im Rahmen der EU-Verträge und sonstiger vertraglicher Regelungen zur Wiedervereinigung?
    Dann ist es besser, dieses Geld zur Festigung der in Schieflage sich befindenden EU zu verwenden - langfristig ist eine starke und prosperierende EU und Eurozone auch im Interesse Griechenlands.
    -----------
    Eine Regierung, die keinerlei Schritte unternimmt, selbst die Superreichen in Griechenland steuerlich an der Linderung der sozialen Not eines Teils der griechischen Bevölkerung heranzuziehen, wie glaubwürdig ist eine solche Regierung? Sie wird auch den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung verlieren. Es wäre wünschenswert, dass man Griechenland solange im Euro halten kann, bis eine neue verantwortliche Regierung dort das Ruder übernommen haben wird.

  • Wenn Frau Merkel - inIhrer wirtschafts- und globalpolitischen Beschranktheit-
    nicht endlich zu Potte kommt, dann soll Sie mit samt ihrer "großen Koalition!" endlich
    zurücktreten und zwsar ohne goldenen Handschlag. (Pensionszahlungen usw.)
    Das was unsere Regierung hier im Auftrag ihrer "Förderer" aus der Bankgster und Großkapital-
    szene abzieht, diese Volksverdummung und Vernichtung von Existenzen, das geht so nicht und
    dafür wird sich dieser Personenkreis persönlich -mit allen Konsequenzen- verantworten müssen.

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