Griechenland und die Troika Tsipras schießt nur Eigentore

Griechenland stößt die Verhandlungspartner im Minutentakt vor den Kopf. So gewinnt man keine Partner, dabei hat Athen das dringend nötig. Denn es geht um mehr als nur den vermaledeiten Schuldenschnitt. Ein Gastkommentar.
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Alexis Tsipras, der neue griechische Ministerpräsident, hat sich im Jahr des Mauerfalls den stalinistisch orientierten Kommunisten angeschlossen. Quelle: dpa
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras

Alexis Tsipras, der neue griechische Ministerpräsident, hat sich im Jahr des Mauerfalls den stalinistisch orientierten Kommunisten angeschlossen.

(Foto: dpa)

Die vergangenen Parlamentswahlen in Griechenland brachten eine Zäsur. Die beiden Altparteien, die das Land über 41 Jahre hinweg in den Ruin gewirtschaftet haben, sind abgewählt. Zeit für einen hoffnungsvollen Neuanfang? Nein. Nach 24 Stunden ging es los – im Stakkato zwar, aber nicht hoffnungsvoll.

Montag: Bildung einer Koalition zwischen Syriza - im Europaparlament mit der „Linken“ verbunden – und den Rechtspopulisten – in Europa in einer Fraktion mit der AfD. Eine Koalition, die ohne Verhandlungen, Regierungsprogramm oder ähnliches Geplänkel nach fünf Minuten per Handschlag zustande kommt. Aufschrei in der Bevölkerung? Fehlanzeige!

Offensichtlich sind die Wähler von Syriza gar keine Linksextremen, sondern nur die Verlierer des Sparkurses der vergangenen fünf Jahre. Ihnen scheint es egal zu sein, wer mit wem eine Regierung bildet, Hauptsache nicht die Altparteien.

Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am DIW. Quelle: DIW

Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am DIW.

(Foto: DIW)

Dienstag, das Kabinett: Mit Alexis Tsipras bekommt das Land einen Ministerpräsidenten, der sich im Jahr des Mauerfalls den stalinistisch orientierten Kommunisten anschließt. Einen angeblich unverbrauchten Außenminister, der bereits Giorgos Andrea Papandreou als enger Vertrauter diente.

Einen Verteidigungsminister, Panos Kammenos, der sich durch Nähe zu griechischen Oligarchen auszeichnet – also zu denen, die sein Koalitionspartner ja nun so stark besteuern will. Und dann noch einen Finanzminister, Yanis Varoufakis, der vorher Spieltheoretiker war, und nun glaubt, besser verhandeln zu können als die deutsche Bundeskanzlerin. Glück auf!

Da kann man nur noch mit Adenauer sprechen, der zur ersten deutschen großen Koalition 1966 äußerte: „Na, die Zusammensetzung, wenn ich dat so sehe - ein bißchen gespenstisch.“

Mittwoch: Es folgen die vollmundigen Ankündigungen, 10.000 Staatsbeamte wieder einzustellen, die Privatisierung zu stoppen, den Leiter der Privatisierungsbehörde zu entlassen, und die Löhne wieder zu erhöhen. Die Folge: Die griechischen Aktien brechen ein. Geldabflüsse bringen das griechische Bankensystem ins Wanken.

Donnerstag/Freitag: War es das schon? Weit gefehlt. Während der griechische Außenminister nach Brüssel fährt, um sich den gerade eingeschlagenen Russlandkurs wieder ausreden zu lassen, wirft der neue Verteidigungsminister vom Helikopter Blumen über umstrittenes Gebiet im türkisch-griechischen Grenzraum ab, was sofort türkische Kampfjets auf den Plan ruft. Gleichzeitig verkündet der Spieltheoretiker den nächsten Eklat: das einseitige Ende der Verhandlungen mit der Troika.

„Haltet ein!“
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67 Kommentare zu "Griechenland und die Troika: Tsipras schießt nur Eigentore"

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  • "......schießt nur Eigentore"

    Unsere Koalitionen, seit der katastrophalen ROT/GRÜN Lobby-"Regierung", wurden vorhersehbare und gewollte Eigentore installiert !!!

    WIR deutsche Steuerzahler zahlen für die eigenen Fehler, die unsere Kompetenzleeren und miesen Lobby-"Volksvertreter" uns eingebrockt haben !

