Griechenland Troika: Kein Sparziel ohne Entlastungen

Griechenland braucht laut neuestem Troika-Bericht mehr Entlastungen, um den angestrebten Schuldenabbau zu erreichen. Sonst könne der Schuldenberg nicht auf die geforderten 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.
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Griechenland braucht laut Troika zusätzliche Entlastungen. Quelle: dpa

Griechenland braucht laut Troika zusätzliche Entlastungen.

(Foto: dpa)

BrüsselGriechenland braucht nach Einschätzung der internationalen Geldgeber zusätzliche Entlastungen, um den angestrebten Schuldenabbau zu erreichen. Nach den bisher beschlossenen Schritten werde der Schuldenberg von derzeit 160 bis zum Jahr 2010 nur auf 129 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken und damit deutlich über den geforderten 120 Prozent liegen, hieß es in der vertraulichen Analyse der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die Reuters am Montag vorlag. Die 120 Prozent waren verlangt worden, damit das Mittelmeer-Land sich in ferner Zukunft wieder alleine finanzieren kann und die Geldgeber damit Aussichten auf eine Tilgung der Hilfskredite haben.

In dem neunseitigen, auf den 15. Februar datierten Papier werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Die geforderten 120 Prozent sind demnach nur zu erreichen, wenn private Anleihegläubiger und die Notenbanken als staatliche Gläubiger Griechenland stärker entlasten. Die Privatwirtschaft könnte auf bisher aufgelaufene Zinsen verzichten, dies würde die Schulden um 1,5 Prozentpunkte senken. Die nationalen Notenbanken und die Europäische Zentralbank könnten insgesamt neun Prozentpunkte beitragen, indem sie auf Forderungen verzichten.

Der Pleitegeier droht über dem Land aber weiter zu kreisen, wenn sich das schlimmste Szenario einstellt: ein Teufelskreis aus noch schlimmerer Rezession und steigender Staatsverschuldung. „Es besteht eine grundlegende Spannung zwischen den Programmzielen des Schuldenabbaus und der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“, heißt es in dem Bericht.

Der notwendige Kostenrückgang im Inland werde unweigerlich zu einer höheren Schuldenquote führen. Sollte sich die Rezession verschärfen und die Regierung in Athen Strukturreformen verweigern, könnte die Schuldenquote in acht Jahren wieder bei 160 Prozent liegen, schreiben die Experten. Der Bericht bildet die Grundlage für die Beratungen der Euro-Finanzminister, die am Abend über die Freigabe des zweiten Rettungspaketes im Volumen von 130 Milliarden Euro entscheiden sollten.

Basisdaten Griechenland

Quelle: Eurostat
*Schätzung
  • rtr
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4 Kommentare zu "Griechenland: Troika: Sparziel ohne Entlastungen nicht machbar"

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  • Griechnland hat nichts umgesetzt.
    Artikel:
    Offenbar verheerender Troika-Bericht: Griechenland hat Ziele nicht erreicht
    Deutsche Mittelstands Nachrichten | 36 Kommentare

  • Das griechische BIP befindet sich seit 2008 fast schon im freien Fall. Da muß man sich wirklich fragen, auf welchem Weg denn im Vorjahrzehnt bis 2008 das BIP erzeugt und sogar noch regelmäßig gesteigert wurde - in erster Linie nämlich durch Verschuldung.

    Damit wurde die eigene mangelhafte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit über sehr viele Jahre hinweg lediglich verschleiert. Übrigens haben die USA ein ähnliches Problem.

    So schnell baut sich keine wettbewerbsfähige Angebotsseite auf; auch ein kompletter Schuldenschnitt und neue reine Investitionskredite mit Nullzins werden keine Wunder bewirken.

  • Anlegerschützer empfehlen Privatanlegern, den geplanten Schuldenschnitt bei Griechenland-Anleihen trotz der damit verbundenen finanziellen Einbußen mit zu tragen.

    "Es besteht das Risiko, dass die alten Papiere von Griechenland nicht mehr bedient werden", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, dem "Tagesspiegel".


    Was sagt uns das? Eine Pleite steht irgendwann an.

  • Die geforderte Entlastung könnte so einfach sein: Der Rettungsschirm müsste nur darauf verzichten, für die "Rettung" wesentlich höhere Zinsen zu verlangen als er selbst für die Beschaffung des Geldes zahlen muß (derzeit etwa 5% gegenüber weit unter 1% für den Beitrag, den Deutschland leistet).

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