Griechenland Spitzengespräch zu Rettungspaket geplatzt

Es ist ein wahrer Verhandlungsmarathon: Erneut ist am Dienstagabend ein Treffen griechischer Spitzenpolitiker verschoben worden. Die Einigung über Rettungspaket und Schuldenschnitt könnte dennoch kurz bevorstehen.
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Die Verhandlungen in Griechenland ziehen sich hin. Quelle: dpa

Die Verhandlungen in Griechenland ziehen sich hin.

(Foto: dpa)

AthenZunächst hatte sich am Dienstag Hoffnung verbreitet, dass sich noch am Abend die wichtigsten Koalitionspolitiker in Griechenland auf die Bestandteile eines neuen Sparprogramms einigen können. Doch das ursprünglich bereits für gestern geplante Treffen wurde erneut verschoben - auf Mittwochmorgen.

Die Parteichefs in Athen hätten bislang noch keinen von der Regierung und den ausländischen Kreditgebern verfassten schriftliche Entwurf für eine Einigung erhalten, erklärte ein Parteifunktionär, der nicht namentlich genannt werden wollte. Daher hätten sie auch noch keinen Einblick in die geplanten Einschnitte nehmen können. „Wir können nicht einfach ja oder nein sagen, solange wir nicht die Zusicherung der relevanten Behörden und des Staates haben, dass diese Maßnahmen verfassungskonform sind und das Land aus der Krise führen“, sagte der Vorsitzende der rechten LAOS-Partei, Giorgos Karatzaferis. „Wir haben noch Zeit. Wenn es um die Zukunft des Landes geht, werden wir uns die Zeit nehmen.“

Die Zustimmung der Koalitionsspitzen zu neuen Sparmaßnahmen ist eine Bedingung der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt deutlich gemacht, dass es keine weiteren Hilfen für Griechenland geben werde, wenn nicht die Forderungen der Troika erfüllt würden. Sie sagte am Dienstag laut Teilnehmern einer CDU-Fraktionssitzung, dass die Finanzminister der Euroländer vermutlich am Donnerstag über ein Verhandlungsergebnis aus Griechenland beraten könnten.

Nach Angaben einer Sprecherin des Büros von Ministerpräsident Lukas Papademos müssten nur noch „Feinheiten“ des Sparprogramms mit den Kontrolleuren der internationalen Geldgeber abgestimmt werden. Nach einer Übereinkunft der Parteien ist dann als nächstes der Ministerrat an der Reihe, das Sparpapier auf den Weg zu bringen. Informationen des staatlichen Rundfunks zufolge soll es etwa 15 Seiten haben. Auf der Streichliste stehen neben Einschnitten im privaten Sektor auch Kürzungen der Ausgaben für Medikamente, für Rüstung sowie Kappung von Zuschüssen für Städte und Gemeinden. Papademos, ein parteiloser Finanzexperte, ist auf eine breite innenpolitische Unterstützung angewiesen.

Von der Einigung mit den öffentlichen Geldgebern hängt auch der mit privaten Gläubigern verhandelte Schuldenschnitt ab. Papademos traf sich auch mit dem Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, sowie erstmals auch mit dem IIF-Präsidenten, Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Beobachter werteten dies als Hinweis, dass die parallel laufenden zähen Verhandlungen über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger kurz vor dem Abschluss stehen könnten.

Insgesamt sollen 2012 weitere 4,4 Milliarden Euro eingespart werden. Geplant sind unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor zwischen 20 bis 30 Prozent. Die Regierung will zudem noch in diesem Jahr 15 000 Staatsbedienstete entlassen, bis 2015 sollen es 150 000 werden. Aus Protest gegen das neue Sparprogramm machten tausende Griechen am Dienstag mit einem 24-Stunden-Streik ihrem Ärger Luft.

