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Griechenland und der Euro Austritt: Eine teure Option

Im Austritt von Griechenland sehen Befürworter vor allem Chancen. Das Land könnte die tiefe Rezession überwinden und die Euro-Zone wäre vom insolventen Staat befreit. Doch viele Ökonomen fürchten unbeherrschbare Folgen.
7 Kommentare
Niemand weiß genau, welche Folgen ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätte. Quelle: dpa

Niemand weiß genau, welche Folgen ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätte.

(Foto: dpa)

Ob Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) oder Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die Befürworter eines Austritts Griechenlands aus dem Euro sehen in dem harten Schnitt vor allem Chancen: Das Land könnte mit einer stark abgewerteten Drachme seine Produkte sofort billig auf dem Weltmarkt anbieten und damit schneller die tiefe Rezession überwinden.

Die übrige Euro-Zone wäre befreit von einem insolventen Staat, und auch gegenüber den Finanzmärkten wäre klar: Die Haushaltsregeln der Euro-Zone gelten. Wer sie bricht, muss die Konsequenzen tragen. Die Gegner eines „Grexit“ sind dagegen überzeugt, dass die Kettenreaktionen im Weltfinanzsystem nicht beherrschbar wären und aus dem angestrebten Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende wird.

Die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission wollen den Austritt vermeiden. Die deutschen Wirtschaftsweisen etwa fürchten einen zweiten Lehman-Schock, wenn nur ein einziges Land aus dem Euro austritt: Der Kollaps griechischer Banken könnte französische und südeuropäische Banken treffen. Und wer garantiert den Finanzmärkten, dass nicht weitere Austritte - Spanien, Italien, vielleicht sogar Frankreich - folgen?

Teuer wäre der Austritt sogar, wenn die große Kettenreaktion ausbliebe. Die übrigen Euro-Länder müssten die bisher gewährten Kreditbürgschaften über 73 Milliarden Euro über ihre Haushalte finanzieren, Deutschland wäre mit 16,5 Milliarden Euro dabei. Hinzu kämen die Verbindlichkeiten Griechenlands gegenüber der EZB von 210 Milliarden Euro - von denen Deutschland entsprechend seines 27-Prozent-Anteils an der EZB ein gutes Viertel zahlen müsste.

Bei diesen Milliarden wird es im Austrittsszenario nicht bleiben. Die griechische Wirtschaft dürfte infolge des Bankenzusammenbruchs kollabieren. Die EU müsste ein Wiederaufbauprogramm starten und womöglich eine Hungersnot bekämpfen.

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7 Kommentare zu "Griechenland und der Euro: Austritt: Eine teure Option"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange griechische Steuerfahnder von Einheimischen bei der Durchführung ihrer Kontrollen mit Steinen beworfen werden, solange wird Griechenland auch auf keinen grünen Zweig kommen. Und der Rest Europas wird nicht nur die für die nächsten zwei Jahre Zugeständnisse für Griechenland machen müssen, sondern für die nächsten zwanzig Jahre.

  • 'Pandora0611' sagt
    --------------------
    Grexit
    ======
    "Die Europäische Zentralbank (Europas größte Bad Bank) und die EU-Kommission (Das ZK der EUdSSR) wollen den Austritt vermeiden. Die deutschen Wirtschaftsweisen (Bofinger) etwa fürchten einen zweiten Lehman-Schock, wenn nur ein einziges Land aus dem Euro austritt: Der Kollaps griechischer Banken könnte französische und südeuropäische Banken treffen. Und wer garantiert den Finanzmärkten, dass nicht weitere Austritte - Spanien, Italien, vielleicht sogar Frankreich - folgen?"

    Wenn also ein Land, welches gerade einmal mit 2% zur Wirtschaft der EU beiträgt, aus dem Euro austritt, ist das eine Katastrophe?
    Der Euro war von Anfang an eine Fehlgeburt!
    --------------------

    Das ist ein Fehlschluß.

    Die hohe gegenseitige Abhängigkeit der Banken untereinander liegt in erster Linie an zu geringem Eigenkapital.

    Denn wenn ich mit einer Eigenkapotalqiote von 3% arbeite und 3% meiner Forderungen ausfallen, dann bin ich auch pleite. Egal, ob meine Forderung auf Euro, Dollar oder jap. Yen lautet.

    Ließ sich bei "Lehmann" doch schön beobachten - über Währungsgrenzen hinweg.

    Mit dem Euro hat das nichts zu tun, und würde sich auch bein einem gr, "Austritt" (Hinauswurf) nicht ändern.

    ++++

    Allerdings halte ich die Katastrophenvorhersagen von Bofinger & Co.für stark übertrieben. Sicher müßten die zypriotischen Banken mit ein paar Milliarden gerettet werden (vom EFSF), und die französischen (von Monsieur Hollande (15 Mrd?)). Aber das dürfte es gewesen sein. Das exposure andrer Banken kann im Eigenkapital nebst Rücklagen aufgefangen werden.

    Der Unterschied zu "Lehman" ist vor allem der: Es ist alles schon längst bekannt. Nur das "wann" ist noch die Frage. Während "Lehman" doch ziemlich überraschend kam.

  • Noch teurer wäre es, dem schlechten Geld weiterhin gutes nachzuwerfen.

    Denn die "Kosten" einer Griechenlandpleite sind ja tatsächlich schon längst vorhanden - man gaukelt sich nur vor daß man davon noch einmal etwas wiedersieht.