    Vorteile für wenige, aber Existenzen der unschuldigen EU-Bürger werden zunehmend zerstört !

    Die Verursacher retten sich durch unsere Steuergelder und wir Bürger/Wähler schauen immer noch passiv zu, nicht alle aber zu viele !

    Zur Rechenschaft sollte man diese Typen aus Politik und Lobby ziehen, die gewollt und vorhersehbar diese kriminelle Entwicklung herbei ergaunert haben , mit aller Härte unserer Justiz !!!!

    Das ist EUROPAfeindliche Politik !!!

  • Alles hört auf Griechenland
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    Alexis Tsipras ist der neue starke Mann in Europa.
    Alle hören genau zu wenn er spricht.
    Erst hat Tsipras die Troika rausgeworfen, dann hatte Varoufakis
    Dijsselbloem sprichwörtlich vor die Tür gesetzt.
    Dann wollen sie keinen neuen Hilfsantrag mehr stellen, sagten aber hinterher. das wäre ein Übersetzungsfehler.

    Heute trifft Tsipras mit Juncker zusammen um ihn von seinen Plänen zur Schuldenfrage zu überzeugen Um Berlin macht er einen großen Bogen. Varoufakis trifft heute Draghi um um neue Hilfsgelder zu bitten/betteln.

    Die Sparbemühungen werden eingedampft. Alle entlassenen Beamten sollen wieder eingestellt werden, die Privatisierung rückabgewickelt. die Löhne angehoben, Rentner erhalten wieder Weihnachtsgeld.
    Aber von einer funktionierenden Finanzverwaltung ist nicht die Rede.
    Reeder und Milliardäre zahlen noch immer keine Steuern!

    Tsipras tingelt derzeit durch Europa. Hier sind sozialistische Regierungen sein Anlaufziel. Erst Zypern, dann Italien, morgen Frankreich.
    Mit Renzi bildet er das neue Dreamteam!

  • "Warum kommt nicht einmal in den Fokus der Öffentlichkeit, dass Deutschland seit der Euroeinführung das vereinbarte Inflationsziel von jährlich 2% massiv unterboten hat? "

    Sie sollten nicht so viel AgoitProp-Medien konsumieren. Es gibt kein Inflationsziel von 2%. Ziel der EZB-Politik hat laut Statuten eine stabiler Geldwert zu sein, der BIS zu 2% als oberster Grenze als gewahrt gilt. Die inflationistischen Südländer wollen sich mit hartem deutschen Spargeld ihre gewohnte Fiesta finanzieren lassen und sind deshalb an Geldentwertung und Schulden die niemand oder andere zurückzahlen müssen, interessiert. Deshalb verbreiten sie namnetlich der oberste Falschmünzer Mario Drucki diese propagandistische Parloe . Ein anständiger Mensch verbreitet keine Propganda von Kreditbetrügern und ein Kluger glaubt sie nicht. Wo Sie sich einordnen, sollten Sie ggfls. überprüfen.

  • Alexis Tsipras poltert mit Kalkül und hat mit dieser Diplomatie die EU aufgeschreckt. Den Rauswurf der Troika kann ich durchaus nachvollziehen. Denn die EU trägt ebenso eine Mitschuld an der aktuellen Krise, die bereits schon vor dem EU-Beitritt Griechenlands vorhanden gewesen ist. Alle damaligen hierfür verantwortlichen Politiker in der EU forcierten diesen Beitrittsbeschluss, obwohl Ökonomen damals vor diesen Risiken gewarnt haben. Unbestreitbar ist die Tatsache, dass die bisherigen Regierungen Griechenlands das Land in den Ruin getrieben haben. Die Oligarchen und Reichen sind durch zweifelhafte Steuergesetze zu Reichtum gekommen, speziell die Reeder dieses Landes. Korruption und Vetternwirtschaft sind bis heute noch allgegenwärtig. Und insbesonders Deutschland soll an dieser Krise Schuld sein. Eine Farce, der man mit Entschiedenheit begegnen muss. Auch die EU trägt Mitverantwortung, denn Brüssel hat und wollte einfach nicht rechtzeitig die Reissleine ziehen. Jetzt müssen die starken EURO-Nationen eben dieses Desaster mittragen und damit der Steuerzahler. Italien und Spanien werden die nächsten Länder sein, die sich von der Sparpolitik verabschieden werden. Es ziehen dunkle Wolken am EU-Himmel auf.