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35 Kommentare zu "Griechenland: Spitzengespräch zu Rettungspaket geplatzt"

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  • Darf ich darauf hinweisen,daß ein GR-Austritt nichts lösen oder ändern wird.Laut Juncker,der von der BAZ-online befragt wurde,ist das so.Das hieße,Griechenland BLEIBT uns allen als Krücke erhalten!Nur,was macht man mit den anderen betroffenen Ländern,die sicher auch irgendwann einen berechtigten Anspruch erheben?Das wird ein Schleudertrauma mit unabsehbaren Folgen.Und,kein Politiker weiß,WAS da zu tun ist.Auch eine Frau Merkel nicht.

  • "Die glauben wir sind Vollidioten."

    Und was ist so falsch daran??? Das trifft die Sache doch auf den Punkt, finde ich jedenfalls.

    Euer dürftiges Stammtischgeschwätz jedenfalls reicht nicht zum "Halbidioten", also dürfte "Vollidiot" ziemlich genau beschreiben.

  • Tschuldigung aber ich muss nochmal, weils einfach so schön war :P

    "Liebe Leserinnen und Leser, in die Diskussion über die griechische Schuldentragödie hat sich ein überheblicher, zuweilen sogar ein nationalistischer Ton eingeschlichen. Rationalität wurde vielerorts durch Ressentiment ersetzt. [...] Das Handelsblatt als größte Wirtschafts- und Finanzzeitung im Euro-Raum will in dieser aufgewühlten Debatte eine Stimme der Vernunft sein. Auch wir üben Kritik an der griechischen Schuldenpolitik, aber mit Besonnenheit. [...] Gefragt ist aber auch ein Europa der Bürger, das den Griechen einen Vorschuss gewährt ? einen Vorschuss vor allem an Vertrauen."

    Hahaha, also Herr Steingart: Schonmal eine Jeans Marke Spitzenqualität auf dem Basar der großen Versprechungen erworben und beim ersten Hosenstall zumachen alle 5 Knöpfe in der Hand gehabt? :D Genauso fühlt sich dass an verarscht zu werden!

    Zum Glück sinds ja nur ein paar Milliarden.....

  • gut gemeint kann nicht gut sein.

    Aber bei den ersten Problemen einknicken kann auch nicht gut sein.

    Die Probleme, die auf Europa zukommen werden, werden nicht eben leichter werden: gleich ob mit oder ohne Griechenland: thats a matter of fact.

  • War doch ok!

    Die EZB brauchte schließlich ein ordentliches Anleihevolumen auf dem Sekundärmarkt, dass es aufkaufen konnte. Jeder der ne Anleihe so der EZB hat zukommen lassen wird folgerichtig für die Steuererhöhungen und Sozialleistungskürzungen von morgen verantwortlich sein, wenn die EZB mit frischem Geld aufmunnitioniert werden muss. Oder am besten gleich an Parlament und Verfassungsgericht vorbei durch Inflation.

    Da können wir sich also schön alle mit allen solidarisch verbunden fühlen! Das sichert uns immerhin den Frieden!

    Warum nicht folgende Lösung: Invasion in Norwegen! Die sitzen auf jede Menge Rohstoffen und deren Erlösen in gewaltigen Fonds (staatl. Ölfonds mit satten 525 Mrd €)und exportieren sich unser aller Geld in ihre Taschen (satte 81 % Ausfuhr in die EU; fetter Außenhandelsüberschuss). Jetzt ohne Atomstrom profitieren die doch erst recht von unseren Schulden, wenn wir deren Hauptexportgut einkaufen müssen! Ist doch nur fair, dass die uns jetzt mitfinanzieren, wo wir unsere Kredite dahintragen. Laut HDI haben die da drüben den höchsten Lebensstandard der Welt!Das ganze mit 5 Mio Einwohnern! Unsolidarische Frechheit!
    Da schicken wir die wütenden Griechen an vorderster Front rein, da können die sich mal so richtig austoben