    Kameralistisch mag das teuer aus sehen, denn die Schulden des EFSF sind ja nicht im Bundeshaushalt konsolidiert - tatsächlich wird es aber jeden Monat teurer den man die Kleptokraten weiter füttert.

    ++++

    Das ganze Gerede von "Contagion" ist Unsinn - eine Bilanzbereinigung wirkt sich normalerweise positiv aus.

    An dem Tag, an dem Griechenland die ELA gesperrt wird, werde ich meine Europosition aufstocken.

  • Grexit
    ======
    "Die Europäische Zentralbank (Europas größte Bad Bank) und die EU-Kommission (Das ZK der EUdSSR) wollen den Austritt vermeiden. Die deutschen Wirtschaftsweisen (Bofinger) etwa fürchten einen zweiten Lehman-Schock, wenn nur ein einziges Land aus dem Euro austritt: Der Kollaps griechischer Banken könnte französische und südeuropäische Banken treffen. Und wer garantiert den Finanzmärkten, dass nicht weitere Austritte - Spanien, Italien, vielleicht sogar Frankreich - folgen?"

    Wenn also ein Land, welches gerade einmal mit 2% zur Wirtschaft der EU beiträgt, aus dem Euro austritt, ist das eine Katastrophe?
    Der Euro war von Anfang an eine Fehlgeburt!
    Und das Länder mit unterschiedlicher Wirtschafskraft und Mentalität (ClubMed und Nordländer) in die Eurozone aufgenommen wurden, war der größte Fehler!
    Ein Austritt/Rauswurf Griechenlands wäre ein heilsammer Schock für den ClubMed (incl. Frankreich).

  • Die billigste Lösung wäre gewesen den Griechen die immer noch offenen Reparationszahlungen sowie den seinerzeit vom deutschen Reich erzwungenen Milliardenkredit auf einen Schlag zurückzuzahlen. Dann hätten sie einen großen Teil ihrer Schulden sofort bezahlen können und wären gar nicht erst in diese nicht enden wollende Schuldenspirale geraten. Ach ja, und die anständigste Lösung wäre es auch gewesen seine Schulden zurückzuzahlen statt auf Zeit zu spielen und sich immer wieder zu drücken. Schließlich haben die Griechen 1953 schon auf einen großen Teil ihrer Forderung verzichtet, um das deutsche Wirtschaftswunder nicht zu behindern. Spätestens nach der Wiedervereinigung 1990 hätte aber der Rest gezahlt werden müssen,zuzüglich des angesprochenen Darlehens mit Zins und Zinseszins für mittlerweile 68 Jahre. Selbst bei einem Minimalzins, und trotz der wohl schlechtesten Politiker Europas, hätte Griechenland heute wohl keine Probleme, wenn das passiet wäre.
    Ein kleines Feuer kann man am Anfang noch mit einem Fuß austreten, brennt erst einmal der Wald kann es oftmals nicht einmal von Feuerwehrwagen und Löschflugzeugen kontrolliert werden.

  • "Teuer wäre der Austritt sogar, wenn die große Kettenreaktion ausbliebe. Die übrigen Euro-Länder müssten die bisher gewährten Kreditbürgschaften über 73 Milliarden Euro über ihre Haushalte finanzieren, Deutschland wäre mit 16,5 Milliarden Euro dabei. Hinzu kämen die Verbindlichkeiten Griechenlands gegenüber der EZB von 210 Milliarden Euro - von denen Deutschland entsprechend seines 27-Prozent-Anteils an der EZB ein gutes Viertel zahlen müsste." So Frau Riedel.

    Klar wird es bei einem jetzigen Ausstieg teuer, aber je länger Griechenland im Euro bleibt, um so teurer wird es. Wer glaubt denn ernsthaft, dass Griechenland mit seinen heutigen wirtschaftlichen und politischen Strukturen in absehbarer Zeit oder besser jemals seine derzeitigen Schulden an die Gläubiger wie EZB oder die französischen und italienischen Banken oder Deutschland zurückzahlen kann? Doch nur wer auch an den Weihnachtsmann glaubt. Und je länger Griechenland im Euro bleibt, um so höhere Schulden laufen auf. Die billigste Version wäre gewesen, wenn Griechenland sofort bei Beginn der Krise den Euro-Raum verlassen hätte oder zum Verlassen gezwungen worden wäre (z.B. ohne unterstützende Zahlungen der anderen Länder). Dann wäre es heute nicht schon so teuer, Frau Riedel. Aber ein weiterer Verbleib macht es nur noch teuerer, denn der Austritt ist "unabweisbar".

  • "Die Gegner eines „Grexit“ sind dagegen überzeugt, dass die Kettenreaktionen im Weltfinanzsystem nicht beherrschbar wären und aus dem angestrebten Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende wird."

    Klar, diese Gegner sind ja diejenigen, deren Arbeitsplatz direkt am Euro hängt. Hier werden uns jetzt ca. 100 Milliarden vorgerechnet, die wir in Griechenland bislang in weniger als 3 Jahren versenkt haben. Und das ist ja auch nur eine vorsichtige Schätzung, die wahren Zahlen dürften deutlich höher sein. Wenn wir das Spielchen aber bis zum Sanktnimmerleinstag fort führen, erschrecken mich diese Kosten deutlich mehr.

    Und, sollte Griechenland austreten und es geht dem Land überraschend schnell besser, werden auch andere Staaten über ein Verlassen der Eurozone nachdenken, und das ist das eigentliche Problem der Gegner.

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