  • @Herr Thomas Schmidt03.02.2015, 13:12 Uhr

    Wortmeldungen wie die von Ihnen zeigen nur zu eindeutig, daß Sie das große GANZE noch nicht einmal ansatzweise begriffen haben.

    Glauben Sie ersnsthaft, daß es Deutschland in 10 - 15 Jahre besser gehen wird?

    Unabhängig wie Deutschland mit Griechenland und den Griechen, mit Italien, Spanien, Portugal, Irland, oder auch Frankreich in Zukunft umgehen wird, die Deutschen werden fallen. Und wenn die Deutschen das schnallen, befürchte ich ernsthafte Unruhen.
    Haben Sie sich Herr Schmidt mal gefragt, wer die zukünftigen Beamtenpensionen und auch die normalen Renten zahlen soll?

    Immer mehr Arbeitnehmer landen in prekären Arbeitsverhältnissen. Über 3,1 Mio Arbeitnehmer müssen mittlerweile neben dem Arbeitslohn mit Hartz4 aufstocken, weil sie sonst nicht durch den Monat kommen. Viele Leute sind auf die Tafel angewiesen, um überhaupt regelmäßig was im Bauch zuhaben.

    Und jetzt nochmal die Frage an Sie: Wer soll zukünftig in Deutschland die Abgaben, Steuer, Renten erarbeiten? Wer soll die deutschen Autos der Premiummarken kaufen?
    Sie sollten sich erst einmal ernsthaft mit Zahlen auseinandersetzen, bevor Sie mit Steinen werfen. Wir sitzen alle im europäischen Glashaus!

    Und noch eine Anmerkung Herr Schmidt. Was wäre, wenn es anders herum wäre, und die Deutschen wären in der Lage Griechenlands, und Sie persönlich in der Lage eines einzelnen Griechen?

    Stellen Sie sich vor, die deutschen Reeder zahlten keine Steuer, die deutschen Politiker wären seit Jahrzehnten korrupt, und Sie als normaler Angestellter/Arbeiter hätten von den gezahlten Milliarden für die Rettung Deutschland nichts gesehen in den letzten Monaten/Jahren.

    .....und nun kommt ein französischer Forumschreiber daher und schreibt so ein Kram zusammen wie Sie.

    Klingelt es bei Ihnen?



  • Weiter so Griechen, Weiter so Herr Tsirpas!!!

    Wer den offenen Brief von Tsipras an Deutschland gelesen hat dem müssen endlich die Augen aufgehen!!!

    Wir werden in Deutschland jeden Tag von vorne bis hinten von der Regierung und den Medien betrogen was solche Themen betrifft...

    Jedem muss doch auch klar sein, warum dieser Brief eben nicht in allen Medien verbreitet wird so wie andere Aussagen von Tsipras.
    Er entschuldigt sich bei uns deutschen Steuerzahlern, so was würde niemals ein deutscher Politiker machen...

    Weiter so Herr Tsipras, weiter so...!!!

  • Die hasserfüllten Worte dieses Gastkommentares (einer Veröffentlichung eigentlich unwürdig) zeigen für mich nur eins: Tsipras macht offenbar alles richtig!

    Das ist jetzt die erste Regierung innerhalb der EU, die es mal wagt, gegen den Terror und die Arroganz von "Brüssel" aufzubegehren. Andere werden folgen.
    Denken Sie nur mal an die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Herr Prof. Kritikos! Sehen Sie zu, dass Sie da genug Beruhigungspillen zur Hand haben, so wie Sie jetzt schon bei Griechenland um Fassung ringen müssen!

  • Man weiss doch schließlich noch wo man sich als Steppke so allüberall hingeschleppt sehen durfte, um den Zinnober wenigstens noch kapieren zu können, der hier herumgebläht wird.

  • Konrad Hermann Joseph Adenauer (* 5. Januar 1876 in Köln; † 19. April 1967 in Rhöndorf; eigentlich Conrad Hermann Joseph Adenauer)

    Und nu?

  • Das jibbets auch im Kaufhaus der Wirtschaft ebenhier.

    Von Vorenthaltung durch die "Lügenpresse" kann also keinerlei Rede sein.

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