  • Ich denke auch, dass es mittlerweile nicht mehr um die Griechen geht... die wollen nicht wirklich gerettet werden... wir wollen unser Bankensystem und das schön ersponnene Europa retten. Den Euroraum wie einen Gemischtkonzern zu führen, bei dem nichts zusammen passt klappt nicht... man muss einmal gewählte Formen bei besseren Erkenntnissen ändern müssen können. Vielleicht war die Entscheidung aus damaliger Sicht richtig, heute hat man neue Erkenntnisse und die lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass Griechenland nicht mehr zur Gesamtstrategie passt. Wir können den Griechen auch nicht mehr helfen... alles was jetzt versucht wird dient dazu die geistigen / materiellen Besitzstände weniger zu sichern... Vielleicht gibt es eine Rezession... aber nichts was die ECB durch ein paar Milliarden nicht richten könnte...

  • Sagen Sie bloß: darauf wäre mein Alt-Griechischlehrer an der Schule auch nicht gekommen was Sie hier weiter abzudumpfen gedenken.
    Aber Luther konnte ja nichteinmal altgriechisch "richtig" übersetzen, oder Zwingli.
    Sollte es Ihnen besser zu Gesicht stehen auf einem noch höheren Roß zu reiten: np: gerne überlasse ich Ihnen dabei den Vortritt.

  • 28 Kommentare und kein einziger fragt, wohin eigentlich das viele Geld geht. Fuer die Handwaschpaemie der griechischen Eisenbahner und ein paar verstorbene Rentner wird gar nicht soviel gebraucht. Das Geld geht an die BANKEN und das wenigste davon an deutsche Banken.

    Wir duerfen keinen Cent mehr nach Griechenland schicken. Den griechischen Buergern helfen wir am meisten, wenn der Staat in die Insolvenz geht. Ein Neuanfang wird fuer die Griechen hart werden, aber es ist ein Neuanfang! Die griechischen Kinder haben dann wieder eine Zukunft. Wenn wir aber dieses schmierige Geschaeft weiter treiben, werden griechische und deutsche Kinder und deren Nachkommen auf Ewigkeiten in die Schuldensklaverei versinken.

  • Ach Leute, das ist nur eine Riesenshow die abgezogen wird. Der Euro ist eine urdeutsche Idee, ein Traum, der Traum von "Mitteleuropa" als erstes 1916 mitten im ersten Weltkrieg von einem gewissen Friedrich Naumann ersonnen (manche würden sagen ersponnen)und als fulminanter Bestseller gleichen Namens veröffentlicht. Wessen Parteistiftung trägt heute den Namen dieses Autors und welche Partei kontrollierte jahrzehntelang das Aussenministerium ? Genau ! Und weil das so ist wird Deutschland zahlen, no matter what ! Die Griechen wissen das und sind absolut entspannt. Seit Jahren kündigen die wechselnden Regierungen in Athen Massnahmen an, beschliessen diese sogar und es passiert .... nichts ! Die Griechen wissen dass die Deutschen zahlen werden, nur der deutsche Depp weiss es nicht und glaubt dass seine von ihm gewählte Regierung einen knallharten kompromisslosen Kurs fährt. Viele Deutsche glauben aber auch an den Weihnachtsmann, Ufos, regenerative Energien, den Lottogewinn, an ihre Renten und sonstigen Ansprüche ... von daher... eine Runde Ouzo für alle !

  • @logoi
    Deutschdumpfnasen wissen, dass Logos nicht unbedingt mit Wort übersetzt werden muss und dass das Johannesevangelium in der Bibel landete. Besser kann man seine Peinlichkeit nicht zur Show stellen, Herr logoi.
    Was auch immer sie eigentlich sagen wollen, Griechenland gehört raus aus der Eurozone. Das ist gut für die Griechen, gut für Europa. Wenn die Griechen etwas Empathie hätten, dann würden sie versuchen gegen das Finanzsystem an einem Strang zu ziehen. Warum? Weil man doch nicht als Volk immer abhängig sein kann von Finanzspritzen. Das wird aber keiner verstehen und daher gibt es keine "Deutschdumpfnasen", sondern wir alle sind dumm.
    Amen

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